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Offshore-Windenergie : Bis 2030 dreimal so viele Windränder wie bisher

  • Aktualisiert am

Windräder in Niedersachsen Bild: dpa

Der Ausbau von Windkraft lahmt: Die norddeutschen Energieminister haben am Montag mit Vertretern der Bundesregierung und der Wirtschaft über die Flaute beraten – und einen ambitionierten Plan gefasst.

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          Die Erzeugung von Windenergie auf Nord- und Ostsee soll nach Vorstellung der Bundesregierung und der norddeutschen Bundesländer stärker ausgebaut werden als bisher geplant. Von derzeit rund 7 Gigawatt soll die installierte Leistung bis 2030 auf bis zu 20 Gigawatt steigen, wie Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD) am Montag in Hannover nach einem Treffen mit Vertretern der Bundesregierung und der anderen Nordländer sagte.

          „Der Ausbaudeckel ist angehoben: 20 Gigawatt bis 2030 ist nicht nur das erklärte Ziel, sondern, davon bin ich überzeugt, wird in den nächsten Wochen und Monaten auch rechtlich fixiert“, sagte Lies. Bisher waren 15 Gigawatt bis 2030 das Ziel. Die norddeutschen Energieminister hatten am Montag in Hannover mit Vertretern der Bundesregierung und der Wirtschaft über die Flaute der Windenergie beraten. Klappt alles wie geplant, könnten 2023 die Ausschreibungen für die zusätzlich anvisierte Leistung beginnen und 2027 der Bau der Anlagen starten. Dafür muss auch das Stromnetz entsprechend ausgebaut werden. Das betreffe insbesondere Niedersachsen, sagte Lies.

          Weil der Ausbau der Windkraft bundesweit fast zum Erliegen gekommen ist, wollen die Nordländer der Branche neuen Schub verleihen. Neben gesetzlichen Regelungen soll es um mehr Personal für beteiligte Behörden, eine gute Netzanbindung und die Akzeptanz der Bürger gehen. „Wir wollen Lösungen auf den Weg bringen“, sagte Lies im Vorfeld. Ziel sei es, Planungssicherheit für die Branche zu schaffen und einen Technologieschub auszulösen. Fünf Bundesländer waren mit ihren Energieministern und -senatoren beteiligt: Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

          Windbranche ist zuversichtlich

          Im ersten Halbjahr 2019 waren an Land nur 86 neue Windenergieanlagen errichtet worden. Das entsprach einem Brutto-Zubau von 287 Megawatt, so wenig wie noch nie seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000. Gründe für den Rückgang sind fehlende Flächen und Klagen gegen weitere Windräder.

          Die Branche hält das nun verabredete Ziel für realistisch. „20 Gigawatt bis 2030 sind zu schaffen, aber schon heute sollte darüber hinausgeschaut werden“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands der Windparkbetreiber Offshore, Uwe Knickrehm. Und auch Niedersachsens Minister Lies sowie der Bremer Staatsrat Ronny Meyer sind zuversichtlich. Sie sagen: Bis 2050 seien allein in der deutschen Nordsee sogar 50 Gigawatt Leistung durchaus möglich.

          Enak Ferlemann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, ist zurückhaltender. Der CDU-Politiker ordnete die 20-Gigawatt-Zielmarke bis 2030 so ein: „Man muss dazu ehrlicherweise sagen: Das ist auch das maximal Mögliche, was die Industrie liefern kann, was wir auch planerisch bewältigen können.“

          Kritik an Klimapaket

          Ein von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) einberufener nationaler Windenergiegipfel war Anfang September ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen. Der geringe Ausbau erneuerbarer Energien gefährdet jedoch die Erreichung der Klimaziele, da Kohle, Gas und Atomkraft im Zuge der Energiewende ersetzt werden sollen. Bis 2030 soll der Ökostrom-Anteil von knapp 40 Prozent auf 65 Prozent steigen.

          Auch das Klimapaket, das die Bundesregierung aus Union und SPD Ende September vorstellte, stieß in der Windbranche auf Kritik. Die Beschlüsse der großen Koalition brächten die gesamte Branche in Gefahr, sagte der Präsident des Bundesverbands Windenergie, Hermann Albers. Dass auf Wunsch von Teilen der Union pauschale Regelungen für den Abstand von Windkraftanlagen und Wohnhäusern Teil des Kompromisses seien, sei „unverständlich und grob fahrlässig“.

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