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Wirtschafts- und Finanzkrise : Wenn der Staat als Arbeitgeber ausfällt

Bild: F.A.Z.

Rund um die Welt müssen Regierungen Haushalte konsolidieren. Hoffnung auf Besserung ist nicht in Sicht, da Geld für Beschäftigungsprogramme fehlt. Die interaktive Grafik zeigt die dramatische Lage in Teilen Europas und darüber hinaus.

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          Auch im Jahr fünf nach Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise haben sich die Arbeitsmärkte rund um die Welt noch nicht wieder erholt. Die Organisation für Entwicklung und Wirtschaftliche Zusammenarbeit schätzt, dass seit 2007 rund 13 Millionen Arbeitsplätze in den Industrieländern verlorengegangen sind. Nur Deutschland und Chile weisen heute niedrigere Arbeitslosenquoten auf.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Der Euroraum erreichte zuletzt einen Rekordwert von 10,4 Prozent. Besonders dramatisch ist die Lage in Spanien und Griechenland, wo fast jeder zweite junge Mensch keine Stelle findet. Die Aussichten sind wenig rosig. Die Internationale Arbeitsorganisation schätzt, dass die Industrieländer auch unter günstigsten Bedingungen bis 2016 das Vorkrisenniveau von 6,1 Prozent nicht erreichen werden.

          Die meisten Regierungen stehen den steigenden Arbeitslosenzahlen hilflos gegenüber. Konnten sie in vergangenen Abschwungphasen oftmals mit üppigen Investitionen und durch Stellenaufbau im öffentlichen Dienst die Lage am Arbeitsmarkt ankurbeln, fehlt dazu heute schlichtweg das Geld. „Fast überall war der öffentliche und halböffentliche Sektor während der Rezession eine gute Jobmaschine“, sagt der Brüsseler Arbeitsmarktökonom Bert Colijn.

          Der Staat muss als Arbeitgeber kürzer treten

          In Bildungs- oder Gesundheitsbranchen entstanden viele neue Arbeitsplätze. Doch die Erfolge waren auf Pump erkauft. Weil nun fast überall Schulden gesenkt werden müssen, bleibt dem Staat nichts anderes übrig: Er muss als Arbeitgeber kürzertreten. Auch in Deutschland, wie Colijn vermutet. Allerdings ist hierzulande kein breiter Stellenabbau in Behörden und öffentlichen Unternehmen zu befürchten wie etwa in Griechenland, Großbritannien oder Irland.

          Die Politiker verzichten angesichts leerer Kassen auf populistische Arbeitsplatzversprechen und setzen darauf, durch Arbeitsmarkt- und Steuerreformen Rahmenbedingungen zu verbessern. Frei nach dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton ist der Hoffnungsträger für mehr Beschäftigung ausgemacht: Es ist die - private - Wirtschaft, Dummkopf!

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