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Isabel dos Santos : Wirtschaftskrimi um Afrikas reichste Frau geht weiter

Isabel Dos Santos Bild: Reuters

Milliardärin Isabel dos Santos reist überstürzt nach Portugal, um zu retten, was noch zu retten ist. Die gegen sie erhobenen Vorwürfe seien „äußerst irreführend und unwahr“. Dort überschlagen sich die Ereignisse.

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          Zu einem Blitzbesuch eilte Isabel dos Santos am Donnerstag angeblich nach Lissabon. Die reichste Frau Afrikas, die auch die portugiesische Staatsangehörigkeit besitzt, versucht dort offenbar zu retten, was noch zu retten ist. Die gegen sie erhobenen Anschuldigungen seien „äußerst irreführend und unwahr“, teilte sie mit. Zur gleichen Zeit traf sich in Lissabon der angolanische Generalstaatsanwalt mit seinem portugiesischen Kollegen, um die weiteren Ermittlungen gegen die angolanische Milliardärin zu koordinieren. Die angolanische Justiz wirft der Tochter des jahrzehntelang herrschenden Präsidenten José Eduardo dos Santos vor, sich illegal bereichert zu haben und fordert von ihr 1,1 Milliarden Dollar zurück. Nun brachten die „Luanda Leaks“, Dokumente, die einem Journalistenkonsortium zugespielt wurden, neue Einzelheiten über ihr Geschäftsgebaren ans Tageslicht.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Nachdem der angolanische Generalstaatsanwalt am Mittwoch formell Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche und Veruntreuung gegen Isabel dos Santos und drei weitere Portugiesen eröffnet hatte, überstürzten die Ereignisse: Einer der Beschuldigten wurde in der Garage seines Wohnhauses in Lissabon tot aufgefunden. Erste Hinweise deuten auf einen Selbstmord hin, doch die Ermittler schließen angeblich auch einen Mord nicht aus. Der 45 Jahre alte Bankier war der Leiter des Privatkundengeschäfts der portugiesischen EuroBic-Bank, an der Isabela dos Santos, bisher über zwei Holdings 42,5 Prozent der Anteile hielt. Er hatte zudem bei dem Geldinstitut auch ihr Konto geführt: Laut Presseberichten waren von dort Ende 2017 etwa 52 Millionen Euro auf ein Offshore-Konto überwiesen worden – kurz zuvor hatte die Regierung des neuen angolanischen Präsidenten João Lourenço sie als Chefin der staatlichen angolanischen Ölgesellschaft Sonangol abgesetzt.

          Europaabgeordnete: „Blind“ gegenüber dos Santos gewesen

          Nun könnte von ihren portugiesischen Beteiligungen wenig übrig bleiben. Der EuroBic-Vorstandsvorsitzende, der einstige portugiesische Finanzminister Teixeira dos Santos, kündigte schon die Trennung von der bisherigen Hauptaktionärin an. Danach trat Isabela dos Santos auch bei zwei weiteren Unternehmen, an denen sie beteiligt ist, den Rückzug an. Zunächst zogen sich drei Portugiesen aus dem Verwaltungsrat des portugiesischen Telekommunikationsunternehmens NOS zurück, die als Vertraute von Isabel dos Santos gelten und die sie selbst ernannt hatte: Gegen Paula Oliveira und Mário Leite da Silva ermitteln die angolanischen Justizbehörden. Auch ihr Anwalt Jorge Brito Pereira zog sich aus dem Gremium zurück.

          Am Freitag kündigte die angolanische Geschäftsfrau dann an, ihre Mehrheitsbeteiligung am größten portugiesischen Elektrounternehmen „Efacec Power Solutions“ aufzugeben. Mário Leite da Silva trat als Vorsitzender des Verwaltungsrats zurück. Indirekt ist sie auch am Energieversorger Galp beteiligt.

          In Portugal hat die Marktaufsichtsbehörde CMVM bei NOS und Galp mit eigenen Ermittlungen begonnen. Die frühere portugiesische Europaabgeordnete Ana Gomes hatte schon seit längerer Zeit vergeblich darauf gedrängt. Sie warf der Zentralbank und der CMVM vor, gegenüber Isabela dos Santos „blind“ gewesen zu sein und sich eher wie Komplizen verhalten zu haben. Vor wenigen Tagen scheiterten die Anwälte der Geschäftsfrau vor Gericht, als sie der Politikerin untersagen wollten, gegenüber ihrer Klientin den Vorwurf der „Geldwäsche“ zu wiederholen.

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