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Wiederaufbau kann beginnen : Allianz einigt sich im Streit um World Trade Center

  • -Aktualisiert am

Wiederaufbau des World Trade Centers Bild: dpa

Die Allianz und weitere Versicherungen haben sich im Streit um Zahlungen für den Wiederaufbau des World Trade Centers mit dem Immobilienentwickler Silverstein auf einen Vergleich verständigt. Silverstein hatte zuletzt starken politischen Druck ausgeübt.

          Der seit Jahren andauernde Streit zwischen den Versicherern und dem Pächter des zerstörten World Trade Center in New York ist beendet. Die Versicherer, darunter auch der deutsche Konzern Allianz SE, haben sich in dem Disput um noch ausstehende Zahlungen für den Wiederaufbau mit dem Immobilienentwickler Larry Silverstein auf einen abschließenden Vergleich verständigt. Nach Marathonverhandlungen stimmten sie am frühen Mittwochmorgen einer Zahlung von weiteren 2 Milliarden Dollar zu. Die Versicherer hatten bisher schon insgesamt 2,4 Milliarden Dollar für den durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 entstandenen Schaden gezahlt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Um die Höhe der restlichen Summe wurde gestritten, weil unter anderem erst die genaue Höhe des Schadens festgestellt werden musste. „Die Versicherer haben jetzt fast 100 Prozent der maximalen Forderungen beglichen“, sagte der New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer auf einer Pressekonferenz in New York. Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau des World Trade Center werden derzeit auf 12 Milliarden Dollar veranschlagt. Spitzer hatte in seinem früheren Amt als Generalstaatsanwalt starken Druck auf Investmentbanken und Versicherer ausgeübt und damit Reformen in diesen Branchen ausgelöst.

          Politischer Druck

          Neben der Allianz waren auch der amerikanische Versicherer Travelers, die ehemalige amerikanische Tochtergesellschaft der britischen Royal & Sun Alliance sowie der Schweizer Rückversicherer Swiss Re an dem Vergleich beteiligt. „Wir sind froh, dass es in diesem schwierigen Schadensfall jetzt zu einer Einigung gekommen ist und freuen uns mit den Bürgern von New York auf den Abschluss der Wiederaufbauarbeiten“, sagte Andreas Shell, Schadenskoordinator der Allianz-Gruppe.

          Die Allianz war in jüngster Zeit in New York unter politischen Druck geraten. Silverstein hatte wiederholt öffentlich erklärt, dass die Allianz ihm weitere 553 Millionen Dollar schulde. Die Allianz hatte das bisher verneint und darauf hingewiesen, dass sie bereits 312 Millionen Dollar an Silverstein überwiesen habe. Zusätzlich kompliziert wurden die Verhandlungen, weil die Hafenbehörde von New York und New Jersey, der das Gelände gehört, jüngst einen Teil des Wiederaufbaus von Silverstein übernommen hatte. Die Allianz hatte ihren Vertrag aber mit Silverstein und nicht mit der Hafenbehörde abgeschlossen.

          Zwei Schadensfälle

          Silverstein unterschrieb einen Pachtvertrag für das World Trade Center kurz vor den Anschlägen und versicherte es mit maximal 3,5 Milliarden Dollar. Kurz nach den Anschlägen forderte Silverstein aber die doppelte Versicherungssumme. Er argumentierte, dass es sich bei dem Terroranschlag um zwei Schadensfälle gehandelt habe, weil zwei Flugzeuge zeitlich versetzt in die Zwillingstürme geflogen waren. Nachdem die Gerichte im Zuge der Lektüre der Policen der insgesamt über 20 Versicherer in einigen Fällen auf zwei Schadensfälle entschieden hatten, standen Silverstein maximal 4,6 Milliarden Dollar zu.

          Im Fall der Allianz hatte ein Gericht auf zwei Schadensfälle erkannt. Die Allianz hatte insgesamt zwei Policen mit Silverstein abgeschlossen. Die erste belief sich auf maximal rund 78 Millionen Dollar für einen Schadensfall. Bei der zweiten Police trat die Allianz für den französischen Rückversicherer Scor als Erstversicherer auf. Im Rahmen des Vergleichs zahlt die Allianz für zwei Schadensfälle 680 Millionen Dollar an Silverstein. Diese Police ist aber zu 100 Prozent rückversichert, heißt es bei der Allianz.

          Demonstration vor deutschem Konsulat

          Silverstein hatte in den vergangenen Monaten starken politischen Druck auf die Versicherer ausgeübt. Gewerkschaftlich organisierte Bauarbeiter hatten vor der Vertretung der Allianz in New York und dem deutschen Konsulat protestiert. Unter anderem hatte der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg im vergangenen Jahr einen Brief an Allianz-Chef Michael Diekmann geschrieben und auf eine schnelle Lösung gedrängt. Nach Darstellung von Silverstein ging es beim World Trade Center wegen der symbolischen Tragweite der Terroranschläge nicht um einen normalen Versicherungsdisput. Er hatte die Allianz zudem beschuldigt, den Wiederaufbau zu verzögern. Die Allianz hatte diese Vorwürfe immer zurückgewiesen.

          Abgesehen von den Silverstein-Policen hat die Allianz noch einen dritten Versicherungsvertrag mit der Hafenbehörde für andere Gebäude des World Trade Center abgeschlossen. Diese Police wird von dem Vergleich mit Silverstein nicht berührt. Die maximale Summe für einen Schadensfall beträgt dabei 350 Millionen Dollar.

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