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Nobelpreis : Wie Wirtschaft mit Wissen und Klima zusammenhängt

Paul Romer, einer der beiden Preisträger des diesjährigen Wirtschaftsnobelpreises Bild: EPA

Der sogenannte Wirtschaftsnobelpreis ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für Ökonomen. In diesem Jahr setzt die Jury mit ihrer Entscheidung ein politisches Zeichen.

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          Die zwei amerikanischen Forscher William Nordhaus und Paul Romer erhalten den diesjährigen sogenannten Wirtschaftsnobelpreis. Beide werden dafür geehrt, neue Methoden entwickelt zu haben, um zwei globale, langfristige Phänomene in die ökonomische Analyse einzubeziehen. Nordhaus entwickelte ein Modell, um den Klimawandel in makroökonomische Analysen zu integrieren. Romer modellierte den Einfluss neuer Ideen und des technischen Fortschritts, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm mit.

          „Ihre Ergebnisse haben den Umfang der ökonomischen Analyse erheblich erweitert, indem sie Modelle entwickelt haben, die das Zusammenspiel zwischen Marktwirtschaft und Natur und Wissen erklären“, sagte Göran Hansson, Generalsekretär der Akademie. Beide Preisträger lehren an bekannten amerikanischen Universitäten. Der 1941 geborene Nordhaus ist Professor an der Yale University, Romer arbeitet an der Stern School of Business der New York University.

          Nordhaus hat den Preis für seine Arbeiten zum Klimawandel erhalten.

          Romer war von Oktober 2016 bis Januar 2018 Chefökonom der Weltbank in Washington, D.C. Einen Ökonomen seines Renommees als Chefökonom verpflichten zu können, hatten die meisten Analysten damals als Erfolg für die Weltbank gewertet. Nach internen Streitereien, im Zuge derer Romer die wissenschaftliche Arbeit der Weltbank scharf kritisierte, trat er dann aber nach nur etwas mehr als einem Jahr wieder zurück.

          Romer wurde seit Jahren als Kandidat gehandelt

          Dennoch wurde er seit Jahren als möglicher Nobelpreisträger gehandelt. Vor zwei Jahren hatte die Stern School versehentlich eine Pressemitteilung verschickt, in der zu einer Pressekonferenz mit Romer eingeladen wurde. Anlass sei Romers Auszeichnung mit dem Wirtschaftsnobelpreis. Die Universität entschuldigte sich später. Romer erntete Spott dafür, dass er sich auf die Verleihung derart vorbereitet hatte.

          Wegen dieser Erfahrung vor zwei Jahren hätte Romer heute fast die Anrufe aus Schweden verpasst: „Ich bekam heute Morgen zwei Anrufe und habe keinen davon beantwortet, weil ich dachte, es wären Spam-Anrufe“, teilte der neue Wirtschaftsnobelpreisträger mit. Am Ende habe man den Kontakt doch noch herstellen können, zeigte sich Göran Hansson, Sekretär der Königlich-Schwedischen Wissenschaftsakademie, erleichtert. Romer meinte, er hätte heute nicht mit dem Nobelpreis gerechnet.

          Kurz nach der Bekanntgabe meldete er sich zudem auf seiner Webseite zu Wort. „Lassen Sie mich sagen, was für eine Ehre es ist, gemeinsam mit William Nordhaus mit diesem Preis ausgezeichnet zu werden“, schrieb er.

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          Führende deutsche Ökonomen hatten schon zuvor vor allem amerikanische Forscher favorisiert. Die Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten dominieren auch die Historie der erstmals 1969 verliehenen Auszeichnung. Im vergangenen Jahr erhielt sie der Verhaltensökonom Richard Thaler, ebenfalls Amerikaner.

          Ein spezieller „Nobelpreis“

          Der mit neun Millionen schwedischen Kronen – das sind knapp 870.000 Euro – dotierte Wirtschaftsnobelpreis geht nicht auf das Testament des Erfinders Alfred Nobel zurück und gilt daher nicht als klassischer Nobelpreis. Die schwedische Reichsbank stiftete den Preis nachträglich, um auch auf dem Feld der Wirtschaftswissenschaften die führenden Arbeiten eines Jahres würdigen zu können.

          Der Sieger 2017, Richard Thaler, wurde für seine Beiträge zum Einfluss der menschlichen Psychologie auf wirtschaftliche Entscheidungen ausgezeichnet. Bisher wurde nur ein deutscher Ökonom geehrt: der Bonner Spieltheoretiker Reinhard Selten im Jahr 1994. In den vergangenen Tagen waren bereits die Gewinner der Nobelpreise für Medizin, Physik und Chemie sowie der Friedensnobelpreisträger bekanntgegeben worden. Verliehen werden die Preise traditionell am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels.

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