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Gehälter im Vergleich : Wie viel verdient ein Notenbanker?

Kann sich über ein stattliches Gehalt freuen: Bundesbankchef Jens Weidmann Bild: Reuters

Exakt 453.294 Euro und zwei Cent hat Bundesbankchef Jens Weidmann im vergangenen Jahr kassiert. Mehr als die Kanzlerin, aber weniger als mancher Sparkassenchef.

          Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat eine entspannte Einstellung zum Geld, zumindest zu seinem eigenen Gehalt. Vor ein paar Jahren sagte er Schülern, dass sich sein privates Verhältnis zum Mammon „vermutlich nicht stark von eurem unterscheidet – es ist schon wichtig, aber es gibt eben auch Bedeutenderes im Leben.“ Tatsächlich lässt es sich mit dem Gehalt von Deutschlands oberstem Notenbanker ganz gut leben. Wie die Deutsche Bundesbank in ihrem aktuellen Geschäftsbericht aufführt, hat Weidmann für das Jahr 2017 ein Grundgehalt von 371.487,28 Euro erhalten. Hinzu kommen eine „besondere Vergütung“ und eine pauschale Aufwandsentschädigung, sodass Weidmann auf ein Gesamtgehalt von genau 453.294 Euro und zwei Cent kommt.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Verglichen mit anderen Notenbankchefs ist das eher viel – auch wenn direkte Vergleiche darunter leiden, dass die Angaben der jeweiligen Arbeitgeber keinen einheitlichen Kriterien folgen. Um abzuschätzen, in welcher Gehaltsklasse jemand boxt, reichen sie aber locker aus. So zeigt sich etwa, dass ausgerechnet im teuren Luxemburg Notenbankchef Gaston Reinesch mit ungefähr 180.000 Euro im Jahr zurechtkommen muss. Noch bescheidener geht es in der mächtigsten Notenbank der Welt zu. Der neue Chef der amerikanischen Federal Reserve (Fed), Jerome Powell, erledigt seine Arbeit für umgerechnet 164.000 Euro im Jahr. Am schlechtesten aber hat es Vitas Vasiliauskas, zumindest unter den Euro-Notenbankchefs. Der Litauer erhält für seine Dienste schlappe 89.000 Euro im Jahr, mancher Facharbeiter bei Volkswagen verdient besser.

          Mehr Geld gibt es in der Schweiz

          Wesentlich mehr Geld gibt es – wie in fast allen anderen Berufen auch – in der Schweiz zu verdienen. Der Chef der dortigen Nationalbank SNB, Thomas Jordan, bekam schon vor zwei Jahren eine Gesamtvergütungen von 786.000 Euro. Allerdings liegt auch der Notenbankchef von Belgien, Jan Smets, mit etwas mehr als 480.000 Euro knapp über seinem deutschen Amtskollegen Weidmann. Von der Wirtschaftskraft oder der Finanzstärke eines Landes lässt sich die Bezahlung der Notenbanker in den einzelnen Staaten also nicht direkt ableiten.

          Interessant dürfte für Jens Weidmann ohnehin nur ein anderes Gehalt sein, das ebenfalls Ende Februar veröffentlicht wurde. Wie die Europäische Zentralbank in ihrem neuen Geschäftsbericht mitteilt, erhielt EZB-Präsident Mario Draghi im vergangenen Jahr ein Grundgehalt von 396.900 Euro. Hinzu kamen eine Aufwandsentschädigung und eine kostenlose Bleibe. Die Notenbank stellt ihrem Chef nämlich einen „offiziellen Wohnsitz zur Verfügung, der im Eigentum der EZB ist“. In diese Immobilie könnte Weidmann einziehen, wenn die Amtszeit von Draghi am 31. Oktober 2019 endet. Denn spätestens seitdem klar ist, dass der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos neuer Vizepräsident der EZB wird, gilt der deutsche Notenbankchef Weidmann als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Draghis.

          Finanziell würde sich Weidmann alles in allem wahrscheinlich leicht verbessern, wenn er tatsächlich an die Spitze der EZB aufrückt. Dafür spricht zum einen das höhere Grundgehalt Draghis, vor allem aber die Tatsache, dass im Vergleich zu deutschen Beamten bei den meisten EU-Beamten vom gleichen Bruttolohn deutlich mehr netto übrig bleibt. Die Europäische Union zahlt ihren Beamten unter anderen hohe Zulagen für Kinder und den Haushalt, die nicht besteuert werden. Zudem sind die Steuern vergleichsweise niedrig. Genau ausrechnen lässt sich Draghis Nettogehalt nicht, ohne seinen Vertrag im Detail zu kennen. Es ist aber beruhigend zu wissen, dass ein Wechsel Weidmanns aus der Bundesbank in die EZB nicht an der Bezahlung scheitern würde.

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