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Fugger : Die Finanziers der europäischen Fürsten

Jakob Fugger der Reiche (1459 bis 1525) baute einen Weltkonzern Bild: Public Domain

Die Fugger führten eines der größten Unternehmen der Welt und kauften sich einen König. Sie galten als die wichtigsten Bankiers der österreichisch-spanischen Habsburger, des damals mächtigsten Herrscherhauses in der Welt.

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          Im Jahre 1367 zog der aus dem kleinen Ort Graben stammende Weber Hans Fugger ins nahe Augsburg, das damals eine der blühendsten Wirtschaftsmetropolen in Deutschland war. Fugger gründete ein kleines Gewerbe, aus dem im Laufe der Zeit eines der führenden Unternehmen seiner Zeit wurde. Vor allem unter den „Regierern“ Jakob Fugger dem Reichen (1469 bis 1525) und seinem Neffen Anton Fugger (1493 bis 1560) waren die Fugger berühmt für die bedeutende Rolle, die sie im mitteleuropäischen Bergbau sowie in internationalen Finanzgeschäften spielten.

          Die Fugger galten als die wichtigsten Bankiers der österreichisch-spanischen Habsburger, des damals mächtigsten Herrscherhauses in der Welt. Nicht zuletzt Bestechungsgelder der Fugger ermöglichten die Wahl von Karl V. zum deutschen König und römisch-deutschen Kaiser. Als Jahrzehnte später der Staatsbankrott der spanischen Habsburger viele zeitgenössische Bankhäuser vernichtete, wurden zwar auch die Fugger schwer getroffen. Doch ihr Unternehmen überlebte die Krise.

          Als ihre Firma im frühen 17. Jahrhundert vor allem wegen starker Spannungen innerhalb der Familie doch geschlossen wurde, hatten die Fugger ihr Vermögen zum größten Teil längst für Jahrhunderte gesichert, indem sie in großem Umfang Grund und Boden gekauft hatten. Für das Jahr 1618 ist der Besitz von rund 100 Dörfern und Grundbesitz in der Größe von 230 bis 250 Quadratkilometern dokumentiert, der überdies so sachkundig bewirtschaftet wurde, dass er eine Grundrente von 5 bis 6 Prozent im Jahr einbrachte.

          Die „erste Globalisierung“

          Die Fugger waren nicht die einzige Familie in ihrer Zeit, der ein Aufbau eines bedeutenden Unternehmens gelang. Ihre Geschichte steht für die Dynamik einer Epoche, die der deutsche Ökonom und Soziologe Werner Sombart (1863 bis 1941) als „Frühkapitalismus“ bezeichnet hat. Sie war gekennzeichnet durch ein kräftiges Wachstum der Bankgeschäfte und des Fernhandels, der nicht zuletzt durch die Entdeckung Amerikas an Bedeutung gewann. Wer ein großes Wort gelassen aussprechen will, mag für die damalige Epoche den Begriff „erste Globalisierung“ verwenden. Die Herstellung von Gütern blieb aber noch meist auf recht einfache Produkte beschränkt, da der die industrielle Revolution befördernde mächtige Fortschritt erst zwei Jahrhunderte später einsetzte. Güter wurden damals bestenfalls in Manufakturen gefertigt, aber noch nicht in Fabriken.

          Immerhin wurde aber zu den Zeiten der Fugger in Mitteleuropa die Förderung von Metallen kräftig vorangetrieben, vor allem von Silber und Kupfer. In der Politik gewannen die reichen Patrizierfamilien in den Städten an Einfluss zu Lasten des Landadels. Im Grunde genommen führten die Fugger einen Mischkonzern, der Produktion, Handel und Finanz miteinander verband und damit politisches Gewicht besaß.

          Abenteuerlust, Tatkraft und die kühle Rechenfähigkeit nüchterner Buchhalter

          Nach Sombarts heute weitgehend vergessenen Vorstellungen war der Kapitalismus vor allem durch den Unternehmer gekennzeichnet, dessen „Entstehung“ der Gelehrte etwa zur Zeit der Blüte der Fugger veranschlagte. Der Unternehmer war nach Sombart eine Person, in der sich die Abenteuerlust und Tatkraft von Rittern und Eroberern mit der kühlen Rechenfähigkeit nüchterner Buchhalter verband. Und wer würde diesem Bild besser entsprechen als Jakob Fugger, den man zu Lebzeiten „den Reichen“ nannte? Fugger war ein wagemutiger Unternehmer, der sich in immer neue Projekte stürzte, die zum Teil mit nennenswerten Risiken behaftet waren. Er nahm Geld herein und lieh es aus, er förderte Silber und Kupfer in Tirol, Böhmen und Ungarn, er betrieb Handel in nahezu ganz Europa, er prägte Münzen für die Kurie, und er beteiligte sich an der Finanzierung des spanischen Handels mit Indien. Und damit ist nur ein Teil seiner Geschäfte beschrieben. Gleichzeitig aber wird dieser Fugger auch als kühl kalkulierender Rechner, als Mann der Zahlen und des Details und als ein Mann mit einem asketischen Lebenszuschnitt beschrieben.

