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Opels Zukunft : Entscheidung über Investor verzögert sich

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Jetzt Realität Bild: dpa

Über die Zukunft Opels sollte eigentlich bis heute entschieden werden. Doch daraus wird wohl nichts beim Gipfeltreffen am Abend in Berlin. Immerhin hat GM den Weg für die Unabhängigkeit des europäischen Autobauers freigemacht - damit soll Opel aus der drohenden Insolvenz des amerikanischen Mutterkonzerns herausgehalten werden.

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          Im Ringen um seine Zukunft hat Opel die Weichen für eine weitgehende Unabhängigkeit vom Mutterkonzern General Motors gestellt. Unmittelbar vor dem Spitzentreffen im Kanzleramt am Mittwochabend übertrug GM die europäischen Werke, die Patente und den Zugriff auf Technologien auf die deutsche Tochter. Das teilte Opel in Rüsselsheim mit. Hinter der Entscheidung dürfte die amerikanische Regierung als Hauptgläubiger von GM stehen.

          Mit dem juristischen Schritt der Vermögensübertragung soll Opel aus der drohenden GM-Insolvenz in den Vereinigten Staaten herausgehalten werden. Bis zum Zuschlag für einen Investor wird ein Gremium aus Bundesregierung und GM die Geschicke des europäischen Opel-Unternehmens lenken. Dies hat der Aufsichtsrat ebenfalls beschlossen. Die Vermögensübertragung gilt als eine zentrale Voraussetzung für den am Abend geplanten Opel-Gipfel der Bundesregierung. Dort soll entschieden werden, ob der Autobauer mittels eines Investors und Staatsbürgschaften in Milliardenhöhe gerettet werden kann.

          Keine Festlegung auf einen Investor beim Berliner Gipfel

          Nach Angaben von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wird aber nicht erwartet, dass es auf dem Treffen am Abend schon zu einer Festlegung auf einen Investor kommt. Auch in Investorenkreisen hieß es: „Es geht eher um den Startschuss für eine umfassende Opel-Buchprüfung für ausgewählte Bieter.“ Vor Ende Juni werde wohl nicht feststehen, wer Opel kaufen könne.

          Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat unterdessen abermals weitere Zugeständnisse von den Opel-Interessenten Fiat und Magna gefordert. Es seien noch erhebliche Nachbesserungen des italienischen Autobauers und des kanadisch-österreichischen Zulieferers nötig, sagte Guttenberg am Mittwoch in Berlin. Auch er dämpfte die Erwartungen an den Gipfel im Kanzleramt am Abend. Dort sei noch keine Einigung auf einen Investor zu erwarten.

          Wilhelm sagte, zentrales Thema des Treffens am Abend sei, von den Investoren und vor allem der amerikanischen Regierung ein größtmögliches Maß an Sicherheit für die Brückenfinanzierung zu bekommen. Das beinhalte unter anderem die Zustimmung zum Treuhandmodell für Opel für die Zeit, bis eine endgültige Einigung mit einem Investoren unterzeichnet sei, und die Aussicht auf Einigung der jeweiligen Investoren und der amerikanischen Seite.

          Chinesisches Angebot umfasst lediglich zwei Seiten

          Opel-Betriebsratschef Franz sagte zur weitgehenden Abspaltung Opels von der Mutter: „Durch die Übertragung von Werken, Patenten und Rechten an Technologie wird die neue Adam Opel GmbH schuldenfrei eine Partnerschaft mit einem möglichen Investor eingehen können.“ Übertragen würden die Werke der Marken Opel und Vauxhall. Finanziell ist Opel dem Vernehmen nach bereits von der kriselnden Mutter getrennt. Die schwedische Marke Saab verhandelt eigenständig mit Investoren und würde nicht in das deutsche Treuhand-Modell einfließen. Opel beschäftigt in seinen vier deutschen Werken rund 25.000 Menschen, europaweit 55.000.

          Im Bieterrennen sind der österreichisch-kanadische Zulieferer Magna, der Autokonzern Fiat, der Finanzinvestor RHJ und seit Dienstag offiziell auch der chinesische Autokonzern BAIC. Das Angebot aus China sei aber sehr allgemein und lasse noch viele Fragen offen, verlautete aus dem Wirtschaftsministerium. Es habe nur einen Umfang von zwei Seiten.

          Zudem hatten die Arbeitnehmer und Händler vor einigen Tagen angekündigt, sie würden im Notfall auch noch eine eigene Offerte vorlegen (siehe General Motors erhält drei Kaufofferten für Opel).

          GM-Insolvenz würde Opel-Lösung kompliziert machen

          In der entscheidenden Runde sollten am späten Abend bei Kanzlerin Angela Merkel die zuständigen Minister, die Regierungschefs der vier Bundesländer mit Opel-Standorten, Vorstandschefs der Investoren sowie Vertreter von GM zusammenkommen. Vertreter der amerikanischen Regierung sollen zugeschaltet werden. Eine Grundsatzentscheidung gilt als notwendig, weil die in den nächsten Tagen erwartete Insolvenz von GM eine Lösung komplizierter machen würde.

          SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte, eine Insolvenz von Opel werde es nicht geben. Guttenberg und die CDU/CSU-Fraktion hatten zuletzt betont, auch die Insolvenz müsse eine Option sein, wenn die Risiken für den Ausfall der Staatsbürgschaften bei einer Übernahme zu groß seien.

          Der zunächst als Favorit gehandelte Magna-Konzern wehrte sich gegen Vorwürfe, das Unternehmen wäre nach einem Zusammenschluss mit Opel überschuldet. Magna und der russische Partner Sberbank würden die angekündigten Investitionen über 700 Millionen Euro zwar nicht vollständig als Eigenkapital einbringen, sondern teilweise über eine Wandelanleihe, heißt es in einem Brief des Zulieferers an GM. Die belgische Regierung forderte eine europäische Lösung für Opel und warnte die Bundesregierung in einem Brief an Bundeskanzlerin Merkel vor einem deutschen Alleingang. Opel hat auch Standorte in Polen, Spanien und Belgien.

          Entscheidung über Brückenfinanzierung

          Die geplante Brückenfinanzierung könnte nach den Worten von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ebenfalls bereits an diesem Mittwoch beschlossen werden. Im ARD-„Morgenmagazin“ sagte Steinbrück: „„Es stehen drei Fragen an heute: Welchen Investor würden wir präferieren, wie sieht es aus mit dem Treuhandmodell, und daraus resultierend die Frage eines Überbrückungskredits in der Größenordnung von 1,5 Milliarden Euro.“ Steinbrück fügte hinzu: „Wir sind ins Gelingen orientiert und nicht ins Scheitern.“ Mit der Brückenfinanzierung soll Opel im Falle der erwarteten GM-Insolvenz genügend Liquidität bekommen, um die Zeit bis zum Abschluss der Investorensuche zu überbrücken.

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