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Immobilien : Wie lange hält der Bauboom noch an?

  • -Aktualisiert am

Der Großteil der rund 308.700 Baugenehmigungen entfiel mit knapp 139.200 genehmigten Wohnungen auf Mehrfamilienhäuser mit drei oder mehr Wohnungen. Bild: Picture-Alliance

Die Zahl der Baugenehmigungen ist so stark gestiegen wie seit dem Jahr 1999 nicht mehr. Allerdings dürfte auch das nicht reichen, um den Bedarf zu decken.

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          Der Bauboom in Deutschland dauert an: In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres wurden knapp 308.700 Baugenehmigungen erteilt; 23,4 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Es ist die höchste Zahl an Genehmigungen seit 1999. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit. Ein Treiber der Entwicklung ist der Bedarf an Flüchtlingsunterkünften. „Viel bedeutsamer ist aber, was bei Mehrfamilienhäusern passiert“, sagte Heiko Stiepelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, dieser Zeitung.

          In der Tat: Der Großteil der rund 308.700 Baugenehmigungen entfiel mit knapp 139.200 genehmigten Wohnungen auf Mehrfamilienhäuser mit drei oder mehr Wohnungen. Zudem wurden gut 80.300 Einfamilienhäuser und knapp 20.000 Wohnungen in Zweifamilienhäusern genehmigt. Die meisten genehmigten Wohnungen sind Mietwohnungen; gut 66 800 Baugenehmigungen betrafen Eigentumswohnungen. Auch Um- und Anbauten spielen eine Rolle: Den Statistikern zufolge gab es hier mit 43600 Baugenehmigungen das stärkste Plus seit 1998.

          Rolf Buch, Vorsitzender des Ausschusses Wohnen beim Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), erklärte den sprunghaften Anstieg der Baugenehmigungen am Freitag mit einer Mischung mehrerer Faktoren: „Die Politik hat die Wichtigkeit des Themas Neubau erkannt, um in Ballungsräumen für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt zu sorgen“, sagte er dieser Zeitung. Zudem verhießen Nachfrage, Zins und Anlagedruck mehr Rendite als andere Investments. „Zusätzlich werden auch Projekte vorgezogen, weil die Befürchtung besteht, dass der Neubau durch weitere politische Maßnahmen noch teurer werden könnte.“

          Neben dem regulären Wohnungsbau macht sich auch die Flüchtlingsunterbringung in den Zahlen bemerkbar. Die Zahl der genehmigten Wohnungen in Wohnheimen stieg um gut 140 Prozent auf 20900. Stiepelmann von der Bauindustrie betonte, dass Wohnheime deshalb weiterhin die zentrale Rolle in der Flüchtlingsunterbringung spielten, weil die Geflüchteten oft alleinstehende Männer seien. Der Familiennachzug aber werde die Unterbringung stärker auf den regulären Wohnungsbau verlagern. Haupttreiber des Booms ist aus Sicht der Bauindustrie derzeit aber „die allgemeine Binnenwanderung in die Ballungszentren und Schwarmstädte“, sagte Stiepelmann. „Die Flüchtlingsunterkünfte kommen noch oben drauf.“ Angesichts der gestiegenen Baugenehmigungen ist die Bauindustrie optimistisch, was die am Ende wirklich gebauten Wohnungen im laufenden Jahr angeht. „280000 neue Wohnungen werden wir wohl schaffen“, sagte Stiepelmann.

          Allerdings dürfte auch das nicht reichen, um den Bedarf zu decken. Bauministerin Barbara Hendricks (SPD) geht davon aus, das bis 2020 jedes Jahr im Schnitt 350000 neue Wohnungen im Jahr gebaut werden müssten. „Davon sind wir noch ein ganzes Stück entfernt“, sagte Stiepelmann. Kurzfristig Entwarnung könnten sie nicht geben. Auch Buch vom ZIA sagte, es fehle weiterhin „an ausreichend bezahlbarem Wohnraum in Deutschlands Städten und Ballungsregionen“. Zusätzliche Anreize für den Neubau und für niedrigere Baukosten seien zwingend erforderlich.

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