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Bereicherung in Myanmar : Armee ohne Anstand

In Yangon protestieren demokratische Kräfte mit Straßenbarrikaden gegen das seit dem Putsch wiedererstarkte Militär. Bild: AFP

Vor einem Jahrzehnt wagten die Generäle eine vorsichtige Öffnung Myanmars. Nach dem Putsch im Februar ist nichts davon übrig – und das Militär macht sich weiterhin die Taschen voll.

          8 Min.

          Als Fäuste und Stiefel gegen ihre Tür hämmern, bekommt die alte Dame Angst. Sie löscht die Lichter, kauert sich in die kleine Küche. Die Holztür hält stand, nach ein paar Minuten zieht die Soldatenhorde in jener Nacht weiter auf ihrer Suche nach Demonstranten. „Am Morgen nachdem sie gekommen waren, packte meine Mutter ein paar Sachen zusammen und ist zu uns gezogen“, sagt Khin Maung. Seit auch seine Schwägerin mit den beiden Kindern aus Mandalay kam, wo das Essen knapp wurde, leben sie zu siebt in dem Häuschen in Bagan, im Zentrum von Myanmar. „Es wird manchmal eng und knapp mit allem. Aber wir alle hier können lange überleben, wenn wir nur Reis bekommen“, sagt Khin Maung. Auf seinem blauen T-Shirt steht „Love“. Er lacht.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Khin Maung erzählt die Geschichte seiner Mutter per Videoanruf aus einem Haus in der Stadtmitte des Touristenortes. Seinen echten Namen kann er, wie die anderen Gesprächspartner aus dem Land, aus Sicherheitsgründen nicht nennen. In der Stadt aber hat er noch eine Internetverbindung. In den meisten Vierteln wird sie dagegen immer wieder abgeschaltet, wie auch der Strom. „Ich muss leise sprechen. Ich weiß nicht, wer von den Nachbarn mithört. Manche wollen sich Vorteile verschaffen, wenn sie andere beim Militär anschwärzen.“ So ist es überall im Myanmar: Die Angst geht um, Panik bricht aus, wenn „sie“ kommen. Sie – das sind die Mörder in Uniform. Knapp 600 Tote werden seit dem Putsch Anfang Februar gezählt. Kinder, von Kopfschüssen getroffen, Verletzte, die die Soldaten mit Benzin übergossen und anzündeten, Folteropfer. Die Welt schüttelt den Kopf, angewidert von der Selbstzerstörung des jüngsten Hoffnungsträgers Südostasiens. Eine Antwort findet sie nicht.

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