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Nach zehn Jahren : Wieso der Boom am Immobilienmarkt vor dem Ende steht

Die Prognosen für den Immobilienmarkt sind düster. Je nach Segment könnten die Folgen der Krise aber sehr unterschiedlich sein - Wohngebiet in München. Bild: dpa

Die Prognosen für den Immobilienmarkt sind düster. Je nach Segment könnten die Folgen der Krise aber sehr unterschiedlich sein – und einen Hoffnungsschimmer gibt es auch noch.

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          Völlig spurlos vorbeigehen dürfte die Rezession als Folge der Corona-Krise am deutschen Immobilienmarkt nicht. Je nach Segment des Marktes könnten die Folgen aber sehr unterschiedlich sein. Zudem könnte die Rolle von Immobilien als „sicherer Hafen“ für internationale Anleger den Markt gerade in unsicheren Zeiten auch stützen. Eine Studie der DZ Bank jedenfalls, die der F.A.Z. exklusiv vorliegt, rechnet damit, dass die Corona-Krise den deutschen Immobilienboom beendet. Ähnlich äußerte sich zuvor die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), deren Chefvolkswirtin Gertrud Traud schon oft ein gutes Gespür für Entwicklungen bewiesen hat. Zehn Jahre hätten die gut laufende Wirtschaft und sinkende Zinsen die Immobilienpreise in die Höhe getrieben, heißt es in der Studie der DZ Bank weiter, „doch das Corona-Virus stoppt den Anstieg“. Wohnimmobilien und Logistik- und Büroobjekte kämen wohl ohne größere Schäden davon. „Für Handel und Hotels aber sieht es trübe aus“, schreiben die Autoren der DZ Bank. Zudem deute sich an, dass die Corona-Krise der Digitalisierung in Deutschland einen Schub verleihe: „Flexibles Arbeiten und Einkaufen könnte die Nachfrage nach Büro- und Handelsimmobilien langfristig belasten.“

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Auch die Deutsche Bank hatte in einer Studie die Möglichkeit durchgespielt, dass die Arbeitgeber, nicht die Arbeitnehmer in der Krise die Vorteile des Homeoffice entdeckten und in der Folge die Zahl der Büroarbeitsplätze zugunsten von Heimarbeit reduzieren könnten – auch um Kosten zu senken. Fast 30 Quadratmeter entfallen derzeit in Deutschland laut DZ Bank rechnerisch auf einen Büromitarbeiter. Das könnte gerade bei großen Arbeitgebern durchaus zu einer Verringerung des Platzbedarfs und damit der Nachfrage nach Büroimmobilien führen. Dieser Effekt sei aber noch mit viel Unsicherheit behaftet.

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