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Wirtschaft und Wetter : Indien betet für einen stärkeren Monsun

Regenarmut kostet Wachstum

Damit gewinnt der Regenmangel weiter an Brisanz. Raghuram Rajan, Berater von Ministerpräsident Manmohan Singh, schätzt, dass die unterdurchschnittlichen Regenfälle in diesem Jahr Indien bis zu 1 Prozentpunkt an Wachstum kosten könnten. Die Zentralbank solle gleichwohl „sorgfältig“ darüber nachdenken, ob sie ihre expansive Geldpolitik fortsetze, sagte der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF). Denn wenn die Ernten etwa von Zuckerrohr, Reis oder Ölsaaten schlecht ausfallen, schießen deren Preise nach oben. Spätestens dann aber wären höhere Zinsen gefragt, um die gefürchtete Inflation der Preise für Grundnahrungsmittel einzudämmen.

Indische Zeitungen sprechen von einer „milden Panik“ im Land. Denn die Regenarmut zur Monsunzeit trifft ein Land, das sich gerade gegen die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftsflaute und eine zyklische Verlangsamung ihres Wachstumstrends wehrt. Vergangenes Wochenende trommelte die Regierung in Neu-Delhi deshalb die führenden Beamten aller Bundesstaaten zusammen, um Rezepte gegen drohende Wasserknappheit und steigende Lebensmittelpreise zu suchen. „Die Preisentwicklung für Grundnahrungsmittel, auch für Linsen und Zucker, ist sehr ernst“, sagte Pawar. Inzwischen notiert der Zuckerpreis schon auf dem höchsten Stand seit 40 Jahren. Nicht nur die Dürre in Indien, auch die Feuchtigkeit in Brasilien, die das Ernten behindert, treibt die Knappheit.

Dabei gewann die indische Regierung ihre Wiederwahl auch mit dem Versprechen, den Ernteertrag der Landwirtschaft um 4 Prozent zu heben. „Wenn der Regen nicht noch deutlich zunimmt, werden wir hier einen Rückgang der Ernten und einen Angebotsschock erleben. Sogar eine Wiederkehr der Dürre der Jahre 2002 und 2003 ist nicht mehr ausgeschlossen“, orakelte aber Asienanalyst Philip Wyatt von der Bank UBS gerade. Er spricht nun von einer Wachstumsrate Indiens von womöglich nur noch 5 Prozent. Sie hört sich nur für Europäer hoch an; de facto reichte sie nicht annähernd, um ausreichend Arbeit zu schaffen.

Kaum Spielraum für die Regierung

Ohne einen ausreichenden Monsun sind die Pläne des wiedergewählten Ministerpräsidenten Singh, Indiens Wachstum auf mehr als 9 Prozent zu treiben, Makulatur. Erreichbar wäre die Zahl – lag doch der Wachstumsdurchschnitt der vergangenen fünf Jahre bei 8,8 Prozent. Nun aber ist auch in Regierungskreisen nur noch die Rede von etwa 6 Prozent in diesem Jahr, wobei die Ursachen zunächst auf die Folgen der Weltwirtschaftskrise zurückgeführt wurden und nun der geringe Monsun hinzukommt. Viel Raum für Hilfe hat die indische Regierung nicht: Das Haushaltsdefizit dürfte sich bis Ende des Fiskaljahres im März 2010 auf 7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausgeweitet haben, schätzen Analysten. Also bleibt Mukherjee nur, die Daumenschrauben beim Eintreiben der Steuern anzulegen: „Aufgrund der Auswirkungen der unerwarteten Dürre auf die Staatsfinanzen möchte ich Sie auffordern, in diesem Jahr 4 Billionen Rupien direkte Steuern einzutreiben“, rief er am Dienstag den führenden Finanzbeamten Indiens bei deren Kongress in Neu-Delhi zu. Das wäre immerhin 300 Milliarden Rupien (4,4 Milliarden Euro) mehr, als zunächst in den Plan eingestellt waren.

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