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Serie: Wie wir reich wurden : So lebten die Reichen früherer Tage

Bild: Thilo Rothacker

In der Steinzeit waren die Reichen stolz auf ihre verzierten Hirschzähne. Im Mittelalter freuten sich die Burgherren über Fensterglas. Heute lebt jeder Arme besser als die Geldelite der Vergangenheit.

          5 Min.

          Die Steinzeit: Schmuck aus Hirschzähnen

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kaum war das Eigentum erfunden, gab es auch schon die ersten Reichen - das wissen heute Archäologen. Und der Beginn allen Reichtums war der Schmuck. Zu zeigen, dass man etwas Besonderes ist - das war den Menschen offenbar schon vor mehr als 15 000 Jahren wichtig. Und so lagen in einem Grab nahe der französischen Stadt Saint-Germain-la-Rivière die ältesten bekannten Schmuckstücke der Welt. Gold war das noch lange nicht, der reiche Steinzeitmensch besaß in Frankreich verzierte Zähne von jungen Hirschen - einem Tier, das es in jenem Teil Frankreichs überhaupt nicht gab und dessen Zähne der Steinzeitkrösus darum per Fernhandel bekommen haben muss, wie die Forscher folgern. Abgesehen vom Schmuck allerdings hatte der reiche Steinzeit-Mann noch nichts grundsätzlich anderes als seine ärmeren Zeitgenossen: Auch er musste sich in Felle und gewirktes Gras kleiden. Und auch wenn die Reichen vor 15 000 Jahren mutmaßlich mehr zu essen hatten als die anderen - der Handel war noch nicht so etabliert, dass sie etwas anderes zu essen bekommen hätten als die Tiere der Region und die Früchte, die in der Umgebung wuchsen.

          Das alte Rom: Macht durch Geld

          Viele reiche Römer brauchten eine Feder, um die langen und üppigen Mahlzeiten ihrer Zeit auszuhalten. Denn war in der Steinzeit das Essen noch karg, so konnten die Wohlhabenden nun schon sehr reichhaltig speisen. Früchte, Eier, Honig, selbst Stopfgänse kamen auf den Tisch. Und weil es den Reichen so gut schmeckte und die Mahlzeiten oft sehr lange dauerten, kitzelte sich so mancher reiche Römer zwischendurch mit einer Feder das Essen wieder aus dem Rachen, um anschließend weiter essen zu können - so beschreibt es Autor Detlef Gürtler in seinem Buch "Die Dagoberts - eine Weltgeschichte des Reichtums".

          Nicht nur das Essen war reichhaltig, auch die Ländereien der Römer. Wer etwas auf sich hielt, hatte nicht nur ein Haus in der Stadt, sondern auch eine Villa und große Felder auf dem Land - oft war genau das die Quelle des Reichtums. Der Weg in die Stadt war allerdings mühsam: Auch wenn sich reiche Römer in einer Sänfte tragen lassen konnten, waren sie doch nicht schneller, als sie es zu Fuß gewesen wären. Wer es besonders eilig hatte, musste ein Pferd nehmen - schneller kam auch der reichste Römer nicht vom Fleck.

          Der Reichste, das war offenbar Julius Cäsar. Er hielt sich eine ganze Privatarmee. Zu seinen Lebzeiten machte sein Besitz ein Zwanzigstel der jährlichen Wirtschaftsleistung der ganzen Welt aus - würde man das auf heute übertragen, wären das fast zwei Billionen Euro. So reich ist heute längst niemand. Doch was sich Cäsar davon kaufen konnte, war immer noch vergleichsweise bescheiden. In Lebensmitteln und Wohnungen gerechnet, betrüge sein Reichtum heute nur noch rund 30 Milliarden Euro - damit stünde er auf der Liste der reichsten Weltbürger erst auf Platz vier. Hätte sein Vermögen in Form von Gold und Silber die Zeit überdauert, wäre es gar nur noch 500 Millionen Euro wert.

          Dafür hatten die reichen Römer einen anderen Vorteil: Sie hatten enormen Einfluss auf die Politik. Das gilt selbst für die Zeiten vor Cäsar, als Rom noch eine Republik war, in der die Bürger ihre Politiker wählen konnten. Doch in der Praxis wählten die Bürger nur solche Politiker, die im Wahlkampf soziale Wohltaten bezahlten - und zwar aus eigener Tasche. Das wollte erst mal finanziert sein, und dazu brauchten viele Politiker Kredite - eben von den Reichen. Wenn die einem Kandidaten den Kredit verweigerten, hatte er praktisch keine Wahlchancen mehr.

          Doch so entscheidend das Geld im antiken Rom auch war, besonders darum kümmern wollten sich die Leute nicht selbst. Das Bewirtschaften, selbst die komplette Verwaltung des Besitzes überließen die Römer meist ihren Sklaven. Die wurden oft nach erfolgreicher Tätigkeit zum Dank freigelassen - und konnten dann dank ihrer erworbenen Kenntnisse und Beziehungen selbst schnell reich werden.

          Das Mittelalter: Die Burgherren haben's warm

          Das Mittelalter mag zwar dunkel gewesen sein, aber wenigstens wurde es langsam warm - zumindest für die Wohlhabenden. Denn sie konnten sich jetzt Bleiglas für ihre Burgfenster leisten. Damit es im Winter noch wärmer wurde, konnten sie ein gut gezähmtes Feuer brennen lassen. Auch der Kamin setzte sich im Mittelalter bei den Burgherren durch.

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