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Smartphone-Spiel : Mammon mit dem Pokémon

  • -Aktualisiert am

Das weltweite Phänomen begeistert Millionen: Pokémon Go Bild: Nintendo

Alle Welt spielt Pokémon Go, das neue Smartphone-Spiel mit den bunten Monstern. Die App ist zwar gratis. Aber während des Spiels wird man ständig zum Geldausgeben animiert.

          Die Gleichung scheint so einfach: Eine Spiele-App, 151 Monster, bald 100 Millionen Downloads – das ergibt viel Geld, so sollte man meinen. Die Frage ist nur: Wer verdient eigentlich an Taubsi, Rattfatz, Pikachu und Co., den Monstern aus Pokémon Go? Und wie bringt eine Gratis-App Umsatz? Noch vor ein paar Wochen war für viele Anleger die Sache klar: Der Gewinner heißt Nintendo. Auf den Konsolen des japanischen Spieleentwicklers konnten die Taschenmonster in den 90er Jahren erstmals gefangen und trainiert werden. Nun gehen die Spieler mit ihren Smartphones auf die Jagd – in der realen Welt. Auf einer Karte sieht man, ob ein Monster in der Nähe ist. Über die Smartphone-Kamera wird es dann in die reale Umgebung gebeamt und kann eingesammelt werden. An bestimmten, real existierenden Orten, sogenannten Pokéspots, gibt es wichtige Werkzeuge oder Arenen, in denen die Monster kämpfen.

          So verrückt das klingt: Das Spiel kommt super an und hat bereits sämtliche Download-Rekorde in den App-Stores gebrochen. Der Aktienkurs von Nintendo zeigte Anfang Juli zum Start von Pokémon Go steil nach oben, und innerhalb gut einer Woche konnte das Unternehmen einen Wertzuwachs von 10 Milliarden Dollar verbuchen. Auf dem Höhepunkt war Nintendo knapp 36 Milliarden Dollar wert. Doch nach knapp zwei Wochen brach der Aktienkurs um satte 18 Prozent ein. Nintendo selbst hatte zum Start von Pokémon Go in Japan die Erwartungen gedämpft. Man gehe von einem begrenzten Einfluss auf die Bilanz aus.

          Zwei anderen Unternehmen gehört nämlich ein viel größeres Stück vom Erfolgskuchen. Da ist Niantic, ein ehemaliges Tochterunternehmen von Google, das die Spiele-App entwickelt hat. Es erhält 30 Prozent vom Umsatz. Genau wie die Pokémon Company, die als Eigentümerin der Pokémon-Marke Lizenzgebühren kassiert. Nintendo selbst bekommt auf direktem Weg nur 10 Prozent. Da die Japaner aber zusätzlich noch 32 Prozent an der Pokémon Company halten und auch bei Niantic noch in unbekannter Höhe investiert haben, schätzen Analysten, dass am Ende 13 Prozent an Nintendo fließen. Die restlichen Prozente gehen an Apple und Google. Was eine viel grundsätzlichere Frage aufwirft: Wie macht man überhaupt Geld mit einer Gratis-Spiele-App?

          Es begann Ende der 1990er, mit einfachen, aber beliebten Handy-Spielen wie Snake von Nokia. Seitdem wird immer mehr auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets gespielt. Gleichzeitig sind Spiele-Apps, die einen Festpreis haben, in den letzten Jahren aus der Mode gekommen, Gratis-Spiele-Apps sind nun angesagt. Bei ihnen verdienen die Entwickler an Extras wie Zaubertränken oder Waffen, die es im Spiel zu kaufen gibt – so auch bei Pokémon Go. Hier gibt es zum Beispiel „Glücks-Eier“ zu kaufen, die den Trainingserfolg der Monster verdoppeln. Oder einen Rauch, der Monster anlockt.

          Erfolg der In-Game-Käufe

          Für die Unternehmen sind solche In-Game-Käufe ein neuer, aber sehr erfolgreicher Weg geworden, Geld zu machen. In der ersten Woche soll Pokémon Go so bereits einen Umsatz von 14 Millionen Dollar erzielt haben, schätzten Analysten von SuperData Research. Abgewickelt werden diese Mikrotransaktionen in den App-Stores von Apple und Google, die so 30 Prozent vom Umsatz einer Spiele-App direkt einstreichen. Diese Art der Finanzierung hat sich für die Spieleentwickler als eine lukrative Einnahmequelle bewährt. Um mehr als ein Drittel legten die Gratis-Spiele-Apps 2015 im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland zu, wie Zahlen des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware zeigen. Mit ihnen stieg auch der Umsatz mit den virtuellen Extras, von 217 auf 295 Millionen Euro. Mit Pokémon Go dürfte diese Erfolgsgeschichte 2016 weitergehen.

          Dabei haben längst nicht alle Spieler Lust, Geld für irgendwelchen zusätzlichen Schnickschnack auszugeben. Sie sind sogar in der Mehrheit. Doch es gibt zwei weitere Gruppen von Spielern, die bereit sind, echtes Geld zu investieren. Die einen lassen sich vom Spiel mitreißen und wollen durch die Extras schneller vorankommen. Da sie nichts fürs Spiel gezahlt haben, macht es ihnen nichts aus, für solche Extras einen gewissen Betrag zu investieren. Eine weitere Gruppe schließlich sind die Leute, für die nur der erste Platz zählt – und die dafür auch große Summen ausgeben. „Mit den beiden zahlenden Gruppen kann mehr Umsatz erzielt werden, als wenn es am Anfang einen Kaufpreis für das gesamte Spiel gibt“, sagt Maic Masuch, Professor für Medieninformatik und Entertainment Computing an der Universität Duisburg-Essen.

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