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Wirtschaftskrise : Der afrikanische Traum ist zu Ende

  • -Aktualisiert am

Erst Sonne, dann Regen: Auch die südafrikanische Metropole Johannesburg kann sich dem Abschwung nicht verwehren Bild: dpa

Fünf Jahre lang profitierte der afrikanische Kontinent von einem selten zuvor gesehenen Rohstoffboom - jetzt in der Krise fallen die Preise. Doch darauf sind die Staaten nicht eingestellt. Selbst Diamanten und Gold können sich dem Abschwung nicht entziehen.

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          Es ist noch nicht lange her, als es in der kongolesischen Stadt Lubumbashi nahezu alles zu kaufen gab: von frischen namibischen Austern bis hin zu „grau“ importierten südafrikanischen Autos. Dank des Rohstoffbooms in den vergangenen Jahren hat sich Lubumbashi zu einer der teuersten Städte des afrikanischen Kontinents entwickelt. Nahezu alle großen Bergbaukonzerne der Welt buhlten damals um die immensen Vorräte an Kupfer, Kobalt, Zink und Uran in Kongo. Alleine der amerikanische Konzern Phelps Dodge investierte mehr als 2 Milliarden Dollar in eine Kupfermine.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Heute herrscht in Lubumbashi wieder Arbeitslosigkeit. 40 Kupferschmelzen, die von chinesischen Zwischenhändlern betrieben wurden, sind aufgegeben worden und ihre Besitzer „über alle Berge“, wie es der Gouverneur der Provinz Katanga, Moïse Katumbi, formuliert. Mindestens 10.000 Arbeiter haben in der ohnehin von jahrelangem Krieg und jahrzehntelanger Misswirtschaft geprägten Region ihre neuen Arbeitsplätze schon wieder verloren. Auch die großen Konzerne machen dicht: Die in Toronto gelistete Katanga Mining Limited hat die Produktion von Kobalt aus der erst im März 2007 in Betrieb genommenen Kamoto-Mine gestoppt und baut ihre Lagerbestände ab. Die in London notierte Camec hat in ihrer Mukando-Konzession bei Lubumbashi neben der Kobaltproduktion auch die Förderung von Kupfer eingestellt. Das Unternehmen konzentriert sich jetzt auf seine Lastwagen-Flotte: Die Autos sollen Hilfslieferungen des Welternährungsprogramms transportieren.

          Entwicklungsbemühungen könnten zunichtegemacht werden

          Wie Kongo ergeht es derzeit auch den übrigen afrikanischen Ländern. Der Wirtschaft vieler Länder steht durch die Rezession der Weltwirtschaft eine schwere Krise bevor - mit unabsehbaren Folgen für die Armen des Kontinents. Das Wirtschaftswachstum in Afrika werde auf weniger als 3 Prozent sinken, prognostizierte der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, vor kurzem auf einer IWF-Konferenz in der tansanischen Hauptstadt Daressalam. Mehr als 50 Millionen Menschen, viele davon in Afrika, könnten dadurch in absolute Armut zurückfallen. Ein großer Teil der Entwicklungsbemühungen in den vergangenen Jahren wäre damit zunichtegemacht. Vor allem der rapide Verfall der Rohstoffpreise setzt dem Kontinent zu, weil viele Länder immer noch von einem oder wenigen Bodenschätzen abhängig sind.

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          Bis vor kurzem hofften die Afrikaner, von der Finanzkrise verschont zu bleiben, weil die Länder eine Außenseiterrolle auf den internationalen Kapitalmärkten spielen. In der Tat gab es bisher keine staatlichen Rettungspakete für Banken. Während Finanzinstitute in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr hohe Verluste verbuchten, wiesen die vier größten südafrikanischen Banken Gewinne aus, die Absa-Bank sogar einen Gewinnanstieg.

          Von einem Lohn leben zehn Menschen

          Über den Rückgang der Rohstoffexporte trifft die internationale Wirtschaftskrise den Kontinent jetzt jedoch mit voller Wucht. „Wir befinden uns in dem schwierigsten makroökonomischen Umfeld seit Menschengedenken“, sagte der Chef der südafrikanischen Bank First-Rand, Paul Harris, „wir können die internationale Entwicklung nicht auf die leichte Schulter nehmen.“ Zuvor stark nachgefragte Bodenschätze wie Kupfer, Eisenerz, Platin oder Nickel verbilligten sich im vergangenen Jahr innerhalb von nur sechs Monaten um bis zu 70 Prozent. Auch die Preise für Diamanten sanken - zum ersten Mal seit zehn Jahren. Da sich die kostenintensive Förderung der Bodenschätze bei diesen Preisen kaum noch lohnt, werden Bergwerke geschlossen, Investitionspläne auf Eis gelegt und ganze Belegschaften entlassen. Arbeitsplatzabbau ist in Afrika besonders schwerwiegend, weil von einem Lohn durchschnittlich zehn Menschen ernährt werden.

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