          Neben dem Unternehmer bildete die wachsende Rolle des Geldes ein weiteres Kennzeichen des Kapitalismus für Sombart. Auch dies lässt sich anhand der Fugger beschreiben: Sie nahmen Einlagen von eigenen Familienmitgliedern, anderen vermögenden Kaufmannsfamilien, aber auch von Kirchenfürsten entgegen, die auf diese Weise ihren verborgenen Reichtum diskret anlegen konnten. Der größte Geldgeber der Fugger war der Fürstbischof (später Kardinal) Melchior von Meckau.

          Bankiers wie die Fugger gaben Kredite gerne an den Staat

          Das Problem für die Bankiers der damaligen Zeit bestand darin, dass es aufgrund der noch sehr einfachen Produktionsweisen keine bedeutende und rentabel erscheinende private Investitionsnachfrage gab. Man konnte den Bau von Schiffen für den Fernhandel oder den Bau von Minen für die Förderung von Metallen finanzieren, aber das war es auch weitgehend.

          Auf diese Weise wurden die Fürstenhäuser (im modernen Sinne: der Staat) zum wichtigsten Kreditnachfrager, und Bankiers wie die Fugger verliehen die ihnen anvertrauten Gelder gerne an den Staat. Nicht nur erschien ein großes Fürstenhaus als Schuldner solide im Vergleich zu einem abenteuerlustigen Kapitän, der in den Gewürzhandel zwischen Europa und Indien einsteigen wollte. Ein mächtiger Fürst als Geschäftspartner konnte einem Unternehmen wie den Fuggern viel Gutes tun. Er konnte ihnen Geschäfte auf seinem Territorium ermöglichen wie die Förderung von Metallen, die Prägung von Münzen oder die Eintreibung von Pachten. Ein mächtiger Fürst verhieß aber auch Protektion, die die reichen und in der Bevölkerung nicht sehr beliebten Patrizier gut gebrauchen konnten. So verhinderte Karl V. ein Verfahren in Deutschland gegen die Fugger wegen des Missbrauchs von Marktmacht in der Förderung von Metallen. Auf diese Weise waren Staat und Finanzindustrie durch gemeinsame Interessen eng aneinandergebunden.

          Die Habsburger verschwendeten das Geld für Kriege und Hofhaltung

          Wer hier Parallelen zur Gegenwart sucht, wird weiter fündig. Die Kreditnehmer der Fugger, allen voran die politisch mächtigen spanischen Habsburger, verwendeten das aufgenommene Geld aus ökonomischer Sicht auf eine nicht sehr angebrachte Weise. Zu jenen Zeiten wurde es vor allem für Kriege und eine sehr aufwendige Hofhaltung ausgegeben, und diese Verschwendung machte das Geschäftsmodell der Finanziers ab Mitte des 16. Jahrhunderts angreifbar. Weitsichtige Unternehmer wie Anton Fugger, der Nachfolger Jakobs, oder der Fugger-Rivale Bartholomäus Welser (1484 bis 1561) erkannten die wachsenden Gefahren und fuhren ihre Geschäfte zurück.

          Die spanischen Habsburger erklärten in den Jahren 1557 und 1575 gleich zweimal den Staatsbankrott. Viele Banken brachen daraufhin innerhalb kurzer Zeit zusammen. Andere Häuser wie das der Welser überlebten noch ein paar Jahrzehnte, blieben aber schwer angeschlagen. Die Fugger waren zwar auch hart getroffen, schafften aber noch einmal ein vorübergehendes Comeback, dessen Bedeutung erst die jüngere Forschung erkannt hat. Insgesamt aber zeigte sich, dass im Verhältnis zwischen Staat und Finanzwirtschaft der Staat am längeren Hebel sitzt. Finanziers wie Jakob Fugger mochten 1519 die Wahl Karls V. gekauft haben. Im Moment des Staatsbankrotts Jahrzehnte später zeigte sich aber, dass ein Staat nach einem Bankrott oft einfach weitermachen kann. Häufig erholte sich die Wirtschaft rasch nach einem Bankrott. Viele Finanziers gingen dagegen unter.

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