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Es bleibt spannend : Der Wirecard-Skandal und seine Zeugen

Markus Braun, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Wirecard AG. Bild: dpa

Die Frage bleibt die gleiche, nur die Zeugen vor dem Untersuchungsausschuss wechseln. Wie war ein so gigantischer Bilanzskandal möglich?

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          Jede öffentliche Sitzung des Untersuchungsausschusses im Fall Wirecard hat ihre eigene Dramatik. Der Auftakt mit Markus Braun, dem früheren Vorstandsvorsitzenden der mittlerweile kollabierten Aktiengesellschaft, war an Spannung kaum zu überbieten. Erst das Gezerre, ob er überhaupt im Bundestag persönlich erscheinen muss oder aus der Untersuchungshaft zugeschaltet wird, dann sein Auftritt, der an kühler Arroganz kaum zu überbieten war, fast jede Frage ließ er unbeantwortet. Seine Zwangsvorführung überstrahlte die Befragung am selben Tag von Tina Kleingarn, die in den Jahren 2017 und 2018 im Aufsichtsrat saß und die den Mitgliedern des Ausschusses eindringlich schilderte, wie quälend schwierig es für sie war, an Informationen zu kommen. Häufig seien Berichte erst auf Nachfragen gekommen, die sich dann bei der Sichtung als dünn erwiesen hätten. Die zugeschalteten Zeugen Stephan von E. und Oliver B., die einst das Rechnungswesen der Wirecard AG beziehungsweise eine Tochtergesellschaft im Nahen Osten geleitet haben, beriefen sich zwar wie Braun auf ihr Auskunftsverweigerungsrecht, stellten aber für später ein anderes Verhalten in Aussicht, wenn sie mit der Staatsanwalt alles besprochen haben werden.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Im nächsten Akt waren die langjährigen Wirtschaftsprüfer von EY geladen, auch sie waren zu konkreten Fragen in der Sache Wirecard wenig auskunftsfreudig. Sie beriefen sich auf ihre Verschwiegenheitspflicht, obwohl sie vom Insolvenzverwalter und der neuen Unternehmensführung von dieser ausdrücklich befreit worden waren. Bei zwei der vier Prüfer sah der Ausschuss die Möglichkeit, dass sie sich selbst belasten könnten, wenn sie zu konkreten Punkten ihrer Prüftätigkeit Stellung beziehen müssten. Gegen zwei der EY-Mitarbeiter, bei denen das nicht im Raum stand, verhängte er ein Ordnungsgeld. Bei ihnen sahen die düpierten Abgeordneten keine Gründe für ein so restriktives Aussageverhalten.

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