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Serie: Wie wir reich wurden (5) : Der Größenwahn des John D. Rockefeller

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John D. Rockefeller: Sein asketischer Lebenswandel ließ ihn 97 Jahre alt werden Bild: ASSOCIATED PRESS

John D. Rockefeller war der reichste Mann Amerikas. Sein Geld verdankte er dem Öl und einer pfiffigen Idee: Wer viel verdienen will, braucht einen Riesenkonzern. Denn er hatte schon früh verstanden, dass man entweder wächst - oder untergeht.

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          Dass Öl reich machen kann, erscheint heute selbstverständlich. Zu den Zeiten, da John D. Rockefeller ein Kind war, in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts, war dies den meisten Amerikanern jedoch nicht bewusst. Das Erdöl, das beispielsweise in Pennsylvania an die Oberfläche drang, empfanden sie als lästig. Es verschmutzte das Wasser und machte die Böden unfruchtbar. Niemand ahnte, dass dieses Öl schon sehr bald zur Quelle unermesslichen Reichtums werden würde - und zwar vor allem für einen Mann: John D. Rockefeller.

          Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt ein Wissenschaftler, dass Erdöl dazu genutzt werden kann, Lampen zu betreiben, ein erster Run auf das Öl setzt ein. John D. Rockefeller ist zu jener Zeit ein junger Mann, der mit 16 Jahren eine Stelle als Buchhalter angetreten hat. Er begeisterte sich für Zahlen und die Genauigkeit des Jobs - sowieso ist er zu Disziplin und Ordnung erzogen worden, lebt asketisch und hält fünf Pence für ein großzügiges Trinkgeld. Doch nach drei Jahren in seinem ersten Job fühlt er sich unterbezahlt und gründete 1858 als 19-Jähriger gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Maurice Clark sein eigenes Handelshaus. Er handelt mit Fleisch und Getreide und macht schon 1862 einen Gewinn von 17.000 Dollar.

          Die Banken lieben ihn

          Doch das ist nichts gegen das Geschäft mit dem Öl, in das er kurz darauf hineingerät. Zunächst kauft er eine kleine Raffinerie. Sie wirft so hohe Gewinne ab, dass er mehr und mehr Kredite aufnimmt, um das Geschäft zu erweitern. Die Banken lieben ihn, denn er ist penibel und zahlt Zins und Tilgung püntklich wie sonst kaum jemand. Doch seinem Geschäftspartner geht es zu schnell. Er drängt auf langsameres Wachstum. Rockefeller hingegen ist zwar vom Typ her äußerst vorsichtig, doch er ahnt auch, dass nun die Zeit gekommen ist, in der man entweder wächst oder untergeht. Er bricht mit Clark, ersteht seine alte Firma in einer Versteigerung und sucht sich mit 27 Jahren einen neuen Geschäftspartner: Henry Flagler. Der ist nicht nur mutig, sondern erweist sich mit seinem großen Verhandlungsgeschick als gute Wahl, um das Ölgeschäft aufzurollen. Genau das hat Rockefeller vor.

          Arbeit ist der wichtigste Lebensinhalt für den jungen Geschäftsmann. Als gläubiger Protestant hält er beruflichen Erfolg für seine Pflicht vor Gott. „Die Gabe, Geld zu verdienen, ist eine Gabe Gottes“, wird er später sagen, „ein Pfund, mit dem wir wuchern müssen, so gut wir können.“ Und das tut er. Von sonstigen weltlichen Vergnügungen hält er sich fern. Müßiggang, Prasserei und üppiges Essen sind ihm zuwider. Tanzen hält er ebenso für Zeitverschwendung wie den Besuch von Theatern, Konzerten oder sonstige Geselligkeiten. Das Erstreben von Reichtum wird ihm zum wichtigsten Ziel.

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