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Abholzung von Wäldern : Alaskas Dilemma: Forst oder Lachs

Verwerten oder pflegen? Bäume im Tongass-Forst in Alaska, einem der größten Regenwälder Amerikas Bild: Imago

Die Bewirtschaftung des Urwalds, die Präsident Trump erlauben will, ist umstritten. Die Holzindustrie hofft auf Impulse, Umweltschützer befürchten den Kahlschlag.

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          Im Streit um die Bewirtschaftung von Urwäldern in Alaska hat Präsident Donald Trump sich die Position der Politiker aus der Region zu eigen gemacht: Sie streben schon länger an, Holzeinschläge in den Wäldern zu erlauben, um lokalen Sägemühlen Arbeit zu geben. Es geht um den Tongass National Forest, einen der größten Regenwälder. Präsident Bill Clinton hatte in einer seiner letzten Verfügungen im Amt den Bau von Wegen in dem Wald untersagt und damit die wirtschaftliche Ausbeutung de facto unmöglich gemacht.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Eine der wichtigsten Befürworterinnen der Ausbeutung der Waldgebiete ist die republikanische Senatorin Lisa Murkowski, im Einklang mit sämtlichen Kongressabgeordneteten Alaskas. Die Einschränkung der Nutzung hätte nie erlassen werden dürfen. Sie behindere die wirtschaftliche Entwicklung, sagte die Politikerin aus Alaska. Die einst so wichtige Holzindustrie im Bundesstaat sei stark geschrumpft. Die wenigen verbliebenen Sägemühlen müssten um Nachschub an Bäumen fürchten.

          Die Holzwirtschaft spielt bisher im Südosten Alaskas nur eine kleine wirtschaftliche Rolle. Gerade ein Prozent der Arbeitnehmer sind dort beschäftigt, meldet die regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaft Southeast Conference. Tourismus ist dort der wichtigste Arbeitgeber abgesehen von Regierungsstellen.

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          Rodung würde Sportfischer vertreiben

          Trumps Plan, das Nutzungsverbot der Waldgebiete aufzuheben, provoziert einen Konflikt mit anderen Wirtschaftszweigen. Rund 40 Prozent der freilebenden Lachse laichen in den Gewässern des riesigen Waldgebiets. Das lockt Sportfischer an, die Geld in abgelegene Ortschaften bringen. Massiver Holzeinschlag, Wegebau und die offenbar ebenfalls erwogene Ausbeutung von Bodenschätzen könnten die Ökokreisläufe gefährden, fürchten Umweltschützer. Die Forstbehörden schätzen den jährlichen Nutzen, den Lachse für die lokale Wirtschaft bringen, auf knapp eine Milliarde Dollar, deutlich mehr als ein möglicher Holzeinschlag. „Wir brauchen die Bäume, um die Fische in den Bächen zu halten“, formulierte der Umweltschützer Chris Wood gegenüber der „Washington Post“. Tourismusunternehmer argumentieren, dass immer mehr Amerikaner die unberührte Wildnis suchten. Deshalb dürfe man den Tongass-Wald nicht zur Disposition stellen.

          Amerikas Holzpreise sind nach einer Aufschwungphase zuletzt eingebrochen. Zum einen verflüchtigten sich Hoffnungen auf ein großes Infrastruktur-Gesetz, das Trump versprochen hatte. Zudem werden deutlich weniger Einfamilienhäuser als noch vor zwei Jahren gebaut. Ein wichtiger Faktor im Preisverfall ist die langanhaltende Trockenheit in verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten: Allein in Kalifornien sind nach Angaben der Forstbehörden 100 Millionen Bäume verlorengegangen in den letzten fünf Jahren, weitere Millionen seien geschwächt. Geschwächte Bäume sind anfällig für Borkenkäfer und andere Insekten, die große Bestände befallen haben. Sie werden dann zwangsläufig gefällt und mit großen Preisabschlägen verkauft.

          Die amerikanische Holzindustrie wirbt dafür, dass heimische Bewirtschaftung besser sei als der Import von Tropenholz, der regelmäßig mit Kahlschlägen wertvoller Urwälder einhergehe. Sie weist überdies darauf hin, dass nachwachsende junge Bäume eine höhere Kapazität hätten, das Klimagas CO2 aufzunehmen. In Amerika ist der Waldbestand seit Jahrzehnten annähernd konstant geblieben. Große Teile gehören dem Staat und sind unter Schutz gestellt.

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