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Windräder statt Aufforstung : Sturm im Pfälzer Wald

Ulrike Höfken Bild: dpa

Die grüne Umweltministerin in Rheinland-Pfalz will die Aufforstung stoppen – und weckt bei vielen den Verdacht, dadurch Platz für Windräder schaffen zu wollen. Das stört auch manche Grüne.

          Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Ulrike Höfken weiß das, schließlich ist die rheinland-pfälzische Umweltministerin im alten Koordinatensystem der Grünen zwar durchaus eine „Realo“, aber eine, die ihre fundamentalen Überzeugungen im Amt nicht aufgegeben hat. Der heftige Gegenwind, der seit Tagen aus den Reihen der Verbündeten kommt, hat aber selbst die sturmerprobte Höfken überrascht. Seit sie ankündigte, den Wald nicht mehr in vollem Umfang aufzuforsten, zieht sich selbst mitten durch die Reihen grüner Naturschützer und grüner Energiewendebefürworter ein Riss.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Trotz aller Dementis von Höfken hält sich der Verdacht: Die Umweltministerin begrenzt den Wald, um dringend benötigte Flächen für Windräder zu bekommen. In der Eifel droht ein Ortsverband der Grünen schon mit der Auflösung, selbst der Umweltschutzverband BUND vermutet, der Regierung gehe es in Wirklichkeit um mehr Windmühlen. Schließlich müssten für die geplanten Windräder ansonsten 1500 bis 2000 Hektar Wald an anderer Stelle aufgeforstet werden. Höfken hingegen beteuert, der Waldanteil habe bereits 42 Prozent der Landfläche erreicht.

          Ausgleich statt Bäume pflanzen

          Es könne nicht sein, dass die letzten artenreichen Talwiesen im Pfälzer Wald oder Magerwiesen im Westerwald zum Ausgleich eines Eingriffs aufgeforstet werden müssten. Der Bauern- und Winzerverband spricht von einem richtigen Schritt, schließlich würde der Flächenverbrauch durch Baumaßnahmen und Aufforstungen die Felder für die Produktion „hochwertiger Nahrungsmittel“ immer weiter begrenzen. Auch der Naturschutzbund Nabu begrüßt die Pläne – anders als der BUND. Die Energiewende lässt alte Glaubensgrenzen verschwimmen.

          Statt Bäume zu pflanzen sollen die Waldbesitzer künftig eine Ausgleich in bar zahlen, entsprechend groß ist dort die Begeisterung. Wer die steigende Nachfrage nach Holz mit der Stilllegung von Flächen beantworte, verschließe die Augen vor Holzimporten aus dubiosen Quellen, zetert der Waldbesitzerverband. Bis zu 50.000 Arbeitsplätze seien durch ein Wiederaufforstungsverbot in Gefahr.

          Höfkens Vorstoß berührt die Fundamente der grünen Politik, schließlich ist das Schlüsselwort Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft geboren geworden. Erst die Pflicht zum Wiederaufforsten, festgehalten über Hunderte Jahre in zahllosen Forstordnungen, hat den Raubbau des Waldes gestoppt. Entsprechend emotional geht es zu. Vor allem im Pfälzer Wald, dem größten Wald Deutschlands, tobt der Streit zwischen Windradbefürwortern und -gegnern.

          Nur einen sechs Kilometer breiten Rand zu den Hügeln der Haardt hat die Landesregierung für Windräder gesperrt. Im Rest des Gebietes müssen regionale Planungsgemeinschaften Plätze für Windmühlen ausweisen. Rheinland-Pfalz hat ehrgeizige Pläne, deutlich ehrgeiziger als der Bund. Bis 2030 will sich das Land zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen können. Dazu muss die Zahl der Windräder auf 2600 mehr als verdoppelt werden.

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