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Wirtschaftskriminalität : Großrazzia wegen Verdachts auf Insiderhandel

Betrugsverdacht: An der Börse sollen fast wertlose Papiere gekauft, die Kurse durch gezielt positive Nachrichten nach oben getrieben und dann wieder verkauft worden sein Bild: Wolfgang Eilmes / F.A.Z.

Schlag gegen mutmaßliche Anlagebetrüger: Die Staatsanwaltschaft München hat in einer Großrazzia Dutzende Büros und Wohnungen nach Beweisen für Insiderhandel durchsucht. Drei Verdächtige wurden verhaftet. Durchsucht wurde auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

          Die Münchner Staatsanwaltschaft hat in einer Großrazzia umfangreiches Beweismaterial gegen mutmaßliche Anlagebetrüger sichergestellt. Ermittelt wird gegen ein Netzwerk von Investoren, Zockern und Gerüchtestreuern, die seit Jahren gemeinsame Sache gemacht haben sollen. Die Vorwürfe lauten auf Marktmanipulation und Insiderhandel mit Aktien, sagte die Sprecherin der Anklagebehörde, Barbara Stockinger. „Wir ermitteln gegen 31 Beschuldigte, und es besteht erheblicher Tatverdacht.“ Dabei laufen die Ermittlungen bereits seit 2007, und sie reichen bis hin zur Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), deren Redner gern auf den Hauptversammlungen von Dax-Konzernen auftreten.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Nach Informationen der F.A.Z. sitzen die früheren SdK-Sprecher Markus Straub und Tobias Bosler in Untersuchungshaft. Sie gehören zum Kreis der Verdächtigen, die in windigen Börsenbriefen und Internetportalen Gerüchte über Aktien von Unternehmen wie Wirecard oder Nascacell verbreitet haben sollen. Erschwert würden die Untersuchungen, weil die Beschuldigten oft Namen und Firmenadressen wechselten und internationale Durchsuchungsbeschlüsse notwendig gewesen seien, sagte eine mit der Angelegenheit befasste Person dieser Zeitung. Die Masche selbst ist nach ihren Angaben leicht durchschaubar, aber schwer nachzuweisen. Vermutlich haben sämtliche Verdächtige Gerüchte über mindestens 20 kleine Aktiengesellschaften gestreut und an den Kursausschlägen der jeweiligen Aktien kräftig verdient. Gegenstand dieser Geschäfte waren bevorzugt im unregulierten Freihandel notierte und meist wertlose Aktien, sogenannte Pennystocks. Die Kurse dieser Werte sind wegen ihres hohen Streubesitzes leicht zu manipulieren.

          Gezielt Gerüchte gestreut

          Nach Informationen der F.A.Z. sollen unter anderem gezielt über den Finanznachrichtendienst Gomopa im Internet Gerüchte über Pennystocks gestreut worden sein. Gomopa steht für Goldman Morgenstern & Partners Consulting LLC. Auf ihrer Internetseite hat Gomopa „Transparenz in Sachen Finanzen, Vorsorge und Geldanlage“ versprochen, doch ihr Chef Klaus Maurischat saß als mutmaßlicher Betrüger schon in Untersuchungshaft.

          Seit einigen Tagen ist die Internetseite www.gomopa.net offline, und es kursieren Gerüchte über finanzielle Unregelmäßigkeiten. Immer wieder ist Gomopa in juristische Streitigkeiten verwickelt. In einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Berlin vom 31. August (Az.: 27 O 658/10) ist das Unternehmen aufgefordert worden, nicht länger Falschinformationen über den Kasseler Immobilienhändler Immovation AG und seinen Finanzvorstand Lars Bergmann zu verbreiten. „Gomopa hat seinen Firmensitz bewusst in New York, weil die Firma dort presserechtlich nicht belangt werden kann“, sagte ein Kenner des Unternehmens der F.A.Z.

          Die SdK räumte am Freitag ein, dass auch ihre Geschäftsräume durchsucht wurden. Es gebe jedoch „aus der Sicht der SdK keinerlei neue Vorwürfe gegen den Verein“. Die alten Vorwürfe gegen die SdK stehen im Zusammenhang mit Kursmanipulationen bei Aktien der Unternehmen Thielert und Wirecard. Staatsanwaltschaft und Allfinanzaufsicht Bafin ermittelten seinerzeit gegen den damaligen stellvertretenden SdK-Vorsitzenden Straub. Dieser hatte eingeräumt, Verkaufsoptionen auf das Zahlungsunternehmen Wirecard zu halten, dessen Kurs durch heftige Kritik der SdK unter Druck geraten war. Später trat Straub, der offenbar in kurzer Zeit ein Vermögen verdient hatte, zurück. Wirecard hatte Anzeige wegen Insiderhandels und Kursmanipulation gegen sechs Personen erstattet, darunter auch aktuelle und frühere SdK-Vorstände.

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