https://www.faz.net/-gqe-7li8y

Wilhelm Hankel gestorben : Streitbar gegen den Euro bis zuletzt

  • Aktualisiert am

Wilhelm Hankel (1929 - 2014) Bild: dpa

Der Ökonom Wilhelm Hankel hat einst die Bundesschatzbriefe erfunden. Einer breiten Öffentlichkeit wurde der Professor als Kämpfer gegen die Einführung des Euro bekannt.

          Wenn es seiner Sache dienlich schien, war Wilhelm Hankel nicht wählerisch. „Ich predige von jeder Kanzel“, hat der prominente Euro-Kritiker schon vor langer Zeit postuliert. Nun stehen zwei Artikel in der von vielen misstrauisch beäugten „Jungen Freiheit“ am Ende der langen Veröffentlichungsliste des streitbaren Ökonomen, der Mittwoch vergangener Woche im Alter von 85 Jahren in der Kölner Uni-Klinik gestorben ist. In seinem unversöhnlicher Kampf gegen die Gemeinschaftswährung Euro hat der Volkswirt und früheren Chef der hessischen Landesbank (Helaba) auch davor nicht zurückgeschreckt.

          Dabei war der bei Danzig geborene Volkswirt unter dem sozialdemokratischen Wirtschaftsminister Karl Schiller 1969 in Bonn zum kleinen Star geworden, als er für die damalige Große Koalition die Bundesschatzbriefe erfand. Die populären Anleihen ließen mit hohen Zinserträgen viele Westdeutsche am wirtschaftlichen Aufschwung teilnehmen. Das Ende der Bundesschatzbriefe im Jahr 2012 hat er in einem Interview mit der Sonntagszeitung stark bedauert.

          Unrühmlich endete Hankels 1972 vollzogener Wechsel an die Spitze der Hessischen Landesbank, die unter seiner Führung zum Sanierungsfall wurde. Ende 1973 räumte er den Helaba-Chefsessel. Es folgten zahlreiche Lehraufträge, Professuren und Beraterverträge in Deutschland, den Vereinigten Staaten und vielen weiteren Staaten. Mit seiner Frau lebte der Vater dreier Kinder zuletzt in Königswinter bei Bonn.

          „Die Euro-Bombe wird entschärft“, „Gebt uns unsere D-Mark zurück“ oder auch „Die Euro-Lüge“ heißen Hankels jüngere Bücher. Einer breiten Öffentlichkeit wurde der Professor mit dem charakteristischen Schnauzbärtchen bekannt, als er 1997 mit drei weiteren Professoren beim Bundesverfassungsgericht Klage gegen die Einführung des Euro einreichte. Die Währung müsse eigentlich „Ikarus“ heißen, weil sie wie der griechische Sagenheld abstürzen werde, lautete eines der vielen schmissigen Bonmots des Publizisten.

          Die Klage wurde in Karlsruhe ebenso abgewiesen wie eine nachfolgende gegen die Griechenland-Hilfen der Gemeinschaft, in denen die Kläger nur eine Schuldenübernahme für die Banken erkennen konnten, die Griechenland Geld geliehen hatten. Zuletzt hatte sich Hankel für parallele nationale Währungen neben dem verhassten Euro ausgesprochen und auf seiner Homepage zur Wahl der „Alternative für Deutschland“ (AfD) aufgerufen.

          Weitere Themen

          China und Deutschland im Schulterschluss Video-Seite öffnen

          Neue Finanz-Kooperation : China und Deutschland im Schulterschluss

          Deutsche und chinesische Finanzunternehmen können künftig einfacher im jeweils anderen Land Fuß fassen. Das verhandelten Bundesfinanzminister Olaf Scholz und der chinesische Vize-Regierungschef Liu He am Freitag in Peking.

          Topmeldungen

          Horst Seehofer in seinem Arbeitszimmer im Bundesinnenministerium

          Horst Seehofer im Interview : „Glauben Sie, ich vergesse zurückzutreten?“

          Horst Seehofer will an diesem Samstag den CSU-Vorsitz aufgeben. Im F.A.Z.-Gespräch schildert er, wie er zur CSU kam, warum Merkel eine „Type“ ist – und wieso Franz Josef Strauß eine „Urgewalt“ hatte.

          Anwalt Michael Cohen : Tricksen für Trump

          Der ehemalige Anwalt des Präsidenten soll vor dem Wahlkampf eine Firma bezahlt haben, Online-Umfragen für Trump zu manipulieren. Für Cohen sprang ein Fake-Fanclub heraus, dessen Huldigungen immer noch online sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.