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Ungleichheit in Deutschland : Wie zufrieden sind die Deutschen?

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Um das zu klären, lohnt ein Blick auf die konkreten Sorgen, die sich die Deutschen machen. Auch hiernach fragt das SOEP regelmäßig. Die Antworten zeigen, dass sich die Menschen im Jahr 2015 weniger Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz, die eigene wirtschaftliche Situation und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung machten als noch 2004 und in den Jahren danach.

Woher stammt diese Unzufriedenheit über soziale Ungleichheit?

Das hat wohl auch damit zu tun, wie Jürgen Schupp vom SOEP vermutet, dass Deutschland trotz der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen des vergangenen Jahrzehnts viele Krisen erfolgreich bewältigt hat. Nur die Sorgen um den Frieden haben zugenommen. Direkt befragt, sagen die Menschen also offenbar nicht, dass sie sich zunehmend um ihre Zukunft sorgen. Fratzschers These wird von den Antworten der Betroffenen widerlegt.

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Schließlich sieht Fratzscher einen Widerspruch zwischen der Zufriedenheit mit den eigenen Lebensumständen und der Unzufriedenheit über die soziale Ungleichheit und den bröckelnden gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das SOEP fragte erstmals 2015 nach der Zufriedenheit mit der allgemeinen Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit in Deutschland.

Hier zeigt sich tatsächlich eine höhere Unzufriedenheit als bei anderen Dimensionen des alltäglichen Lebens wie zum Beispiel dem eigenen Familieneinkommen. Allerdings korreliert auch diese Unzufriedenheit über die Ungleichheit in der Gesellschaft mit der persönlichen Lebenszufriedenheit: Wer unzufrieden ist mit der sozialen Situation in Deutschland, ist in der Tendenz auch weniger zufrieden mit seinem eigenen Leben.

Wir sollten die gute Nachricht gute Nachricht sein lassen

Woher stammt diese Unzufriedenheit über soziale Ungleichheit? In den Lebenszufriedenheitsdaten findet man jedenfalls keine wachsende Ungleichheit. 2015 kreuzten knapp 70 Prozent der Befragten schon mindestens zum dritten Mal in Folge eine Sechs oder mehr auf der Skala an, das waren 15 Prozent mehr als 2004. Hingegen waren nicht einmal 2 Prozent drei Jahre lang durchweg unzufrieden mit ihrem Leben, 38 Prozent weniger als 2004.

Wenn meine Mitmenschen offenbar anhaltend zufriedener werden und die Zahl der Ausnahmen immer kleiner wird, wie kann es da sein, dass wir uns immer größere Sorgen um die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit machen? Eine mögliche Antwort hierauf gibt Judith Niehues vom IW Köln. Sie hat untersucht, wie die Menschen die Einkommensverteilung in Deutschland einschätzen und herausgefunden: Die Menschen glauben, dass die Einkommen in Deutschland wesentlich ungleicher verteilt sind, als dies tatsächlich der Fall ist.

Wir sollten die gute Nachricht gute Nachricht sein lassen. Uns geht es gut und wir sind alles in allem zufrieden mit unserem Leben. Das darf nicht dazu verführen, sich auszuruhen. Wir haben das Glück nicht gepachtet.

Ronnie Schöb ist Professor für Finanzwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Den erwähnten Beitrag von Marcel Fratzscher finden Sie hier.

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