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Serie: Wir wir reich wurden (47) : Das Gold hat das Geld hart gemacht

  • -Aktualisiert am

Eine Geschichte von Aufstieg und Fall: Gold in der Volkswirtschaft Bild: AP

Als die Menschen noch mit Gold bezahlten, gab es keine Inflation. Kurz vor dem 1. Weltkrieg fanden gut 90 Prozent des Welthandels mit Goldwährungen statt. Heute würde das nicht mehr funktionieren.

          4 Min.

          Southampton, September 1931. Der Gouverneur der Bank of England, Montagu Norman, kehrt von einer Reise aus Amerika zurück. Als sein Dampfer im Hafen anlegt, erwarten ihn Kollegen von der englischen Zentralbank. Ihre Nachricht – man habe während seiner Abwesenheit den Goldstandard, die Koppelung des englischen Pfunds an das Gold, aufgegeben. Normans Antwort darauf lautete „I didn’t know we could do that“ – „Ich wusste gar nicht, dass wir das tun können“.

          Haben Sie schon einmal genau auf eine englische Pfundnote geschaut? Auf der 10-Pfund-Note steht heute noch „I promise to pay the bearer on demand the sum of ten pounds.“ Was passiert, wenn Sie in der Threadneedle Street aufkreuzen? Man wird Ihnen ein anderes Stück Papier mit der gleichen hübschen Aufschrift geben. Bis 1931 war das anders. Da bekam man 73 Gramm Gold für eine 10-Pfund-Note, garantiert. Und nicht nur in England. Fast alle führenden Wirtschaftsnationen (und viele Entwicklungsländer) hatten ein vorgeschriebenes Austauschverhältnis zwischen Papiergeld und Gold.

          Die Erfindung des Goldstandards - ein Fehler von Isaac Newton

          Heute kommt uns eine solche mechanische Koppelung zwischen Geld und Edelmetall absurd vor. Doch vielen Menschen, so wie auch Montagu Norman, erschien der Goldstandard als Teil der natürlichen Wirtschaftsordnung. Durchgesetzt hatte sich das Gold weltweit erst im späten 19. Jahrhundert. Das typische Geldsystem kombinierte zuvor über Jahrhunderte Gold und Silber in einem festen Austauschverhältnis – der Bimetallismus. Das Problem dabei war, dass sich der Wert der beiden Edelmetalle änderte. Floss etwa durch die Entdeckung neuer Vorkommen mehr Gold nach Europa, wurde Silber relativ wertvoller. Da unter einem bimetallischen Standard Bürger ihr Gold in eine fixe Menge Silber umtauschen können, wird das Ungleichgewicht schnell zum Problem. Liegt die von der staatlichen Münze versprochene Menge über dem Knappheitsverhältnis auf dem freien Markt, dann tauschen schnell viele Menschen ihr Gold in Silber um.

          Bild: F.A.Z.

          Genau durch einen solchen Steuerungsfehler wurde der Goldstandard „erfunden“. Isaac Newton, der berühmte Physiker, wurde in seinen späten Jahren Master of the Mint – Chef der staatlichen Münzerei. Als er 1717 das Verhältnis von Gold und Silber falsch anpasste, verschwand das Silber schnell aus dem Warenverkehr, und das Pfund Sterling wurde zur reinen Goldwährung. Lange Zeit blieb England mit dieser Form der Währung allein. Doch nachdem im 19. Jahrhundert im Goldrausch in Kalifornien immer mehr Gold gefunden wurde, wurde auch für andere Staaten der Übergang zur Goldwährung möglich.

          Der „unfaire“ deutsche Kostenvorteil

          Für diese Staaten war das vorteilhaft. Denn England, die Wiege der Industriellen Revolution, produzierte viele gute Konsum- und Investitionsgüter und war ein beliebter Handelspartner. Und Handel ist immer dann einfacher, wenn zwei Länder das gleiche Währungssystem haben. Je mehr Länder den Goldstandard übernahmen, desto vorteilhafter wurde der Übergang zu Gold für den Rest. Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs fanden gut 90 Prozent des Welthandels zwischen Ländern mit Goldwährungen statt.

          Der Goldstandard half dabei, Handelsungleichgewichte zu vermeiden. Ein Exportüberschuss führte zu Goldzuflüssen. Heute würde beispielsweise der Rest der Welt Gold nach Deutschland schicken müssen, um für all die Werkzeugmaschinen und Luxuswagen zu bezahlen. Doch weil Geldumlauf und Gold in fixem Verhältnis stehen, führt der Goldzufluss dazu, dass Deutschland mehr Währung in Umlauf bringt. Die Preise steigen, der „unfaire“ deutsche Kostenvorteil, über den Politiker in mediterranen Ländern heute so gern lamentieren, verschwindet – und damit auch die Exportüberschüsse.

          Der Goldstandard erscheint heute attraktiv - aber funktioniert so nicht mehr

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