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Freiwillig oder verpflichtend? : Der Trinkgeld-Wahnsinn

Trinkgeld? Nicht inbegriffen! Bild: dpa

Immer offener fordern Gastwirte den „Tip“ für ihre Kellner ein. Wirklich freiwillig ist der Obolus längst nicht mehr. In Amerika regt sich jetzt Widerstand. Und hierzulande?

          6 Min.

          Es begann schleichend, fast unmerklich. Am Anfang, vor einigen Jahren, stand der Satz nur in einigen wenigen Berliner Restaurants auf der Rechnung. Inzwischen zählt er in der gehobenen Gastronomie der Hauptstadt, zumindest in den touristischen Bezirken, fast schon zu den Pflichtangaben auf dem Beleg, ähnlich wie Steuernummer oder Anschrift des Betriebs. „Tip is not included“, steht dort in oft sehr fetten Buchstaben, „Trinkgeld ist nicht inbegriffen.“ Manchmal formulieren die Wirte noch dringlicher. „Service is not included“, heißt es dann, „Bedienung ist nicht inbegriffen.“

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Früher kannte man so etwas nur aus Amerika. Die alte Bundesrepublik galt als ein Land der eher knausrigen Trinkgeldgeber. Viele Leute, gerade auf dem Land oder in kleineren Städten, rundeten gerade mal auf den nächsten halbwegs glatten D-Mark-Betrag auf. Der Chef selbst bekam gar nichts. Ausnahmen galten allenfalls dort, wo die Feierlaune mit dem Alkoholkonsum stieg, etwa auf dem Münchener Oktoberfest. Vor Besuchen in den Vereinigten Staaten lasen die Deutschen dann erstaunt im Reiseführer, dass dort 15 bis 20 Prozent obligatorisch seien, weil das Personal kaum Festgehalt beziehe. Wer es nicht glauben wollte, dem rannte die Bedienung schon mal auf die Straße hinterher. „You have to tip me“: Sie müssen mir Trinkgeld geben.

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