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Wirtschaftskriminalität : Früherer Südmilch-Chef Weber legt Geständnis ab

  • Aktualisiert am

Wolfgang Weber am Dienstag in Stuttgart Bild: AP

Zehn Jahre nach der Fast-Pleite der Großmolkerei Sachsenmilch hat der frühere Aufsichtsratschef Weber ein Geständnis abgelegt. Die Anklage wegen Untreue sei prinzipiell begründet.

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          Der wegen Untreue angeklagte ehemalige Südmilch-Chef Wolfgang Weber hat am Dienstag zum Prozeßauftakt vor dem Stuttgarter Landgericht ein Geständnis abgelegt. Der 68-Jährige sagte vor der 6. Wirtschaftsstrafkammer: „Der Anklagevorwurf ist begründet.“

          Er habe aber nicht die Absicht gehabt, das Vermögen der Sachsenmilch zu schädigen. Er verkenne nicht, daß bei der Vertragsgestaltung „gravierende handwerkliche Fehler“ gemacht wurden. Damit steht ein Aufsehen erregender Wirtschaftskrimi aus dem Jahr 1993, der zur Gesamtvollstreckung der Sachsenmilch und zum Vergleich der Muttergesellschaft Südmilch führte, vor seinem Abschluß.

          Die Sachsenmilch war 1991 als erstes ostdeutsches Unternehmen von der Deutschen Bank an die Börse gebracht worden. Nachdem die Kosten für den Neubau ausgeufert waren, ging Sachsenmilch 1993 in Gesamtvollstreckung, der Mutterkonzern Südmilch meldete Vergleich an. Weber war von 1970 bis 1992 Vorstandschef und bis Januar 1993 Vorsitzender des Aufsichtsrats von Südmilch. Weber sagte: „Ich habe nie die Absicht einer Vermögenschädigung der Sachsenmilch verfolgt.“

          Laut Anklage besteht gegen Weber der Verdacht, mit einem angeblichen Know-how-Verkauf versucht zu haben, die Südmilch zu Lasten der Sachsenmilch zu sanieren.

          Schaden: „Wertloses Know-how“

          Die Höhe der Untreue gegenüber der Sachsenmilch in Leppersdorf bei Dresden bezifferte der Staatsanwalt auf 38 Millionen Mark (19,4 Mio Euro). Bei dem Schaden gehe es vor allem um „wertloses Know-how“, das die Stuttgarter Südmilch AG an ihre ostdeutsche Tochter Sachsenmilch verkaufte. Was die Südmilch für viel Geld verkauft habe, „war allgemein zugängliches Wissen“, sagte der Staatsanwalt. Es habe niemals einen Wert von 38 Millionen Mark gehabt, fügte er hinzu. Weber habe dies bewußt billigend in Kauf genommen.

          Das Gericht gab überraschend bekannt, daß der Vorwurf des Betrugs gegen Weber zum Nachteil der Deutschen Bank eingestellt worden sei. Dieser Schaden wurde von der Staatsanwaltschaft auf rund 42 Millionen Mark geschätzt. Der Vorsitzende Richter wies Medienberichte zurück, daß es im Vorfeld des Prozesses eine Absprache über das Strafmaß gegeben habe.

          Untergetaucht in Paraguay

          Weber, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde, war seit 1993 in Paraguay untergetaucht. Am 16. September dieses Jahres hatte er sich überraschend in Stuttgart den Behörden gestellt. Seiner Rückkehr nach Stuttgart waren Gespräche zwischen Weber und der Staatsanwaltschaft vorausgegangen. Gegen eine Kaution in Höhe von 100 000 Euro befindet sich Weber auf freiem Fuß.

          Der frühere Südmilch-Chef war im August 1993 auf seine Rinderfarm in Paraguay geflüchtet. Weber besitzt die Staatsangehörigkeit von Paraguay; deshalb war eine Auslieferung nicht möglich. Webers Vorstandskollegen Rudolf Hoffmann und Manfred Klecker waren 1997 zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Weber sagte vor Gericht, er habe sich schon früher dem jetzt genannten Vorwurf stellen wollen. Im August 1993 habe er sich auf dem Rückweg von Paraguay nach Deutschland befunden. Auf dem Flughafen in Paris habe er allerdings erfahren, daß gegen seine Kollegen Haftbefehl erlassen wurde. „Also entschloß ich mich, von Paris nach Paraguay zurückzufliegen.“

          Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft habe die Südmilch schon Mitte 1991 erkannt, daß die Finanzierung der Sachsenmilch „die eigenen Möglichkeiten übersteigt“. Zu seinen Vermögensverhältnissen sagte Weber vor Gericht: „Ich verfüge über keine Vermögenswerte mehr in Deutschland. Ich selbst besitze keine Immobilien in Paraguay.“ Er erhalte auch keine Pensionszahlung von der Südmilch. Seine Rente von der BfA betrage 1119 Euro. Für den Prozeß sind drei Verhandlungstage angesetzt. Zeugen sind nicht geladen.

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