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Edelmetalle : Es ist nur Gold, was ewig glänzt

Mythos Gold: Das edle Metall ist universal angesehen und kommt fast überall auf der Erde vor Bild: dpa

Von alters her schätzten die Menschen das edle Metall. Keiner braucht es, aber alle schmücken sich damit. Gold ist auch deshalb universal angesehen, weil es fast überall auf der Erde vorkommt – und fast nirgends leicht zu gewinnen ist.

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          Wenn die Banken kippen, wenn die Rezession vor der Tür steht und wenn Inflation droht – dann kaufen die Menschen Gold. Krisen und Inflationsangst der vergangenen Jahre haben den Goldpreis in ungeahnte Höhen steigen lassen, weil die Vermögenden rund um die Welt Gold in harten Zeiten für wertbeständiger halten als das Geld. Dabei hat das Gold an sich gar keinen Wert.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Natürlich ist Gold ein edles Metall, das sich für vieles gut eignet: Es glänzt schön, es leitet Strom und hält lange – aber nichts davon rechtfertigt an sich den aktuellen Preis von mehr als 1000 Euro für rund 30 Gramm. Das ganze Gold der Erde ist mehr als fünf Billionen Euro wert, mehr als ganz Deutschland in zwei Jahren erwirtschaftet – doch es passt in einen Würfel, der auf jeder Seite 20 Meter lang ist. Dass so wenig Material so viel wert sein soll, das ist eine reine Übereinkunft zwischen den Menschen. Bemerkenswert ist, dass sie trotzdem dauerhaft hält – und zwar schon seit mehreren Jahrtausenden.

          Im Alten Testament schon fordert Gott Moses auf, die Truhe für die Zehn Gebote, die sogenannte „Bundeslade“, mit Gold zu überziehen. Auch die Griechen kennen Geschichten ums Gold, zum Beispiel die vom Sagenkönig Midas, der alles zu Gold machte, was er berührte. Das Gold steht sogar im Zentrum eines ganzen Reiseepos: der Geschichte von Jason und seinen Argonauten, die den langen und beschwerlichen Weg in den Kaukasus auf sich nahmen, um das „Goldene Vlies“ zu bekommen, ein magisches Widderfell voller Goldstaub.

          Nur Gold hört auch nach Jahren nicht auf zu glänzen

          Das Gold war damals schon im Wortsinne Mythos – und zwar wahrscheinlich jahrtausendelang. Die Sage von Jason und den Argonauten kommt nämlich wohl daher, dass schon Jahrhunderte zuvor die Bewohner des Kaukasus mit Hilfe von Schaffellen Gold aus Flüssen wuschen. Die allerersten Goldfunde auf dem Balkan und in Ägypten haben Archäologen auf mehr als 4000 Jahre vor Christus datiert. Es war das Ende der Steinzeit. Die frühen Menschen hatten gerade das private Eigentum erfunden, jetzt konnte der eine Mensch reicher sein als der andere. Zu jener Zeit lernten die Menschen auch, Metalle zu bearbeiten. Damals wurden drei Metalle wichtig, die alle in der Natur in recht reiner Form vorkommen, sich leicht formen lassen und deshalb nicht viel Technik erfordern: Kupfer, Silber und Gold.

          Nun weiß auch heute noch jeder: Kupfer setzt Grünspan an, auch Silber läuft an und muss umständlich geputzt werden – nur Gold hört auch nach Jahren nicht auf zu glänzen. Das machte das Metall richtig edel, denn keines eignete sich besser als Schmuck für wertvolle Gegenstände. Und als die Menschen einige Jahrhunderte später das Geld erfanden, eignete sich auch dafür kaum ein Material besser als Gold. Es zerbricht schließlich nicht so leicht wie Muscheln und Schneckenhäuser, wie der Finanzhistoriker Peter Bernstein betonte – und es ist auch nicht so leicht zu beschaffen, dass jeder seinen Reichtum kurzerhand selbst vervielfachen kann.

          Der Aufwand zum Goldabbau ist enorm

          Gold ist auch deshalb universal angesehen, weil es fast überall auf der Erde vorkommt – und fast nirgends leicht zu gewinnen ist. Schon in den ersten Goldminen Ägyptens war die Arbeit so unangenehm und lebensgefährlich, dass die Arbeit komplett den Sklaven überlassen blieb. Auch anderswo kommt das Gold nicht in großen Mengen vor, sondern meist nur als Bruchteil von viel Gestein, und der Aufwand zum Goldabbau ist enorm – da bleibt Gold stabil im Wert. Umso heftiger legten sich die Menschen zu allen Zeiten ins Zeug, unbekannte Regionen zu erkunden und Handel zu treiben, um zu Gold zu kommen. Die Besiedelung Kaliforniens nahm Fahrt auf, als dort Tausende in den Goldrausch gerieten. Die mittelalterlichen Kreuzzüge wurden vor allem aus dem Gold finanziert, das die Kreuzritter im Heiligen Land erbeuteten. Und auch die großen Entdecker des 15. und 16. Jahrhunderts wie Christoph Kolumbus wurden von der Aussicht auf Gold angetrieben.

          Prompt stießen die Entdecker auf eine Region, in der das Gold nicht so wertvoll war wie zu Hause: Südamerika. Im Herrschaftsgebiet der Inka waren die Goldminen reich, als knapper galten die bunten Inkatücher, deren Herstellung viel Arbeit kostete. Deshalb fiel es dem letzten Inkakönig Atahualpa nach seiner Gefangennahme durch die Spanier leicht, sich freizukaufen: Er bot ihnen an, seine Zelle komplett mit Gold zu füllen und eine weitere Hütte zweimal mit Silber. Die Spanier bekamen das Gold und Silber, Atahualpa wurde trotzdem nicht freigelassen, sondern hingerichtet.

          Plötzlich war viel mehr Geld da als vorher

          Die Spanier allerdings profitierten nicht von den enormen Goldmengen, die sie in der Neuen Welt eroberten. Im Spanien des 16. Jahrhunderts geschah genau das, wovor auch heute wieder viele Menschen Angst haben: Plötzlich war viel mehr Geld da als vorher. Damals allerdings war das Gold das Geld – es war das erbeutete Gold aus Südamerika, das in Spanien eine Inflation verursachte. Die Preise stiegen so schnell, dass der spanische König Philipp II. seine Kosten nicht mehr in den Griff bekam und gleich mehrmals pleiteging.

          Auch das Ende der Weltwährung Gold zeigt, dass Gold nicht immer ein gutes Zahlungsmittel ist: In der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre erholten sich die Länder deutlich schneller, die ihr Geld vom Gold entkoppelten und sich erlaubten, die Geldmenge unabhängig zu bestimmen. Als letzte Währung blieb der amerikanische Dollar ans Gold gekoppelt, doch auch dieses Währungssystem erwies sich als zu unflexibel und brüchig.

          Nach der Abschaffung des Goldstandards allerdings ist der Goldpreis heftiger gestiegen als viele andere Preise. Offenbar glänzt der Mythos des Golds heute immer noch deutlich heller als der von Dollar und anderem Papiergeld.

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