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Wirtschaftskriminalität : Geldtransport-Firma nach Betrugsfall insolvent

  • Aktualisiert am

300 Millionen Euro sind verschwunden Bild: dpa/dpaweb

Deutschlands größte Geldtransportfirma Heros hat nach dem Bekanntwerden der Unterschlagung von Kundengeldern Insolvenz angemeldet. Das könnte die Versorgung mit Bargeld zeitweilig behindern.

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          Deutschlands größte Geldtransportfirma Heros hat nach dem Bekanntwerden eines beispiellosen Betrugsfalls Insolvenz angemeldet. Mitarbeiter der Firma sollen in den vergangenen Jahren Kundengelder in Höhe von rund 300 Millionen Euro unterschlagen haben. Die Insolvenz könnte nach Ansicht des Branchenverbandes BDGW die
          Bargeldversorgung in Deutschland zeitweilig behindern.

          Wegen des Verdachts der schweren Untreue und des bandenmäßigen Betrugs seien vier Mitarbeiter der Heros-Tochter Nordcash aus Mönchengladbach am Wochenende verhaftet worden, teilte das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt am Montag mit.

          Nordcash hat sich darauf spezialisiert, die Tageseinnahmen von Supermärkten und Warenhäuser abzuholen, zu zählen und auf die Konten der Unternehmen einzuzahlen.

          Mit Kundengeldern den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten

          Nach Angaben aus Handelskreisen transportierte Heros täglich rund 600 Millionen Euro. Dabei sollen die Mitarbeiter im Laufe mehrerer Jahre Kundengelder in dreistelliger Millionenhöhe entnommen haben. Das Geld sollen sie teils in die eigene Tasche gesteckt und „in ganz erheblichem Umfang“ auch für die eigene Firma ausgegeben haben, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuhalten. „Das Geld ist weg“, sagte Staatsanwalt Peter Aldenhoff. Von der Heros-Gruppe war trotz wiederholter Anfragen zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

          Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe meldete Heros gegen 14.30 Uhr beim Amtsgericht Hannover Insolvenz für alle 23 Tochterfirmen an. Bei einer Razzia am vergangenen Freitag waren in den niederrheinischen Städten Viersen und Frechen sowie in Hamburg und Hannover 25 Firmen und Privatwohnungen durchsucht worden. Das sichergestellte Beweismaterial und die Angaben der Beschuldigten deutete auf einen tatsächlichen Schaden von 300 Millionen Euro hin, erklärte das LKA. Nähere Einzelheiten wollten die Ermittler mit dem Hinweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst nicht mitteilen.

          Leere Bankautomaten drohen

          Die Folgen könnten Bundesbürger in den nächsten Tagen zu spüren bekommen - etwa durch leere Geldautomaten. Die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste will ihre „gesamten personellen und technischen Kapazitäten bis zur Grenze der Belastbarkeit zur Verfügung stellen“, um mögliche Versorgungsengpässe mit Bargeld weitestgehend zu vermeiden. Die Deutsche Bundesbank ihre Filialen angewiesen, alles zu tun, um eine stabile Bargeldversorgung zu gewährleisten. „Alle Filialen wurden aufgefordert, ihre Öffnungszeiten flexibel - je nach lokalem Bedarf - auszuweiten, sofern dies notwendig werden sollte“, erklärte die Bundesbank am Montagabend in Frankfurt am Main.

          Bargeldauszahlungen sollten dann kurzfristig, auch ohne Bestellung am Vortag, möglich sein, hieß es weiter. Die Bundesbank verfüge selbst nicht über Kapazitäten für den Bargeld-Transport von den Filialen zu den Banken und zum Einzelhandel. „Dieses Geschäft befindet sich ausschließlich in der Hand privater Werttransportunternehmen.“ Aufgabe der Bundesbank sei es sicherzustellen, daß ihre Filialen für ihre Kunden im Handel und in der Kreditwirtschaft stets im benötigten Umfang Bargeld bereithalten und entgehen nehmen, um es auf Qualität und Echtheit zu überprüfen.

          Auch Karstadt und Kaufhof gehörten zu den Kunden

          Deutschlands größter Handelskonzern Metro hatte bereits am Freitag jede Zusammenarbeit mit Heros eingestellt, wie Metro-Sprecher Jürgen Homeyer mitteilte. „Die sind komplett raus.“ Das Unternehmen habe für derartige Situationen Notfallpläne in den Schubladen. Der Schaden halte sich in geringen Grenzen.

          Zu den Geschädigten dürften auch die beiden großen deutschen Warenhaus-Konzerne Karstadt und Kaufhof gehören. Karstadt-Sprecher Jörg Howe sagte: „Es sieht so aus, als wären wir auch betroffen.“ Wie hoch der Schaden sei, könne man jedoch noch nicht sagen. Auch Kaufhof nutzte das Geldtransport-Unternehmen in einigen Filialen zum Transport von Bargeld. „Wir sind aber dabei, alles zu prüfen“, sagte ein Sprecher.

          Heros hatte im vergangenen Jahr seinen bisherigen Konkurrenten Securitas Deutschland Geld- und Wertdienste mit 1600 Beschäftigten übernommen. 44 Niederlassungen mit rund 3000 Beschäftigten zählen seitdem zu dem Unternehmen mit Sitz in Hannover. Zu Umsatz oder Gewinn macht Heros keine Angaben. Nach Angaben des Bundesverbandes hatte die Heros-Gruppe bisher einen Marktanteil von 50 Prozent.

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