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Roßhaupt in Tschechien : Eine Zocker-Hochburg kauft sich einen Dorfladen

  • -Aktualisiert am

Alles auf Rot: Das tschechische Dorf Roßhaupt ist eine wahre Zocker-Hochburg. Bild: dpa

Durch Steuereinnahmen aus einem Kasino hat das tschechische Roßhaupt keine finanziellen Probleme. Doch ein Lebensmittelgeschäft fehlte – bis die Gemeinde Geld in die Hand genommen hat.

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          Rozvadov ist ein Straßendorf in Tschechien an der Grenze zur Bayern. Mit dem Auto ist es keine Viertelstunde ins ostbayerische Waidhaus. Roßhaupt, so der deutsche Name von Rozvadov, zählt 798 Einwohner, fünf Tankstellen, mehr als ein halbes Dutzend Tabak-, Kaffee- und Alkoholgeschäfte, die allesamt von den niedrigeren tschechischen Steuern profitieren sowie Europas vielleicht größtes Poker-Zentrum – aber keinen Metzger und keinen Bäcker. Seit ein paar Monaten gibt es immerhin einen gut sortierten Lebensmittelladen mit frischem Obst und Gemüse, Milchprodukten, Wurstwaren, Brot. Die Gemeinde hat ihn gekauft. Sie kann es sich leisten. Pokern macht sie reich.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Eigentlich habe das Örtchen „alles gehabt, was man so braucht“, sagt Bürgermeister Martin Ábel: eine Postfiliale, eine Apotheke, eine Autowerkstatt, einen Kindergarten, die Grundschule. Ein Metzger verkauft donnerstags aus seinem rollenden Laden. „Das Einzige was gefehlt hat, war ein gut sortierter Lebensmittelladen.“ Es gab zwar ein Geschäft. Doch auch dessen Angebot war auf Grenzgänger und ihr Spielglück hoffende Kasinobesucher ausgerichtet: viel Tabak und Alkohol, wenig Milch und Mehl. Ábel sagt: „Für jede Gemeinde ist es wichtig, ein Lebensmittelgeschäft zu haben.“

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