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Fugger : Die Finanziers der europäischen Fürsten

Neben dem Unternehmer bildete die wachsende Rolle des Geldes ein weiteres Kennzeichen des Kapitalismus für Sombart. Auch dies lässt sich anhand der Fugger beschreiben: Sie nahmen Einlagen von eigenen Familienmitgliedern, anderen vermögenden Kaufmannsfamilien, aber auch von Kirchenfürsten entgegen, die auf diese Weise ihren verborgenen Reichtum diskret anlegen konnten. Der größte Geldgeber der Fugger war der Fürstbischof (später Kardinal) Melchior von Meckau.

Bankiers wie die Fugger gaben Kredite gerne an den Staat

Das Problem für die Bankiers der damaligen Zeit bestand darin, dass es aufgrund der noch sehr einfachen Produktionsweisen keine bedeutende und rentabel erscheinende private Investitionsnachfrage gab. Man konnte den Bau von Schiffen für den Fernhandel oder den Bau von Minen für die Förderung von Metallen finanzieren, aber das war es auch weitgehend.

Auf diese Weise wurden die Fürstenhäuser (im modernen Sinne: der Staat) zum wichtigsten Kreditnachfrager, und Bankiers wie die Fugger verliehen die ihnen anvertrauten Gelder gerne an den Staat. Nicht nur erschien ein großes Fürstenhaus als Schuldner solide im Vergleich zu einem abenteuerlustigen Kapitän, der in den Gewürzhandel zwischen Europa und Indien einsteigen wollte. Ein mächtiger Fürst als Geschäftspartner konnte einem Unternehmen wie den Fuggern viel Gutes tun. Er konnte ihnen Geschäfte auf seinem Territorium ermöglichen wie die Förderung von Metallen, die Prägung von Münzen oder die Eintreibung von Pachten. Ein mächtiger Fürst verhieß aber auch Protektion, die die reichen und in der Bevölkerung nicht sehr beliebten Patrizier gut gebrauchen konnten. So verhinderte Karl V. ein Verfahren in Deutschland gegen die Fugger wegen des Missbrauchs von Marktmacht in der Förderung von Metallen. Auf diese Weise waren Staat und Finanzindustrie durch gemeinsame Interessen eng aneinandergebunden.

Die Habsburger verschwendeten das Geld für Kriege und Hofhaltung

Wer hier Parallelen zur Gegenwart sucht, wird weiter fündig. Die Kreditnehmer der Fugger, allen voran die politisch mächtigen spanischen Habsburger, verwendeten das aufgenommene Geld aus ökonomischer Sicht auf eine nicht sehr angebrachte Weise. Zu jenen Zeiten wurde es vor allem für Kriege und eine sehr aufwendige Hofhaltung ausgegeben, und diese Verschwendung machte das Geschäftsmodell der Finanziers ab Mitte des 16. Jahrhunderts angreifbar. Weitsichtige Unternehmer wie Anton Fugger, der Nachfolger Jakobs, oder der Fugger-Rivale Bartholomäus Welser (1484 bis 1561) erkannten die wachsenden Gefahren und fuhren ihre Geschäfte zurück.

Die spanischen Habsburger erklärten in den Jahren 1557 und 1575 gleich zweimal den Staatsbankrott. Viele Banken brachen daraufhin innerhalb kurzer Zeit zusammen. Andere Häuser wie das der Welser überlebten noch ein paar Jahrzehnte, blieben aber schwer angeschlagen. Die Fugger waren zwar auch hart getroffen, schafften aber noch einmal ein vorübergehendes Comeback, dessen Bedeutung erst die jüngere Forschung erkannt hat. Insgesamt aber zeigte sich, dass im Verhältnis zwischen Staat und Finanzwirtschaft der Staat am längeren Hebel sitzt. Finanziers wie Jakob Fugger mochten 1519 die Wahl Karls V. gekauft haben. Im Moment des Staatsbankrotts Jahrzehnte später zeigte sich aber, dass ein Staat nach einem Bankrott oft einfach weitermachen kann. Häufig erholte sich die Wirtschaft rasch nach einem Bankrott. Viele Finanziers gingen dagegen unter.

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