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Wiederaufbau der Ukraine : Die Ukraine braucht mehr als Panzer

Staus behindern die Wirtschaft: Grenzübergang zwischen der Ukraine und Polen Bild: AFP

Im Krieg gegen die russischen Invasoren hat die Ukraine zuletzt Erfolge erzielt. Doch die Wirtschaft muss auf eine Wende zum Besseren noch warten.

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          Die Ukraine ruft nach mehr Panzern, Raketenwerfern, Munition und Geld. um sich der Invasoren zu erwehren. Doch Rüstungsgüter und Finanzzusagen allein reichen nicht, um die aus dem Lot geratene Wirtschaft zu stabilisieren. Einfache Mittel könnten helfen. Zum Beispiel weniger Bürokratie und mehr Zöllner an der Grenze. So klagte die Europäische Wirtschaftsvereinigung (EBA) in Kiew über Staus, weil Polen zu wenige Veterinäre und Pflanzenschutzkontrolleure einsetze. An manchen Kontrollpunkten passierten nur 25 Lkw am Tag die Grenze statt 80 wie vor der Invasion. Die EBA steht mit solchen Klagen nicht allein. „Die derzeitigen logistischen Probleme, die auch durch unnötige Bürokratie erzeugt werden, müssen schnellstmöglich gelöst werden“, verlangt Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms gegenüber der F.A.Z. „Alle beteiligten Akteure sollten hier schnellstmöglich für reibungslose Abläufe sorgen.“

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Von bis zu 38 Kilometer langen Lkw-Staus an der Grenze und Wartezeiten von fünf bis sechs Tagen schrieb kürzlich der Verband Agrarhandel dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Die Folge sei eine „Vernichtung des Warenwertes von 25 Prozent“. Die Wartezeiten machten 40 Prozent der Transportkosten aus. „Sie haben den gleichen Effekt wie eine Exportsteuer, sie senken den Inlandspreis für alle landwirtschaftlichen Produkte um 80 bis 90 Euro die Tonne“, rechneten die Agrarhändler vor. Ukrainischen Bauern entgingen bei einer Ernte von 73 Millionen Tonnen 5,8 Milliarden Euro Verkaufserlös.

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