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Rotmilan und Fledermäuse : Die Windkraft und der Artenschutz

Vorgeflogen: Stare an einer Windenergieanlage nahe Jacobsdorf. Bild: ZB

Windräder sollen das Klima schützen. Leiden darunter Vögel und Fledermäuse? Die Folgen für die Tierwelt lassen sich schwer absehen.

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          Die einen sprechen von Terrortürmen, die Ruhe, Kraft und Natur kosten. Für die anderen gehören Windräder längst zur Landschaft dazu. Wer sich etwa an der nordfriesischen Küste umsieht, erblickt zuhauf Windanlagen. Doch trotz allen Ausbaus braucht es für die Klimaziele der Regierung noch mehr Windkraft.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin
          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit dieser Plan überhaupt gelingen kann, will Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) allerlei an den Abläufen beschleunigen und auch den Artenschutz einengen: Statt auf einzelne Tiere zu blicken, die mit einem Windrad kollidieren können, soll der Schutz der gesamte Population entscheidend sein. Das verspricht mehr Ärger mit Umweltschützern und stellt die Frage, ob Klimaschutz den Artenschutz verdrängt.

          Neue Zahlen zum Zubau in der Windkraft stimmen immerhin etwas zuversichtlich, wenngleich die Anstrengungen noch lange nicht reichen. 2021 entstanden in Deutschland 484 Windenergieanlagen an Land (Onshore) mit einer installierten Leistung von brutto 1,9 Gigawatt. Das waren in der Leistung 35 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Beratungsunternehmen Deutsche Wind-Guard im Auftrag des Bundesverbandes Windenergie BWE und des Anlagen-Fachverbandes VDMA Power Systems ermittelt hat. Aber die neuen Mengen seien völlig unzulänglich, um den Klimazielen der Bundesregierung und dem wachsenden Bedarf nach Ökostrom gerecht zu werden, teilten die drei Einrichtungen am Donnerstag in Berlin mit.

          Schnellere Verfahren

          Die Windkraftkenner begrüßen die von der Ampelregierung und Habeck geplanten Programme zum Windausbau – vor allem den Plan, künftig 2 Prozent der Landflächen „Onshore“ zu nutzen. Hieraus dürfe sich kein Bundesland davonstehlen. Richtig sei, mehr „Repowering“ zu ermöglichen, also den Austausch alter Anlagen gegen neue leistungsfähigere. Auf Zustimmung traf die Absicht, die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, Abstandsregeln zu verringern und in der Schutzgüterabwägung dem Ausbau erneuerbarer Energien Vorrang einzuräumen. Für nötig hält die Windkraftbranche ebenfalls, den Schwerlasttransport zur Bauteilbeförderung zu vereinfachen.

          Die Bundesländer regeln die Siedlungsabstände zu Windrädern selbst. In Bayern sind diese relativ weit. Habeck will ebenfalls die Abstände zu Drehfunkfeuern und Wetterradaren senken. Werden die Abstände verringert, ergeben sich mehr potenzielle Flächen. Gleichzeitig rücken die Anlagen damit näher an Häuser heran und der Widerstand dagegen dürfte steigen. Für dieses Jahr erwarten die Verbände einen Ausbau von 2,3 bis 2,7 Gigawatt. Kumuliert gibt es derzeit in Deutschland mehr als 28 000 Onshore-Anlagen mit 56,1 Gigawatt Leistung.

          Vor jeder Windkraftanlage steht die Artenschutzprüfung. Vor allem Greifvögel wie der Rotmilan oder der Mäusebussard und Fledermäuse laufen Gefahr, mit den Rotoren zu kollidieren. Grundsätzlich gelten große Vögel mit wenig Nachkommen stärker gefährdet als andere. Ob sich ihr Tötungsrisiko signifikant erhöht, muss vorher untersucht werden. Für den Ausbau der Windkraft ist die Frage des Artenschutzes allerdings nur einer von mehreren Punkten, die Verfahren in die Länge ziehen oder verhindern können. Es braucht auch mehr Personal in den Behörden, digitale Verfahren und Vereinheitlichungen im Ablauf.

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