https://www.faz.net/-gqe-369d

Wirtschaftskriminalität : FlowTex-Skandal - sieben Jahre Haft für Schmiders Bruder

  • Aktualisiert am

Schmider (r) und sein Verteidiger Bild: dpa

Im zweiten Prozess im größten deutschen Wirtschaftsverbrechen ist Matthias Schmider zu fast sieben Jahren Haft verurteilt worden.

          Im zweiten Prozess im größten Wirtschaftsverbrechen der Bundesrepublik - die so genannte FlowTex-Betrugsaffäre - ist der Angeklagte Matthias Schmider am Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt worden.

          Das Landgericht Mannheim befand den 41-jährigen Manager schuldig, an den Scheingeschäften seines Bruders Manfred Schmider beteiligt gewesen zu sein. Dabei sei während seiner Tätigkeit bei FlowTex ein Gesamtschaden von rund 1,1 Milliarden Euro entstanden. Bei seiner eigenen Firma Powerdrill habe er einen Schaden von etwa 135 Millionen Euro verursacht. Insgesamt habe die FlowTex-Gruppe mit ihren betrügerischen Geschäften einen Gesamtschaden von rund 2,2 Milliarden Euro angerichtet, sagte der Vorsitzende Richter Michael Meyer.

          Scheingeschäfte im Schnellballsystsem

          Im Dezember war der Ex-FlowTex-Chef Manfred Schmider zu zwölf Jahren und sein Geschäftspartner Klaus Kleiser zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte damals befunden, beide Männer hätten ein betrügerisches Schneeballsystem aufgebaut, das in Ausmaß, zeitlicher Dauer und dem Umfang der persönlichen Bereicherung vor allem Schmiders einmalig gewesen sei. Die Männer hätten mit lediglich 200 bis 300 Horizontal-Bohrmaschinen Scheingeschäfte mit 3000 dieser speziellen Geräte gemacht. Wegen der Höhe des Schadens gilt der Fall als das größte Wirtschaftsverbrechen in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

          25 Millionen Euro noch verschwunden

          Das Gericht sieht bei Matthias Schmider während seiner Zeit bei Powerdrill Betrug in 31 Fällen und Beihilfe zum bandenmäßigen Betrug bei FlowTex. Meyer sagte, Matthias Schmider sei Mitglied der Bande um Manfred Schmider und Klaus Kleiser gewesen. „Sein Täuschungsmanöver war nicht ganz so aufwändig wie das seines Bruders.“ Meyer sagte, es sei davon auszugehen, dass noch erhebliche Summen im Ausland seien. Der Verbleib von 25 Millionen Euro sei weiterhin ungeklärt.

          Bei seiner Firma Powerdrill habe Schmider ein ähnliches Finanzierungssystem wie bei FlowTex aufgebaut, sagte Meyer. Nicht existierende Horizontalbohrsysteme seien an Banken und Leasinggesellschaften verkauft und dann zurückgemietet worden. Manfred Schmider habe 1997 die völlig überschuldete Firma Powerdrill seines Bruders übernommen, um damit einen möglichen Zusammenbruch als Dominoeffekt für FlowTex zu verhindern. Mit dem Urteil blieb das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die acht Jahre und sechs Monate Haft gefordert hatte. Schmiders Anwalt Alexander Keller hatte für ein Strafmaß unter sechs Jahren und sechs Monaten plädiert.

          Weitere Themen

          Wie teuer wird es für mich?

          FAZ Plus Artikel: Klimapaket : Wie teuer wird es für mich?

          Das Klimapaket der Bundesregierung kostet manche Leute Geld, anderen bringt es eine Ersparnis. Wir haben einige Fälle durchgerechnet. In manchen Fällen können Pendler zum Beispiel sogar Geld sparen.

          Topmeldungen

          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.