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Serie: Wie wir reich wurden (40) : Kabel verbinden die Welt und ihre Kaufleute

  • -Aktualisiert am

Arbeiter beginnen 2009 in St. Peter-Ording mit der Verlegung eines Seekabels nach Helgoland Bild: dpa

Dank Unterseekabel kamen Nachrichten ab Mitte des 19. Jahrhunderts in wenigen Minuten um den ganzen Globus. Das verhalf findigen Händlern zu guten Geschäften. Denn die Datenübertragung forderte riesige Investitionen, brachten aber auch gewaltige Gewinne.

          Wenn Nachrichten schnell um den Globus kommen, rückt die Welt zusammen - und dabei hilft die Telegraphie. So änderte sie die Welt schlagartig. Denn die Telegraphie hat sich nicht wie manch andere Technik langsam und in kleinen Schritten entwickelt, sondern hat in kurzer Zeit die Welt verändert, nachdem wichtige Hürden genommen waren.

          Die erste: Nachdem der Amerikaner Samuel Morse 1837 den ersten Prototyp eines Telegraphen in einem öffentlichen Experiment vorgestellt hatte, wurde die neue Erfindung ab 1844 technisch wie geschäftlich verwertbar. In den Vereinigten Staaten und in den industriell fortgeschrittenen Ländern Europas wurden in den Jahren danach rasch Telegraphenverbindungen zwischen den großen Städten aufgebaut. 1862 hatte das landgestützte Telegraphennetz weltweit bereits eine Länge von 150.000 Meilen erreicht.

          Es brauchte Kabel von beispielloser Länge

          Trotzdem war es immer noch schwer, Nachrichten über sehr große Entfernungen hinweg zu übermitteln. Dort, wo Überlandverbindungen zu kostspielig und zu unsicher oder gar unmöglich waren, mussten die Nachrichten das Meer überwinden. Dazu mussten stromführende Kabel unter Wasser verlegt werden. Dies gelang erst, als ein geeignetes Isoliermaterial gefunden worden war: Guttapercha, ein eingetrockneter Milchsaft südostasiatischer Bäume, der dem Kautschuk ähnelt. Damit konnte eine zweite technische Hürde überwunden werden: Von 1851 an lag ein problemlos funktionierendes Seekabel unter dem Ärmelkanal, das von einem nahtlosen Guttaperchamantel geschützt wurde.

          Auch jetzt war die Frage noch nicht beantwortet, wie sich Kabel zwischen Kontinenten dauerhaft in der Tiefsee installieren ließen. Dazu brauchte es Kabel von beispielloser Länge. Sie mussten für den Meeresgrund geeignet sein, der damals kaum erforscht war - und vor allem waren Schiffe nötig, die die schweren Kabelrollen tragen konnten. Als im August 1866 eine dauerhaft leistungsfähige Verbindung zwischen Europa und Nordamerika - anfangs zwischen den britischen Territorien Irland und Neufundland - eingerichtet werden konnte, war auch diese dritte technische Hürde genommen. Das gelang, weil der damals größte Ozeandampfer der Welt das Kabel über das Meer fuhr.

          Vier Minuten anstatt sechs Tagen

          Von diesem Moment an brauchten wichtige Nachrichten kaum noch Zeit - in den Augen der Zeitgenossen waren sie sofort da. Bis eine Nachricht von Europa nach Amerika gekommen war, dauerte es nicht mehr Wochen, sondern nur noch Stunden. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg, nachdem die Technik weitere Fortschritte gemacht hatte, betrug die Übertragungszeit für eine telegraphische Nachricht per Seekabel von einer europäischen in eine nordamerikanische Metropole nur noch vier Minuten, während der schnellste Postdampfer nicht weniger als sechs Tage unterwegs war.

          Das Transatlantik-Kabel war die wichtigste Verbindung in einem System, das bald den gesamten Globus umspannte. Weltweit wurden Unterseekabel verlegt: Indien war 1870 per Kabel erreichbar, China, Japan und Australien 1871, die Karibik ein Jahr später. Bis 1875 waren alle größeren Staaten Südamerikas an das Kabel angeschlossen, Süd- und Ostafrika folgten 1879 und Westafrika 1886 und im Oktober 1902 wurde das planetarische Netz durch die Eröffnung eines Pazifikkabels geschlossen. Öffentliche Geschäftsnachrichten, etwa Börsendaten und Preisnotierungen, waren in den späten 80er Jahren des 19. Jahrhunderts nach spätestens drei Tagen in London - und zwar aus jedem Teil der Welt. Private Kabelbotschaften erreichten den Empfänger meist innerhalb eines Tages.

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