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Wirtschaft als Schulfach : Viele Schüler können keine Rechnung lesen

Was wissen diese Frankfurter Zwölftklässler über Wirtschaft? Bild: Maria Klenner

Den deutschen Schülern mangelt es an Wirtschaftskompetenz, wie eine Studie offenbart. Schon einfache Fragen sind manchen zu kompliziert. Wird es Zeit für ein neues Unterrichtsfach?

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          Keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen, aber eine Gedichtanalyse in vier Sprachen schreiben können – dieses Aufstöhnen der 18 Jahre alten Schülerin Naina vor drei Jahren auf Twitter hat das Gefühl in wenige Worte gefasst, dass die Schule mehr vorbereiten müsse auf das praktische Leben.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Hamburg.

          Wie aber steht es tatsächlich um diese Wirtschaftskompetenz? Dem geht eine Studie auf den Grund, die unter der Leitung von Günther Seeber von der Universität Koblenz-Landau entstanden ist. Dafür wurden 2333 Schüler in Baden-Württemberg befragt, wo der Bildungsplan seit diesem Schuljahr das Fach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ an allen Schulen ab der siebten Klasse vorsieht. Der ersten Befragung von 2016, also vor Einführung des Schulfachs, sollen weitere bis zum Jahr 2021 folgen, um die Auswirkung des Unterrichts auf die Kompetenz der Schüler in den Klassen 9 bis 11 zeigen zu können. Die Methodik für die Online-Befragung lehnt sich an die Pisa-Studien an. Die Auswahl der insgesamt 124 beteiligten Schulen erfolgte repräsentativ.

          Die Fragen sind aus dem Alltag der Schüler gegriffen, betont Professor Seeber. Es gehe nicht um Wissen (über Inflation, Zinsen oder die Funktion von Hauptversammlungen), sondern um Kompetenzen: „Wir wollten wissen, ob die Schüler Fähigkeiten haben, die über Fachwissen hinausgehen.“ Beispielsweise wurde den Schülern eine Rechnung gezeigt, und sie sollten den dort als Versandkosten aufgeführten Betrag ablesen und angeben können. Oder sie wurden gefragt, warum wohl die Fußballprofis mehr Geld verdienen als die Handballer.

          Es fehlt an Basiswissen

          Plakative Ergebnisse nach dem Muster der twitternden Schülerin hat Seebers Team nicht mitgebracht zur Vorstellung der Studie in Stuttgart. Ziemlich deutlich zeigt sich indes schon, dass es eine – wenn auch kleine Gruppe – von Schülern gibt, die völlig ahnungslos sind. Sie scheitern schon an der einfachen Versandkosten-Frage, schaffen es vielleicht gerade noch, „Ja“ anzukreuzen, wenn gefragt wird, ob ein Ausbildungsvertrag die Arbeitszeit regeln sollte oder nicht. In den Werkrealschulen fehlt 9 Prozent der Neuntklässler selbst solches Basiswissen, in den Realschulen trifft das auf 4 Prozent der Schüler zu.

          Generell entsprechen die Ergebnisse dem Erwartbaren: Während die Schüler der Klasse 9 in den Werkrealschulen nur auf ein Basisniveau kommen, erreichen die Elftklässler am Gymnasium ein mittleres bis gehobenes Niveau. Die Unterschiede nach Geschlechtern sind nicht sehr groß. Starken Einfluss hat, ob Deutsch die Muttersprache ist. Jeweils die Hälfte der Schüler sagte, sie hätten Interesse oder eben kein Interesse an Wirtschaft. Allerdings haben 86 Prozent der Schüler angegeben, sie fänden Wirtschaftskompetenz wichtig. Finanziert wird die Studie durch die Stiftung des Unternehmers Reinhold Würth, der mit Blick auf die mangelhafte ökonomische Kompetenz von Studenten verschiedene Aktivitäten in diesem Kontext angestoßen hat.

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