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Konjunktur der Währungsunion : Die Euro-Wirtschaft wächst überraschend stark

  • Aktualisiert am

Das chinesische Containerschiff „Cosco Shipping Taurus“ liegt im Hafen von Piräus. Bild: dpa

Wie geht es der europäischen Wirtschaft? Neue Zahlen zeigen: Längst nicht so schlecht, wie manche denken. Und Italien steckt nicht mehr in der Rezession.

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          Das Wirtschaftswachstum in der Europäischen Währungsunion hat sich zu Jahresbeginn verdoppelt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen Januar und März um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistikamt Eurostat an diesem Dienstag in einer vorläufigen Schnellschätzung mitteilte.

          Zuvor befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet, nach einem Anstieg von 0,2 Prozent im Herbst. Während die nach Deutschland zweitgrößte Euro-Ökonomie Frankreich mit 0,3 Prozent ihr Wachstumstempo hielt, legte die spanische Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent zu. Damit zog die Konjunktur auf der iberischen Halbinsel so stark an wie seit Ende 2017 nicht mehr.

          In Österreich gab es ein Plus von 0,3 Prozent, Daten für Deutschland werden erst am 15. Mai vorgelegt. Auch in Italien legte die Wirtschaftsleistung zu – um 0,2 Prozent. Experten hatten lediglich mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet, nachdem es in den beiden Vorquartalen jeweils einen Rückgang um 0,1 Prozent gegeben hatte.

          In Frankreich, Spanien und Österreich sorgten vor allem die Verbraucher und die Inlandsnachfrage für Schwung. Vom Export kamen eher wenige Impulse. In Frankreich bremste der Außenhandel sogar, da die Einfuhren schneller zulegten als die Ausfuhren. Die internationalen Handelskonflikte und der anstehende EU-Austritt der Briten sorgen für Unsicherheit in vielen Unternehmen. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte jüngst ihre Wachstumsprognose für die Wirtschaft in der Währungsunion in diesem Jahr von 1,7 Prozent auf 1,1 Prozent.

          Trotz der erwarteten Konjunkturabkühlung festigt sich der Arbeitsmarkt hingegen weiter. Im März fiel die Arbeitslosenquote auf den tiefsten Stand seit September 2008. Der um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Wert betrug 7,7 Prozent. Demnach waren 12,6 Millionen registrierte Menschen in der Währungsunion auf Jobsuche und damit 174.000 weniger als im Vormonat und 1,17 Millionen weniger als vor einem Jahr.

          „Die Daten dürften die Rezessionsängste im Euro-Raum merklich verringern“, kommentierte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil, ergänzte aber: „Auf Dauer wird die Wirtschaft in der Währungsunion nur dann mit Raten von 0,4 Prozent und höher wachsen, wenn auch die Industrie wieder stärker zulegt. Doch hier ist eine Wende weiterhin nicht in Sicht.“

          Stephanie Schoenwald, Ökonomin der KfW, äußerte hingegen: „Die Euro-Zone ist noch nicht über den Berg. Das Wachstum mag besser ausgefallen sein als zeitweise befürchtet, aber die Belebung ist trügerisch. In den Stimmungsumfragen zeichnet sich noch keine Trendwende ab.“ Insbesondere der exportorientierten Industrie setzten die handelspolitischen Spannungen, der ungeklärte Brexit und die globale Konjunkturabkühlung zu. Immerhin: „Die europäische Binnenwirtschaft zeigt sich weiter widerstandsfähig. So lange das anhält, ist eine Rezession nicht in Sicht.“

          „Im Euroraum ist der Wachstumsfrühling eingezogen. Trotz vieler Unkenrufe lässt sich die Konjunktur nicht entkräften“, kommentierte Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. LBBW-Chefökonom Uwe Burkert sieht in den neuen Daten eine „positive Überraschung“.

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