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Wirtschaftskriminalität : Das Problem wächst

  • Aktualisiert am

Schattenwirtschaft: Die Kriminalität in deutschen Unternehmen hat sich 2009 krisenfest gezeigt Bild: ddp

Wirtschaftlicher Druck, fehlende Kontrollen, neue technische Möglichkeiten: Die Wirtschaftskriminalität blühte in Deutschland auch im Krisenjahr 2009. Die Zahl der Datenfälschungen steigt demnach offenbar, geistiges Eigentum wird häufig kaum vor Missbrauch gesichert.

          Kriminelle verursachen in der deutschen Wirtschaft jedes Jahr Schäden in Milliardenhöhe. Fast 40 Prozent aller Firmen waren schon einmal Opfer von Betrug, Diebstahl, Unterschlagung oder Untreue, wie eine Studie der Unternehmensberatung KPMG ergab. Immer öfter wird dabei vor allem das Internet genutzt. Dennoch unterschätzen der Befragung zufolge gerade mittelständische Betriebe die Gefahr, Opfer von Wirtschaftskriminellen zu werden.

          Mehr als die Hälfte von ihnen glaubt demnach, dafür weniger anfällig zu sein als Großunternehmen. Inhaber- oder familiengeführte Unternehmen setzten bei ihren Mitarbeitern auf das Vertrauensprinzip und machten sich damit angreifbar, erklärte KPMG-Experte Frank Hülsberg. Grundlegende Kontrollmechanismen wie Funktionstrennung und das Vieraugenprinzip würden oft vernachlässigt. Bei jedem dritten mittelständischen Unternehmen wurden in den vergangenen Jahren laut Umfrage Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse oder Schutz- und Urheberrechte verletzt.

          Zudem handelten zunehmend auch hochrangige Manager kriminell. In der Krise komme es verstärkt vor, dass Manager Finanzdaten fälschten, um Kredite für ihre Firmen zu erhalten. Von Geldwäsche und Fälschung der Bilanzen seien deutlich mehr Unternehmen betroffen als noch vor drei Jahren, als die KPMG eine vergleichbare Studie vorgelegt hatte. Allein die Commerzbank habe durch von Kunden vorgelegte falsche Zahlen bei Krediten rund 60 Millionen Euro bis Ende September verloren.

          Die Angriffsfläche wächst

          In der Krise blühe auch das Geschäft mit dem Verkauf sensibler Informationen an Wettbewerber oder Kriminelle, sagte Hülsberg. „Viele Unternehmen verzichten selbst auf die banalste Sicherung ihres geistigen Eigentums.Heutzutage passen selbst die komplexesten Konstruktionspläne auf einen USB-Stick und damit in jede Westentasche.“ Datendiebstahl und Industriespionage würden zum Kinderspiel werden, wenn die Kontrollen versagten. Nur ein gutes Drittel der mittelständischen Betriebe gab der Studie zufolge an, über Schutzkonzepte für vertrauliche Unterlagen zu verfügen. Die Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität sei in fast jedem zweiten Fall zufällig geschehen. Jedes zweite Großunternehmen hat laut KPMG inzwischen Schutzstrukturen geschaffen.

          Die klassischen Vermögensschädigungen wie Betrug, Diebstahl oder Unterschlagung und Untreue stellen der Studie zufolge nach wie vor die am häufigsten auftretenden Delikte dar. Zu den den häufigsten Delikten im Internet zählen laut Studie unter anderem Identitätsdiebstahl, das betrügerische Anbieten von Waren, Dienstleitungen oder Kreditkartenbetrug. Durch die zunehmende Verlagerung vieler Geschäfts- und Abwicklungsprozesse in das Internet wachse die potentielle Angriffsfläche der Unternehmen, erklärte Hülsberg.

          Insgesamt gehen mehr als zwei Drittel der Befragten davon aus, dass das Ausmaß wirtschaftkrimineller Handlungen in Zukunft weiter zunehmen wird. In moralischen Fragen seien viele Manager aber über die Jahre sensibler geworden. „Ich besteche grundsätzlich nicht, ich mache nur Geschenke - diese Haltung nimmt ab“, sagte Hülsberg. Für die Studie befragt wurden laut KPMG rund 300 Führungskräfte in Unternehmen aller Branchen und Größen.

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