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Serie: „Wie wir reich wurden“ (28) : Wieso Robert Bosch acht Stunden arbeiten ließ

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Robert Bosch prüft eine Lehrlingsarbeit 1936 Bild: Bosch

Soziales Wirtschaften hat nichts mit Sozialromantik zu tun. Wer seinen Arbeitern Gutes tut, hat mehr Erfolg. Robert Bosch hat das früh erkannt: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle.“

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          Wer wie Robert Bosch 1861 auf der Schwäbischen Alb geboren wurde, dem ward das Wissen, wie man reich wird, nicht gerade in die Wiege gelegt. In dieser kargen Landschaft war Armut endemisch, und selbst die schwäbische Volksweisheit, dass vom Geldausgeben noch niemand reich geworden ist, klingt in dieser Umgebung eher zynisch.

          Die Reichen, die den pietistischen Geist des schwäbischen Kapitalismus repräsentierten, pflegten ihre eigene Art von Sparsamkeit, die dem Industriekapitalismus im Ländle fast religiöse Züge verlieh. Die Sparsamkeit wurde schließlich auch als Maxime für den Erwerb industriellen Reichtums exportiert: „Akkumuliert, akkumuliert, das ist Moses und die Propheten“, so formulierte Karl Marx schließlich die Grundregel des Unternehmertums.

          „Ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle“

          Vor diesem Hintergrund mutet Boschs Verständnis vom Reichwer-den geradezu revolutionär an: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle.“ Der Bruch mit den Binsenweisheiten des Industriekapitalismus machte Bosch nicht nur selbst zu einem der reichsten Männer Europas. Er hinterließ auch ein Unternehmen, das noch heute den Kern der nachindustriellen Produktionsweise repräsentiert. Und der immerhin verdankte Deutschland über alle Katastrophen des 20. Jahrhunderts hinweg seinen Reichtum.

          Robert Bosch ist einer der Pioniere dieser neuen Epoche. Er begann seine Unternehmerkarriere als Feinmechaniker und Elektriker im Handwerk. Am Ende verkörperte er einen neuen Typus wirtschaftlicher Wertschöpfung, mit der er das industrielle Zeitalter glatt übersprang. Denn industrielle Produktion im engeren Sinne war ihm verhasst.

          Wo immer er im eigenen Unternehmen Ansätze „einer besseren Blechwarenfabrik“ erkannte, ließ er die „Blechbude“ abreißen. Er wusste warum: Wertschöpfung, die diesen Namen verdiente, hatte längst nichts mehr - wie in der alten Industrie - nur mit der materiellen Transformation von Rohstoffen und Materialien zu tun. Es kam auf den Inhalt an, und der war immaterieller Art.

          Wirtschaft und Wissenschaft in engem Verhältnis

          Bosch stand mit dieser Erkenntnis nicht allein. Gerade in Deutschland gingen Wirtschaft und Wissenschaft zum ersten Mal ein enges produktives Verhältnis ein und erschlossen bis dahin verborgene Produktivitätsreserven. Neue Branchen entstanden, wie die Chemie, die Elektrotechnik und der Maschinenbau, die noch heute die deutsche Wirtschaft prägen. Sie nutzten von Anfang an wissenschaftliche Forschungsergebnisse, aus denen sie Innovationen entwickelten. Im Sog der einsetzenden Globalisierung beherrschten sie damit weltweit die Märkte.

          Bosch begegnete dieser Mischung aus Spitzenforschung und Weltmarktorientierung in Stuttgart eher zufällig, war aber gut auf sie vorbereitet. Er hatte in seiner 1886 gegründeten „Feinmechanischen Werkstätte“ auf Kundenwunsch einen Zündapparat für Motoren nachgebaut, den die Gasmotorenfabrik Deutz für OttoMotoren entwickelt hatte. Obwohl Boschs Niederspannungsmagnetzünder den deutschen Auto-Pionieren Carl Benz und Gottlieb Daimler wohlbekannt war, kam die Anregung, den Zünder kraftfahrzeugtauglich zu machen, aus England.

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