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Steuerhinterziehung : Fibeln zur Selbstanzeige

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Bild: Verlag

Die Jagd ist eröffnet: Die Bundesregierung will das mutmaßliche Beweismaterial aus der Schweiz kaufen, und bei manchem Steuersünder geht die Angst um, er könne womöglich der Nächste sein, der abgeführt wird. FAZ.NET stellt drei neue Ratgeber für Steuerbürger vor.

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          Die Jagd auf Steuersünder ist eröffnet: Mehrere Datenhändler haben dem deutschen Fiskus Bankdaten zum Kauf angeboten. Die Bundesregierung will das mutmaßliche Beweismaterial aus der Schweiz kaufen, und die Öffentlichkeit diskutiert hitzig, ob der Staat sich damit zum Hehler macht.

          Da trifft es sich gut, dass soeben drei Bücher zu diesem Thema erschienen sind. Eines davon ist ganz neu, zwei andere sind Klassiker, die frisch aktualisiert worden sind - auch mit Blick auf die „Liechtenstein-Fälle“, an die sich derzeit viele erinnert fühlen. Denn bei manch Vermögendem geht die Angst um, er könne womöglich der Nächste sein, der wie einst der damalige Post-Chef Klaus Zumwinkel vor laufender Kamera abgeführt wird.

          Praktische Tipps

          „Steuerhinterziehung - was nun?“ heißt ein Taschenbuch, das ein Rechtsanwalt, ein Steuerberater und ein Wirtschaftsprüfer gemeinsam verfasst haben. In ihrem Vorwort sparen Arne Lißewski, Michael Suckow und Joachim Albers zwar nicht mit Vorwürfen an den verschwenderischen und räuberischen Steuerstaat. Doch schon aus Eigennutz räumen die Berater ein, dies alles ändere nichts daran, dass jeder Steuerbürger seine Abgaben ordnungsgemäß abzuführen habe.

          Kompakt, lebensnah und übersichtlich schildern sie dann die Rechtslage und erläutern, wie das Finanzamt von verschwiegenen Einkünften erfährt. Praktische Tipps zum Verhalten, wenn ein Steuerfahnder vor der Tür steht, und zur Wahl eines Beraters folgen. Wie kompliziert eine Selbstanzeige im wirklichen Leben ist, macht ein weiterer Abschnitt deutlich. Manch einer kann sich allerdings viel Lesearbeit sparen, indem er das letzte Kapitel zuerst studiert: Dort ist nachzulesen, wann eine Steuerstraftat verjährt ist.

          Ungeahnte Fülle von Informanten

          „Die Informationsquellen und -wege der Finanzverwaltung“ beleuchtet ein Buch von Peter Bilsdorfer. Manch Steuerpflichtiger ahnt gar nicht, wie eng geknüpft nach immer weiteren Gesetzesänderungen inzwischen das Kontrollnetz der Finanzverwaltung ist. Enttäuschte Ehefrauen und Branchenkonkurrenten sind nur zwei von zahlreichen Informationskanälen. Andere Behörden gehören ebenso dazu wie das Internet und die „Kreativität“ der Finanzbeamten, die man dem Autor zufolge nicht unterschätzen darf.

          Bemerkenswert an dem Buch ist überdies der Autor: Bilsdorfer ist im Hauptberuf Vizepräsident eines Verwaltungsgerichts. Dies garantiert profunde Insiderkenntnisse. Bei alldem lässt sich der Vorsitzende Richter nicht dazu hinreißen, sich in eines der beiden Lager einzureihen. Einerseits scheint ihm der Kampf deutscher Politiker gegen ausländische Steueroasen „schizophren“, solange aus der hiesigen Abgabenordnung noch immer nicht gänzlich das Bankgeheimnis gestrichen worden ist. Andererseits warnt er: „Wir sind durchaus auf dem Weg zum gläsernen Steuerbürger.“

          Standardwerk für Fachleute

          Eher an Juristen wendet sich „der Kohlmann“ - ein nach einem mittlerweile verstorbenen Rechtsprofessor benanntes Standardwerk, das nun vor allem von Rechtsanwälten fortgeführt wird. Die neueste Bearbeitung zieht alle Lehren aus den "Liechtenstein-Verfahren": Wer jetzt etwa nach Argumenten sucht, dass es für eine strafbefreiende Selbstanzeige noch nicht zu spät sei, findet dort Material. Auch die neue - und strengere - Linie des Bundesgerichtshofs zur Strafzumessung wird ausführlich erläutert, ebenso die unlängst vom Bundestag verlängerte Verjährungsfrist.

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