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Corona-Folgen : Reisebüros fürchten harte Auslese

Kein Geschäft: Schriftzug im Schaufenster eines Reisebüros Bild: dpa

Mit der Pandemie blieben die Kunden weg. Fachleute schätzen, jedem zweiten Reisebüro drohe in der heutigen Form das Ende. Neue Konzepte bis hin zur Videoberatung sollen vor dem Aus schützen.

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          Die Pandemie ist nicht mehr die einzige Sorge. In Deutschlands Reisebüros blieben mit den Corona-Meldungen die Kunden weg. Und ein Jahr später wächst die Angst, ob die Kunden jemals in früherer Zahl zurückkehren oder auf Onlinebuchungen umschwenken. „Ich befürchte, dass es eines Tages mehr als die Hälfte der stationären Reisebüros nicht mehr in der heutigen Form geben wird – aber vielleicht in einer anderen Form“, sagt Tourismusberater Kurt Koch.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Düstere an seiner Prognose: Von den rund 11000 Buchungsstellen in Städten, die der Branchenverband DRV noch im Jahr 2018 zählte, könnten einige Tausend wegfallen. Die Hoffnung: Wer einiges anders macht und den Online-Verkauf nicht mehr als Rivalen sieht, kann überleben, wenn Bürger Reiselust wieder in Buchungen umsetzen. „Ich bin davon überzeugt, dass die persönliche Reiseberatung eine Zukunft hat. Aber sie muss sich wandeln“, sagt Koch, der Büros mit seinem Unternehmen Rita AG dabei begleiten will.

          Lange galt Deutschland als Reisebüro-Eldorado Europas, nirgendwo sonst war deren Dichte so groß. Auf 100.000 Einwohner kamen 12,4 Reisebüros. Discounter wie Aldi und Lidl schaffen mit ihren Filialen diesen Wert nicht mal gemeinsam. Und allen Todesprophezeiungen wegen erstarkender Online-Portale zum Trotz stiegen die Buchungsumsätze auf Rekordhöhen, erst im Vor-Corona-Jahr 2019 gab es einen leichten Rückgang auf den dennoch weiter stattlichen Wert von 24,6 Milliarden Euro.

          Nur eine Branche sieht Lage noch düsterer

          Buchungen von Ferienappartements über Airbnb, Tickets direkt vom Billigflieger und Sparangebote aus dem Netz – all das trug mit dazu bei. Im Jahr 2020 wurde dann nach Angaben der Wissenschaftlergruppe, die die jährliche Reiseanalyse erstellt, erstmals die Hälfte aller großen Urlaube online gebucht. Das lag auch daran, dass in der Pandemie mehr Urlauber im Inland blieben, während Büros seit jeher stärker auf Ziele im Ausland blicken. Von knapp 2400 Büros mit Iata-Lizenz zum Verkauf von Flugtickets aller Art hat in der Pandemie schon jedes zehnte die Lizenz zurückgegeben – auch wegen Geschäftsaufgaben.

          Nun suchen Betriebe nach Wegen, um nicht im durch die Pandemie beschleunigten Wandel unterzugehen. In einer branchenübergreifenden Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) gaben schon 30 Prozent der Reisevermittler offen an, sie sähen sich von einer Insolvenz bedroht. Nur in der Kreativwirtschaft war dieser Wert höher, in der Gastronomie sahen sich dagegen bloß 20 Prozent unmittelbar in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht.

          Neue IT soll Büros helfen

          „Reisebüros haben eine Existenzberechtigung“, beteuert dagegen Cornelius Meyer, der Vertriebschef der Best-Reisebüro-Kooperation, zu der mehr als 600 angeschlossene Büros gehören. „Aber das Reisebüro von 1970 passt 2021 nicht mehr“, fügt Meyer hinzu. Kurzum: Corona-Leid hin oder her, es muss sich in zahlreichen Büros etwas ändern.

          Meyer hat die Flaute in der Pandemie genutzt, um in die IT investieren lassen. „Wir wollen Begleiter auf der gesamten Reise sein – unter anderem mit einer App. Kunden können Ausflüge dazu buchen, auch dann noch, wenn sie am Reiseziel angekommen sind. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz können wir ihnen nun Offerten passgenau zukommen lassen“, sagt Meyer. Das soll die Wertschöpfungskette über Flug, Hotel, Pauschalreise hinaus verlängern bis zu Eintrittskarten und Erlebnistourenbuchungen.

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