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„Wir haben haufenweise Bares“ : Buffett weiter auf Großwildjagd

  • -Aktualisiert am

Warren Buffett Bild: dpa

Der Investor hält nach dem Kauf des Ketchupherstellers Heinz weiter Ausschau nach großen Akquisitionen. Buffett glaubt immer noch an Chancen in Amerika und bricht eine Lanze für Regionalzeitungen.

          Der berühmte Investor Warren Buffett und sein Geschäftspartner Charlie Munger sind weiterhin auf der Suche nach großen Kaufgelegenheiten für ihr Konglomerat Berkshire Hathaway Inc. „Charlie und ich haben unsere Safari-Kleidung angezogen und unsere Suche nach Elefanten wiederaufgenommen“, schrieb Buffett in seinem an der Wall Street stark beachteten Jahresbrief an die Berkshire-Aktionäre. Erst Mitte Februar hatte Berkshire zusammen mit der brasilianischen Beteiligungsgesellschaft 3G den amerikanischen Ketchuphersteller H.J. Heinz für insgesamt 28 Milliarden Dollar übernommen. Buffett bezeichnete seine Unfähigkeit, schon im vergangenen Jahr eine große Akquisition zu tätigen, allerdings als „Enttäuschung“. „Ich habe ein paar Elefanten verfolgt, bin aber leer ausgegangen“, schrieb Buffett. Angaben zur Identität der Unternehmen, an denen er interessiert war, machte Buffett nicht. Buffett hatte bereits vor zwei Jahren von einem „geladenen Elefantengewehr“ gesprochen, weil er die Barmittel von Berkshire möglichst rentabel investieren will. Ende 2012 verfügte Berkshire über 47 Milliarden Dollar in bar.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Buchwert von Berkshire ist im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 114.214 Dollar je Aktie gestiegen - „unterdurchschnittlich“ nach Ansicht von Buffett. Dagegen hat der breitgefasste amerikanische Aktienindex S&P 500 einschließlich der Ausschüttung von Dividenden 2012 um 16 Prozent zugelegt. Buffett favorisiert den Buchwert, also die Aktivposten der Bilanz abzüglich der Verbindlichkeiten, als Messlatte für die Wertentwicklung von Berkshire. Seit 1965, als Buffett die Mehrheit der Anteile an der damaligen Textilfirma übernahm, ist der Buchwert jährlich um durchschnittlich knapp 20 Prozent gewachsen. Der S&P 500 stieg dagegen nur um etwas mehr als 9 Prozent im Jahr. Der Börsenwert von Berkshire beläuft sich derzeit auf rund 250 Milliarden Dollar (gut 190 Milliarden Euro). Damit liegt das Unternehmen auf Platz fünf der wertvollsten Unternehmen der Welt. Eine Aktie kostet 152.750 Dollar.

          Unter dem Dach von Berkshire tummeln sich mehr als 80 Tochtergesellschaften, die vom großen Rückversicherer General Re über den Textilhersteller Fruit of the Loom bis zur Frachteisenbahn Burlington Northern Santa Fe reichen. Dazu verwaltet Berkshire ein Wertpapierportfolio von zuletzt knapp 88 Milliarden Dollar. Zu den größten Aktienpositionen gehören die Großbank Wells Fargo, der Getränkehersteller Coca-Cola und der Technologiekonzern IBM. Berkshire hält zudem mehr als ein Zehntel der Anteile des Münchner Rückversicherers Munich Re - die sechstgrößte Position des Portfolios. Buffett hatte in den vergangenen Jahren die Fondsmanager Todd Combs und Ted Weschler angeheuert, die mittlerweile jeweils knapp 5 Milliarden Dollar dieses Portfolios verwalten. Nach Angaben von Buffett haben sowohl Combs als auch Weschler 2012 die Entwicklung des S&P 500 um „zweistellige“ Prozentmargen übertroffen. „Sie haben auch mich abgehängt“, schrieb Buffett. Combs und Weschler, die als Buffetts Nachfolger für die Verwaltung des Aktienportfolios auserkoren sind, sorgten für die substantielle Beteiligung von Berkshire am amerikanischen Satellitenfernseh-Betreiber DirecTV.

          Insgesamt zeichnete Buffett im Aktionärsbrief ein positives Bild der Tochtergesellschaften, trotz eines nur „lauen“ amerikanischen Wirtschaftswachstums und global schwächelnder Volkswirtschaften. Die fünf profitabelsten Berkshire-Gesellschaften außerhalb des Versicherungsgeschäfts hätten ihren Vorsteuergewinn im vergangenen Jahr um 600 Millionen Dollar auf 10,1 Milliarden Dollar gesteigert. Neben Burlington gehören dazu der Werkzeugmacher Iscar, der Spezialchemiehersteller Lubrizol, das Industriekonglomerat Marmon und der Stromversorger Midamerican Energy. Die Versicherer von Berkshire wiesen im zehnten Jahr hintereinander einen versicherungstechnischen Gewinn aus. Sie verdienten 1,6 Milliarden Dollar - trotz des Hurrikans Sandy. Allein der Autoversicherer Geico musste für fast 47000 Fahrzeuge aufkommen, die Ende Oktober im Sturm beschädigt wurden.

          Tochtergesellschaften von Berkshire haben im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 2,3 Milliarden Dollar für kleinere Zukäufe ausgegeben, um ihr Geschäft zu ergänzen. Zusätzlich investierten Berkshire-Gesellschaften 9,8 Milliarden Dollar in Produktionsstätten und neue Geräte - auch das ein Rekord und 19 Prozent mehr als im Jahr davor. Knapp neun Zehntel der Investitionen entfielen auf die Vereinigten Staaten. Buffett rechnet für dieses Jahr mit einem neuen Rekord. „Amerika strotzt vor Gelegenheiten“, schrieb der mehrfache Milliardär, der für einen unerschütterlichen Glauben an Wachstumschancen in den Vereinigten Staaten bekannt ist.

          Zu den kleineren Zukäufen zählten 28 Regionalzeitungen, die Buffett in den vergangenen 15 Monaten für insgesamt 344 Millionen Dollar erworben hatte. Buffett glaubt trotz der Konkurrenz von Fernsehen und Internet an die Zukunft von Zeitungen, die sich auf lokale Berichterstattung konzentrieren und ihre Inhalte nicht kostenlos im Netz verschenken. „Wenn Sie wissen wollen, was in Ihrer Stadt los ist - ob es um den Bürgermeister, um Steuern oder um Highschool-Football geht - gibt es keinen Ersatz für eine Lokalzeitung, die ihre Arbeit macht“, schrieb Buffett.

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