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Mäzenatin : Wie MacKenzie Scott ihre Milliarden einsetzen will

MacKenzie Scott auf einem Foto aus dem Jahr 2018, als sie noch mit Jeff Bezos verheiratet war Bild: AP

Die frühere Frau von Amazon-Chef Jeff Bezos hat sich in kurzer Zeit als einflussreiche Wohltäterin profiliert. Sie verfolgt dabei einen ganz anderen Ansatz als Stifter wie Bill und Melinda Gates.

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          Im vergangenen Jahr schloss sich MacKenzie Scott, damals noch unter dem Namen MacKenzie Bezos, dem „Giving Pledge“ an. Das ist eine von den Multimilliardären Bill und Melinda Gates und Warren Buffett ins Leben gerufene Initiative, deren Unterzeichner versprechen, mehr als die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke auszugeben. Scott hatte sich wenige Wochen zuvor mit ihrem langjährigen Ehemann Jeff Bezos, dem Gründer und Vorstandschef des Online-Händlers Amazon.com, auf Konditionen für ihre Scheidung geeinigt. Demnach sollte sie ein Viertel der Amazon-Aktien erhalten, die das Paar zuvor gemeinsam gehalten hatte, womit sie sich auf einen Schlag separat von ihrem früheren Mann auf diverse Listen von Superreichen katapultierte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          „Ich habe eine unverhältnismäßig große Menge an Geld zu teilen“, schrieb sie, als sie ihre Teilnahme am „Giving Pledge“ bekanntgab. Sie versprach, zu spenden, „bis der Tresor leer ist“. Und sie deutete an, welchen Ansatz sie als Wohltäterin verfolgen werde. Sie beschwor den Wert schnellen Handels und zog eine Parallele zur Welt der Literatur, die ihr als Autorin zweier Romane wohlvertraut ist. Sie habe einmal gelesen, beim Schreiben sollten die besten Ideen nicht für spätere Kapitel aufgehoben, sondern sofort verwendet werden.

          Tatsächlich legt Scott nun beim Spenden ein furioses Tempo vor. Kürzlich teilte sie mit, in den vergangenen vier Monaten fast 4,2 Milliarden Dollar an wohltätige Organisationen gegeben zu haben. Und dies kam, nachdem sie schon im Juli Spenden von 1,7 Milliarden Dollar publik gemacht hatte. Ihr gesamtes karitatives Engagement für dieses Jahr addiert sich damit auf fast sechs Milliarden Dollar. Das ist in der Welt der Philanthropie ein atemberaubend hoher Betrag. Nicht einmal die Bill & Melinda Gates Foundation, die größte Privatstiftung der Welt, gibt so viel Geld in so kurzer Zeit aus. Das Paar hat im vergangenen Jahr 5,1 Milliarden Dollar aus seinem rund 50 Milliarden Dollar umfassenden Stiftungsvermögen gespendet.

          Es sind aber nicht nur die gewaltigen Summen an Geld, die Scotts Wohltaten besonders machen. Sie unterscheidet sich auch mit ihrer Philosophie von vielen anderen Großstiftern. Ihre Spenden kommen unaufgefordert und treffen viele ihrer Empfänger völlig unvorbereitet. Sie sind auch an keinerlei Vorgaben geknüpft, und Scott verlangt nicht, im Gegenzug mit ihrem Namen auf Gebäuden verewigt zu werden. Entsprechend fallen die Reaktionen aus. „Es ist wie ein Weihnachtswunder“, sagte der verblüffte Chef einer von Scott beschenkten YMCA-Niederlassung im Bundesstaat Idaho zu einer lokalen Radiostation. Die „New York Times“ schrieb, einige der E-Mails, in denen Scotts Vertreter Spenden ankündigten, seien erst in Spam-Ordnern der Organisationen gelandet. Manche Empfänger hätten auch erst einen möglichen Schwindel gewittert. Für viele Gruppen sei Scotts Spende die größte in ihrer Geschichte gewesen.

          Für diese ebenso simple wie unkonventionelle Art des Gebens hat sich Scott bewusst entschieden. Wie sie in der Ankündigung ihrer jüngsten Spenden sagte, bringe die chronische Geldnot für viele gemeinnützige Organisationen eine ständige Ablenkung von ihrer eigentlichen Arbeit mit sich. Sie müssten viel Zeit mit dem Werben um Finanzmittel verbringen, und Spender erwarteten oft ausführliche Berichte, was mit ihrem Geld geschehe und erreicht werde.

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