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Serie: Wie wir reich wurden (55) : Das Telefon hat die Welt verbunden

Der Klassiker Bild: Dieter Rüchel

Mit der Außenwelt kommunizieren, ohne das Haus verlassen zu müssen. Das ist die geniale Idee des Telefons. Wer damit Millionär wurde, das entschied sich innerhalb weniger Stunden. Und zwar im Wettlauf zum Patentamt.

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          Jahrzehnte hatte die Entwicklung des Telefons gedauert, viele hatten daran mitgearbeitet - doch wer damit Millionär wurde, das entschied sich innerhalb weniger Stunden: im Wettlauf zum Patentamt. Der erste Erfinder war tot, ein anderer hatte seinen Anspruch mangels Geld nicht mehr aufrecht erhalten können. Doch viele andere waren noch im Rennen. Am Ende gewann Alexander Graham Bell. Mit einem Telefon, das vielleicht gar nicht richtig funktionierte.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Erste, das war ein Deutscher: der Physiker Johann Philipp Reis, der 1861 zum ersten Mal Töne durch eine elektrische Leitung übertrug, laut Überlieferung zum Beispiel den Satz „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“. Er nannte seinen Apparat „Telephon“ - „ferne Töne“. Reis' Telephon hatte allerdings einen großen Haken: Es funktionierte nur in eine Richtung. Auch die hätte Reis patentieren lassen können, hätte es in Deutschland schon ein Patentrecht gegeben. Doch das gab es nicht, und die gelangweilte Reaktion seiner Fachkollegen, die noch vom alten Telegrafen begeistert waren, ermutigte ihn nicht. Die Weiterentwicklung ging nur langsam voran, und schließlich starb Reis an Tuberkulose.

          Sogar noch etwas früher hatte der Amerikaner Antonio Meucci in seinem Haus eine Sprechverbindung zwischen seinem Labor im Keller und dem Schlafzimmer seiner rheumatischen Frau im ersten Obergeschoss eingerichtet. Meucci hatte zwar ein funktionsfähiges Telefon konstruiert, doch ihm fehlte das Geld. Eine Patentanmeldung war teuer, und Meucci hatte sein Geld in windigen Spekulationen verloren und war verarmt - zunächst reichte ihm das Geld nur für eine billige Voranmeldung, die zehn Dollar kostete und jährlich verlängert werden musste. 1872 fehlten ihm auch diese zehn Dollar, und das Patent lief aus.

          Sprachlehrer für Taubstumme

          Das nutzte der junge Bell. Er stammte aus einer schottischen Sprachlehrer-Familie. Auch er arbeitete in Amerika als Sprachlehrer für Taubstumme, doch seit er als Jugendlicher erste Telefon-Prototypen gesehen hatte, hatten sie nicht mehr aufgehört, ihn zu faszinieren.

          Moralisch unterstützt von seiner Frau, einer taubstummen ehemaligen Schülerin, forschte er weiter. Bell übernahm Meuccis Labor und dessen Unterlagen und entwickelte dessen Sprachapparat noch einmal weiter - wohl wissend, dass andere auch an der Entwicklung arbeiteten. Am 14. Februar 1876 gewann er das Rennen, als er eine sechsseitige, sehr grobe Patentschrift einreichte.

          Nur wenige Stunden nach ihm kam sein Konkurrent Elisha Gray mit einer sehr viel detaillierteren Beschreibung. Bells eigenes Telefon, so behaupten böse Zungen, habe gar nicht richtig funktioniert. Als es tatsächlich auf den Markt kam, entdeckte Gray darin Teile aus seinem Patentantrag.

          Jahrelange Prozesse folgten, am Ende wurde Bell das Patent wieder aberkannt - doch da hatte er schon die Telefongesellschaften gegründet, die die Vereinigten Staaten von Amerika mit einem Telefonnetz überzogen.

          Den Vergleich mit dem Telegrafen musste das Telefon oft über sich ergehen lassen. Schon Bell hatte seine Patentschrift vergleichsweise bescheiden mit den Worten „Verbesserung der Telegrafie“ betitelt. Und dieser Vergleich hätte auch Bells Anlauf - wie schon den von Johann Philipp Reis 15 Jahre zuvor - fast gestoppt.

          Viel angenehmer als ein Telegraf

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