https://www.faz.net/-gqe-ad739

Wirtschaftskrise in Nahost : Libanon stürzt ins Bodenlose

Alltag in Beirut: Menschen drängen sich an der Tankstelle. Bild: dpa

Die Wirtschaftskrise im Libanon wird immer schlimmer, die Währung ist im freien Fall, teilweise fehlt es der Bevölkerung am nötigsten. Doch es könnte noch schlimmer kommen.

          4 Min.

          Die Liste der Zumutungen, mit denen die Libanesen im Alltag konfrontiert sind, wird immer länger. Und Gleiches gilt für die Schlangen von Autos, die sich Tag für Tag vor den Tankstellen aufreihen, die nur wenige Stunden am Tag öffnen. Viele Stunden stehen die Leute für ein paar Liter Benzin an, die Verzweiflung ist mancherorts so groß, dass die Armee eingreifen musste, weil es nicht nur Faustkämpfe, sondern auch Schusswechsel gab. In besseren Zeiten verwunderte eher die Tankstellendichte. Benzin war günstig, großzügig vom Staat subventioniert. Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Der Libanon steckt in einer Wirtschaftskrise, wie sie das Land noch nicht erlebt hat. Und sie wird immer mehr zu einer Versorgungskrise, die nicht nur Benzin betrifft, sondern auch Elektrizität und medizinische Güter.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Kaum etwas illustriert den Zusammenbruch wie der Wertverfall des libanesischen Pfunds. Über Jahrzehnte gab es einen festen Wechselkurs zum Dollar – 1 zu 1500. Die amerikanische Währung wurde im Alltag wie eine Zweitwährung benutzt. Jetzt sind Devisen ein kostbares Gut. Der Wert des Dollars auf dem illegalen Schwarzmarkt betrug am Montag mehr als 17.000 Lira. Für die Bevölkerung, die nicht an harte Währung kommt, bedeutet das einen dramatischen Verlust an Kaufkraft. Ein Familienessen in einem einfachen Ausflugslokal kann inzwischen das halbe Monatseinkommen eines mittleren Angestellten verschlingen. Aber das sind schon Luxusprobleme: Menschen aus unteren Schichten wissen längst nicht mehr, wie sie ihre Familien ernähren sollen.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Nichts für Kleinverdiener: Immobilie bei Den Haag.

          Immobilienmarkt : Unbezahlbares Wohnen in Holland

          In den Niederlanden wächst der Unmut über explodierende Immobilienpreise. Jüngere Menschen gründen deswegen sogar erst später eine Familie.
          Zum Ende lässt Merkel kein gutes Fotomotiv aus: Die Kanzlerin im Vogelpark Marlow

          Merkel geht : Es waren sechzehn Jahre

          Über die Ära Merkel schreiben – wie soll das gehen? Unsere Autoren haben sich umgeschaut und umgehört. Und fanden große Schnitzel und Begeisterung für pommersche Zwergspitzen.