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Serie: Wie wir reich wurden : Gut, dass wir die Banken haben

Residenz der ältesten noch existierenden Bank der Welt: Der Palazzo Salimbeni in Siena beherbergt die Banca Monte dei Paschi. Bild: Wikipedia

Die ersten Großbanken entstanden vor Jahrhunderten in Florenz. Die ehemals ruhmreichen Kreditinstitute sind später allesamt untergegangen. Doch im nahe gelegenen Siena findet sich noch ein Vertreter der toskanischen Bankenherrlichkeit.

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          Es bedarf einer Zeitreise in die Mitte des 13. Jahrhunderts, um die Ursprünge des modernen Bankwesens aufzuspüren. Es mag anderswo Vorläufer gegeben haben, aber die ersten wirklich bedeutenden Unternehmen, die man auch als Großbanken bezeichnen kann, waren die Häuser der Familien Bardi, Peruzzi und Acciaiuoli in Florenz.

          Wie später bei den Medici und den Fuggern entstand in diesen Florentiner Häusern das Finanzgeschäft aus dem Warenhandel. Diese enge Verbindung von Warenhandel und Finanzgeschäften ließ sich bis in das späte 19. Jahrhundert beobachten, unter anderem auch bei vielen deutschen Privatbankiers.

          Die drei großen Florentiner Häuser des mittleren 13. Jahrhunderts waren stark im Textilhandel und in Rohstoffgeschäften vertreten. Sie verfügten über ein Monopol für den Export von Weizen aus Süditalien, und sie importierten Tuch und Wolle aus England. Nebenher nahmen sie, meist sehr diskret, Einlagen von Adligen und Kirchenfürsten sowie des sich allmählich herausbildenden städtischen Bürgertums herein.

          Ihre wichtigsten Kreditnehmer waren Könige und Stadtstaaten, die in einer Zeit, in der die Erhebung von Steuern noch keine große Rolle spielte, einen erheblichen Geldbedarf für die eigene Hofhaltung, für die Verwaltung und nicht zuletzt für die Führung der zahlreichen Kriege besaßen. Kein Wunder, dass die ersten großen Bank- und Handelshäuser eng mit der Politik verbunden waren.

          Die Finanzierung von Kriegen war ebenso wenig eine nützliche oder löbliche Tätigkeit wie die Ausnutzung von Monopol-Macht. Aber es steht außer Zweifel, dass die Aktivitäten der Banken insgesamt dem Handel, und nicht zuletzt dem internationalen, guttaten. Sie machten, modern gesprochen, Finanzinnovationen wie den Wechsel populär. Es ist vermutlich kein Zufall, dass die Erfindung der doppelten Buchführung in diese Blütezeit des nördlichen und mittleren Italiens fällt.

          Die Häuser der Bardi, Peruzzi und Acciaiuoli florierten rund ein Jahrhundert. Zum Verhängnis wurden ihnen ihre Schuldner. Die Stadt Florenz erschöpfte sich in teuren militärischen Handlungen, und der englische König Edward III., mit dem die Florentiner Banken enge Geschäfte betrieben, stellte auch die Zahlungen ein.

          Was passiert, wenn große Banken untergehen, ließ sich schon damals gut beobachten. Es kam zunächst zu einem Rückgang des Handels, es gab Rufe nach Staatshilfen und eine zeitgenössische Quelle vermeldete erschrocken: "Alle Kredite verschwanden auf einen Schlag." Auf längere Sicht aber erscheint der gesamtwirtschaftliche Schaden übersichtlich, und an Stelle der alten Bankiersfamilien traten neue wie die Medici.

          Die ehemals ruhmreichen Florentiner Kreditinstitute sind allesamt untergegangen. Doch im nahe gelegenen Siena findet sich noch ein Vertreter der alten toskanischen Bankenherrlichkeit. Dort residiert im schmucken Palazzo Salimbeni die Banca Monte dei Paschi di Siena, die älteste heute noch existierende Bank. Sie wurde im Jahre 1472 als Monte di Pietà gegründet und zählt noch heute zu den führenden italienischen Banken. Vielleicht hat die aus einer jahrhundertealten Geschichte stammende Weisheit dazu beigetragen, dass die Bank recht passabel durch die jüngste Finanzkrise gekommen ist.

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