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Studie zum Tag der Einheit : Wird Ostdeutschland wieder abgehängt?

Wird die Mauer hier ab- oder wieder aufgebaut? Bild: dpa

Ost und West nähern sich an, hieß es lange. Das könnte nun infrage stehen: Forscher haben berechnet, dass das Ost-West-Gefälle in Zukunft wieder zunehmen könnte. Besonders ein Faktor ist dafür verantwortlich.

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          Ost und West wachsen zusammen – hieß es lange. Möglicherweise gehört das der Vergangenheit an. Denn eine neue Studie warnt jetzt: Wenn die Politik nichts macht, holen die neuen Bundesländer nicht mehr auf, sondern fallen im Vergleich zum Westen wieder zurück.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für den sogenannten Deutschlandreport haben Forscher des Forschungsunternehmens Prognos das Land vermessen und berechnet, was passiert, wenn die Politik nicht gegensteuert. Sie schlussfolgern: „Bis 2045 nimmt das Gefälle nach unseren Prognosen wieder zu.“ Grund sei vor allem der Bevölkerungsschwund. Viele Leute aus Ostdeutschland wanderten ab – und die, die blieben, bekämen nicht genug Kinder.

          Bis 2045 könnte der Unterschied zwischen Ost und West sogar den Wert aus dem Jahr 2000 wieder übertreffen. Heute liegt die Wirtschaftsleistung je Einwohner im Osten bei drei Vierteln des Westniveaus. Bis 2045 soll sie den Forschern zufolge allerdings wieder auf weniger als zwei Drittel fallen. Damit wäre der Unterschied wieder größer als im Jahr 2000.

          Berlin verzerrt das Ergebnis

          Für besondere Besorgnis dürfte sorgen, dass Berlin in der Statistik zum Osten gezählt wird. Die Hauptstadt zählt aber gemeinsam mit den Bundesländern Hamburg, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg zu den wirtschaftlichen Wachstumsregionen. Dort dürfte die Wirtschaftsleistung um mehr als die Hälfte steigern. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird sie laut Studie dagegen stagnieren. Rechnet man Berlin also heraus, fällt der Osten noch weiter zurück.

          Ostdeutschland verzeichnet schon seit der Wiedervereinigung einen deutlichen Bevölkerungsschwund. Von 1990 bis 2017 sank die Bevölkerung dort um mehr als ein Zehntel, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Im Westen sei die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um etwa fünf Millionen Menschen gewachsen.

          Bis 2045 verliert Sachsen-Anhalt laut Prognos gut jeden fünften Einwohner, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland jeden siebten. Berlin dagegen erreicht vier Millionen Einwohner. Immer mehr Menschen zieht es auch in den Großraum München. Deutschland insgesamt kann nach der Studie mit einem Wirtschaftswachstum von jährlich 1,3 Prozent rechnen.

          Einstellungen immer ähnlicher

          Angenähert haben sich in den letzten Jahren aber die Einstellungen der Leute in Ost und West. Wie das Ifo-Institut in einer Studie feststellte, wird die wirtschaftliche Lage immer ähnlicher eingeschätzt. Die Bevölkerung im Osten ist aber immer noch weniger zufrieden als ihre Mitbürger im Westen und empfindet den eigenen Lebensstandard als weniger gerecht.

          Auch die politischen Einstellungen nähern sich an. Allerdings gibt es im Westen wesentlich weniger Skepsis gegenüber Ausländern als im Osten. Das könnte damit zusammenhängen, dass Ostdeutsche ihren Mitmenschen generell weniger vertrauen als Westdeutsche.

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