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Polnische Pflegekräfte : Iwonkas Reise

Iwona Maks (Mitte) auf dem Sofa im Haus von Ernst Biallas (rechts) in Speyer. Pflegerin Jadwiga Krol (links) erklärt ihrer Kollegin beim Schichtwechsel, was zuletzt passiert ist und worauf es in den kommenden Wochen zu achten gilt. Bild: Maximilian von Lachner

Rund eine halbe Million Polinnen pflegen in Deutschland die Alten und Kranken. Unser Autor hat eine von ihnen zur Weihnachtsschicht nach Speyer begleitet.

          11 Min.

          Weihnachten hat Iwona Maks schon vor drei Wochen gefeiert, gleich nach dem ersten Advent. Ihre Enkelkinder kamen zu Besuch, ihr Mann hatte den Kaminofen eingeheizt, am Kunststofftannenbaum im Wohnzimmer hingen Lametta und eine bunte Lichterkette. Es gab den kräftigen Eintopf mit Hühnchen und Gemüse, den sich die kleine Maja immer von ihrer Oma wünscht. Ein schöner Tag. Auch wenn es draußen trüb war in Dabroszyn, dem kleinen Dorf in Polen, in dem Iwona Maks und ihr Mann Krzysztof auf 47 Quadratmetern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung leben. Als die Enkel gegangen und die Töpfe gespült waren, fing Iwona Maks an zu packen.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Morgens früh, bevor der Kleinbus kommt, der sie zur Arbeit nach Deutschland bringt, ist dafür nie genug Zeit. Eine Vorratspackung Zigarettentabak, drei polnische Kreuzworträtselhefte und fünf dicke Schmachtromane stecken im Koffer. Das hilft bei Heimweh und Einsamkeit. Iwona Maks ist eine von rund 500.000 Frauen aus Osteuropa, die allermeisten von ihnen Polinnen, die in Deutschland in der Altenpflege arbeiten. Die Frauen kümmern sich um die Gebrechlichen hierzulande, rund um die Uhr, wenn es sein muss. Sie machen das, was die Jungen und Gesunden in Deutschland nicht tun können, weil sie dafür in ihrem Terminkalender keine Zeit finden. Oder nicht tun möchten, weil es ihnen zu beschwerlich und zu schlecht bezahlt ist. Die Polinnen kochen und waschen, sie helfen den Alten aufs Klo und unter die Dusche, sie halten ihre Wohnungen sauber und wechseln ihnen die Windeln.

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