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Export-Hoffnungen : Unternehmen haben großes Interesse an Iran

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Aufstrebende Macht: Die deutsche Wirtschaft ist am Potential Irans sehr interessiert. Bild: dpa

Der deutsche Außenhandel hat Schwierigkeiten. Auch deshalb hoffen die Unternehmen auf das Geschäft mit Iran, wie ein Bericht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zeigt.

          Die deutsche Wirtschaft ist weiterhin stark international orientiert. Darauf deutet der noch unveröffentlichte aktuelle Außenwirtschaftsreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hin, der dieser Zeitung vorliegt. Der Bericht gewährt Einblick in die Beratungsarbeit der Industrie- und Handelskammern hierzulande und zeigt, welche außenwirtschaftlichen Themen und welche Länder die Unternehmen besonders umtreiben.

          Dem Bericht nach gab es in den Kammern im vergangenen Jahr mehr als 570.000 Beratungsgespräche und telefonisch oder schriftlich beantwortete Anfragen zu Außenwirtschaftsthemen – der höchste Stand seit Beginn der Umfrage im Jahr 2009. Mehr als 410.000 dieser Anfragen betrafen das Zoll- und Außenwirtschaftsrecht. Von den restlichen Anfragen entfiel der Großteil auf Fragen zu bestimmten Zielmärkten im Ausland.

          „Der deutsche Außenhandel befindet sich derzeit in schwierigem Fahrwasser“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier und verweist auf den Exportrückgang um zehn Prozent im Juli. Das sei ein „deutlicher Dämpfer“ gewesen. „Die wirtschaftlichen und politischen Krisen in einigen Weltregionen erschweren das Geschäft der vom Export geprägten deutschen Wirtschaft.“ Das erhöht aus Treiers Sicht den Beratungsbedarf, etwa mit Blick auf Handelshemmnisse oder die Finanzierung und Abwicklung von Handelsgeschäften. Auch Zollfragen, Fragen zur Exportkontrolle oder zum grenzüberschreitenden Umsatzsteuerrecht landen bei den Kammern.

          Gestiegenes Interesse

          Zwei Jahre nach Beginn der EU-Sanktionen gegenüber Russland etwa ist der Beratungsbedarf zu diesem Land immer noch groß; es melden mehr Kammern ein gestiegenes Interesse als ein gleichbleibendes oder gesunkenes. „Den größten Anstieg des Beratungsbedarfs aber verzeichneten die Industrie- und Handelskammern zu Iran“, sagt Treier. In der Tat meldet die überwiegende Mehrheit der Kammern für 2015 ein gestiegenes Interesse an Iran.

          Dieser Trend dauert offensichtlich an. Denn auch im ersten Halbjahr des laufenden Jahres führt Iran die Liste der Länder und Themen mit dem höchsten Beratungsbedarf an. Auf dem zweiten Platz folgt der neue Unionszollkodex, das im Mai in Kraft getretene neue Zollrecht der EU. Dahinter kommen dann die Vereinigten Staaten, auch in Zusammenhang mit dem geplanten Freihandelsabkommen TTIP, Russland und – auch vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen – die Türkei.

          Vielversprechender Besuch Gabriels

          Hintergrund des gestiegenen Interesses an Iran ist die Aufhebung eines Großteils der Sanktionen gegen das Land Anfang des Jahres. Dem DIHK-Report zufolge drehen sich die Anfragen der Unternehmen vor allem um die Themen Ausfuhrgenehmigungen, Abwicklung von Liefergeschäften und Firmengründungen. „Neben neuen Geschäftspartnern sind viele Firmen bestrebt, alte Geschäftsbeziehungen wiederzubeleben“, heißt es in dem Report. Noch aber sind die Geschäfte nicht so in Schwung gekommen, wie das vor der Aufhebung der Sanktionen erwartet worden war.

          Hindernisse sind nach Angaben des DIHK die teilweise noch bestehenden amerikanischen Sanktionen, vor allem aber Schwierigkeiten bei der Finanzierung – auch wenn der Bund Iran-Geschäfte seit Juni wieder über Hermes-Bürgschaften absichert. „Trotz des hohen Interesses der Unternehmen hemmen vor allem Finanzierungsfragen weiterhin das Liefergeschäft“, sagt Treier. Anfang Oktober will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit einer Wirtschaftsdelegation nach Teheran reisen. Ursprünglich war die Reise schon im Frühjahr geplant gewesen, musste dann aber verschoben werden. Der DIHK erhofft sich Impulse von Gabriels Besuch in Iran; auch Verbandspräsident Eric Schweitzer wird mitreisen.

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