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Wirtschaftsberater : Schon wieder soll ein Goldman-Banker bei Trump Karriere machen

  • Aktualisiert am

Gary Cohn vor einem Treffen mit Trump im Trump Tower Ende November. Bild: AP

Hillary Clinton sei von Goldman Sachs „total kontrolliert“, wetterte Donald Trump während seines Wahlkampfs. Jetzt aber will er schon dem dritten Goldman-Banker in sein Team verhelfen - und Gary Cohn zu seinem Top-Wirtschaftsberater machen.

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          Der designierte amerikanische Präsident Donald Trump holt weitere Manager der Investmentbank Goldman Sachs als Berater an seine Seite. Wie unter anderem das „Wall Street Journal“ berichtet, will er Gary Cohn (56) aus der Spitze der Investmentbank zu seinem wichtigsten Wirtschaftsberater machen. Der Banker würde an der Spitze des nationalen Wirtschaftsrates die gesamte Wirtschaftspolitik koordinieren. Anders als Kabinettsmitglieder müsste er nicht vom Senat bestätigt werden.

          Cohn ist derzeit Chief Operating Officer (COO) bei Goldman Sachs. Er wird auch als potentieller Nachfolger von Goldman-Vorstandschef Lloyd Blankfein gehandelt. Als Top-Wirtschaftsberater im National Economic Council würde er die Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten quer durch alle Behörden koordinieren.

          Schon der dritte Goldman-Mann

          Mit Cohn würde Trump schon die dritte Position mit einem Goldman-Sachs-Banker besetzen. Der designierte Finanzminister Steve Mnuchin arbeitete für das Unternehmen, ebenso Trumps Chefstratege im Weißen Haus, Stephen Bannon. Während des Wahlkampfs hatte Trump noch über einen längeren Zeitraum immer wieder gesagt, seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton werde von Goldman Sachs „total kontrolliert“.

          Darüber hinaus benannte Trump den australisch-amerikanischen Manager Andrew Liveris zum Chef eines Ausschusses, der für amerikanische Produktionen werben soll. Die Gruppe habe den Auftrag, Wege zu finden, Industrie in die Vereinigten Staaten zurückzubringen, sagte Trump.

          Gute Chancen auf Posten in der Regierung haben offenbar diejenigen, die den Wahlkampf Trumps großzügig gesponsert hatten. Die „Washington Post“ berichtete, mit der Wahl von Andrew Puzder zum Arbeitsminister habe Trump nun schon sechs seiner großen Spender für seine Regierung ausgewählt. Zusammen mit ihren Familien hätten Trumps Kandidaten 11,6 Millionen Dollar (10,98 Millionen Euro) gegeben, um dessen Präsidentschaft, seine Lobbygruppen und das Republikanische Nationalkomitee zu unterstützen. Das gehe aus einer Analyse der bundesstaatlichen Wahlkampfakten hervor.

          Frühere Behördenmitarbeiter sollen Beschäftigungsverbot in Rüstungsfirmen kriegen

          An anderer Stelle ist Trump aber offenbar durchaus sensibel, wenn es um zweifelhafte Personalwechsel geht. Künftig will er anscheinend Folgejobs von ehemaligen Behördenmitarbeitern äußerst restriktiv handhaben. Konkret denkt der designierte Präsident darüber nach, durch ein Verbot von Personalwechseln die steigenden Kosten für staatliche Rüstungsaufträge in den Griff zu bekommen. Mitarbeitern, die für die Beschaffungsbehörden einen Großauftrag mit einem Rüstungskonzern ausgehandelt hätten, sollte „niemals, für die restliche Zeit ihres Lebens“ erlaubt werden, für diesen Konzern später einmal zu arbeiten, sagte Trump am Freitag vor Unterstützern der Republikaner in Louisiana.

          Die Idee dazu sei ihm „gestern gekommen“, als er über massive Überschreitungen der Beschaffungs-Budgets nachgedacht habe. Ein solcher Bann mache Sinn, da der Einkauf in den Vereinigten Staaten außer Kontrolle geraten sei. Das gelte für „alle Bereiche“, nicht nur für das  Militär. So liege das F-35-Programm zum Ankauf neuer Kampfjets „total, total, unkontrollierbar“ über dem Budget. Bevor er aber Entscheidungen zu dem Thema treffe, müsse er die „die Sache überprüfen“.

          Das F-35-Programm mit dem Rüstungskonzern Lockheed Martin ist das teuerste, das die Regierung aktuell laufen hat. Dabei sollen in den kommenden Jahrzehnten 2443 hochmoderner Kampfjets für insgesamt 291 Milliarden Dollar eingekauft werden. Erst vor wenigen Tagen hatte Trump unvermittelt via Twitter erklärt, die Kosten der neuen Boeing-Flugzeuge für künftige amerikanische Präsidenten liefen aus dem Ruder und der Auftrag müsse storniert werden.

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