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Trumps wichtiger Helfer : Der Abgeordnete, der Amerikas Steuerreform erdacht hat

Vollprofi: Seit mehr als zwanzig Jahren gehört Kevin Brady dem Repräsentantenhaus an. Bild: Reuters

In Amerika wird um eine große Steuerreform gerungen. Donald Trump will sie gerne demnächst als seinen ersten großen Gesetzes-Erfolg verkaufen. Doch wenn das klappt, gebührt der Dank einem anderen Politiker.

          Die Parlamentarier der Vereinigten Staaten haben sich dreißig Jahre lang nicht ernsthaft an das Steuersystem herangewagt. Im Jahr 1986, als Ronald Reagan Präsident war, hatte der Kongress die Steuersätze kräftig gesenkt, Ausnahmen gestrichen und das System vereinfacht. Damals standen auch die Demokraten fast geschlossen hinter der Reform. Es folgte ein Wirtschaftsboom. Kritiker bestreiten die Kausalität, Republikaner gucken bis heute beseelt, wenn sie an jene Zeit zurückdenken.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Dreißig Jahre später sind das Land und der Kongress nach der Finanzkrise und den Obama-Jahren geteilt wie selten zuvor. Die im vergangenen Jahrhundert noch lebendige Tradition im Kongress, dass gesellschaftliche Großprojekte wie große Steuer-, Gesundheits- oder Sozialreformen mit Stimmen aus beiden Parteien ihre Mehrheit finden, ist dahin. Diese Polarisierung bestimmt den Rahmen für die große Steuerreform, das macht sie so besonders kompliziert.

          „Ich bin so stolz auf diesen Mann“

          Es ist eine Aufgabe wie gemacht für den republikanischen Abgeordneten und legislativen Vollprofi Kevin Brady aus Houston, der dem Repräsentantenhaus seit mehr als zwanzig Jahren angehört. Der 62 Jahre alte Texaner mit der markanten Glatze leitet mit ausgleichend-freundlichem Temperament den mächtigen Haushalts-Ausschuss des Repräsentantenhauses, der dort die Federführung für die Steuerreform innehat. Brady hat als Chefautor einen 429 Seiten starke Entwurf vorgelegt, der vom Repräsentantenhaus abgesegnet wurde. Das ist ein großer Fortschritt aus Perspektive der Republikaner. Sie halten deshalb ihr Lob nicht zurück: „Ich bin so stolz auf diesen Mann“, rief Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses und enger Vertrauter Bradys.

          Die 429 Seiten sind das Ergebnis von wochenlangen Abstimmungen, die nicht selten bis spät in die Nacht gingen und manches Wochenende verschlangen. Wirklich zu schaffen machte Brady, dem College-Baseballspieler, dass er wegen der Sitzungen wichtige Baseballspiele der Houston Astros versäumte, die die World Series gewannen. Wer Brady über die Astros reden hört, spürt echte Hingabe und nicht jene professionelle Anforderung an Abgeordnete, sich öffentlich als Superfans ihrer lokalen Teams zu geben.

          Das große Ziel im Blick

          Der Gesetzesentwurf war so aufwendig, weil er vielen Interessengruppen weh tut, deren Steuerprivilegien er eliminieren will. Immobilienmakler, Universitäten, Banken, Krankenhäuser und nicht zuletzt die europäischen Konzerne haben ihre Lobbyisten direkt zu Brady geschickt, um etwas herauszuschlagen, oder gewogene Abgeordnete in Stellung gebracht. Brady hat sich als Pragmatiker gezeigt, manchmal nachgegeben. Für besondere Aufmerksamkeit hat die Streichung einer Steuergutschrift für Adoptionskosten gesorgt. Brady ist der Vater von zwei adoptierten Söhnen, er nennt sie den größten Segen seines Lebens. Trotzdem hat er die Streichung der Absetzbarkeit von Adoptionskosten verteidigt, musste sich aber dem Widerstand christlicher und konservativer Organisationen beugen.

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