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Wirtschaftsbücher : Staat, Zentralbanken und Inflation

  • -Aktualisiert am

Inflationsgefahr! In seinem neuen Buch beschäftigt sich Thomas Mayer mit der Werthaltigkeit des Geldes. Bild: Helmut Fricke

Der frühere Chefökonom der Deutschen Bank hat ein Buch über die Inflationsgefahr geschrieben aus Sicht der österreichischen Schule der Nationalökonomie. Es ist zutiefst pessimistisch.

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          Thomas Mayer war früher beim IWF in Washington, später bei Goldman Sachs in London tätig, dann Chefökonom der Deutschen Bank und leitet jetzt das „Flossbach von Storch Research Insti­tute“ in Köln. In seinem jüngsten Buch beschäftigt er sich mit der Werthaltigkeit des Geldes. Staatseingriffe haben diese im Laufe der Geschichte immer wieder gefährdet. Weil Staaten und deren Zen­tralbanken, auch die EU und die EZB, das gerade wieder mal tun, verweist der Buchtitel auf die Inflationsgefahr. Geld ist Tauschmittel und soll der Wertaufbewahrung dienen, zudem sei Geld aber auch ein Finanzierungsinstrument. Das bringe die Versuchung mit sich, Geld auch zur Stimulierung wirtschaftlicher Aktivität einzusetzen, besonders gern zur Finanzierung der Staatstätigkeit.

          Seit der Erfindung des Papiergeldes in China am Anfang des zweiten Jahrtausends ist die Geldvermehrung leichter möglich, und damit sind inflationäre Entwicklungen häufiger geworden. Die zuerst in Schweden und England entstandenen Zentralbanken hatten von Anfang an eine Regulierungsfunktion in Bezug auf das Papiergeld. Zwar waren die englischen Pfundnoten im 19. Jahrhundert zeitweise zu 100 Prozent mit Gold gedeckt, aber die Banken konnten mit Schuldverschreibungen dennoch eigenes Geld schaffen und verleihen. Seitdem dominiert die öffentlich-private Kooperation bei der Geldschöpfung, obwohl der Goldstandard längst aufgegeben worden ist. Mit dem Goldstandard ist allerdings ein zwischenstaatlicher Ausgleichsmechanismus entfallen, bei dem Goldknappheit in einem Lande die Einschränkung der Importe erzwang. Durch den Ersten Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise haben immer mehr Länder, auch die USA, den Goldstandard aufgegeben, der nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1971 durch den Gold-Dollar-Standard ersetzt wurde, bei dem 35 Dollar eine Unze Gold wert sein sollten, womit die dominante Währung der Welt einen Anker behielt. Durch die Doppelbelastung des amerikanischen Staatshaushalts mit Vietnamkrieg und dem Ausbau des Sozialstaates ließ sich die Gold-Dollar-Parität nicht halten, womit Zentralbanken und Banken bei der Geldschöpfung freier wurden.

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